Schüler und Beamte protestieren gegen Sparkurs in Frankreich
Stand: 29.09.2026 • 20:25 Uhr
Schlechte Ausstattung, zu große Klassen, Ungleichheit: Seit Tagen machen Schüler in Frankreich bei Protesten ihrem Unmut Luft. Einige schlossen sich nun Beamten an, die gegen den Sparkurs der Regierung auf die Straße gingen.
Es ist eine explosive Mischung: Just an dem Tag, für den der öffentliche Dienst im ganzen Land Demonstrationen angekündigt hatte, kulminierten erneut die Schülerproteste. Sie richten sich gegen Unterrichtsausfall, zu wenig Lehrer und psychosoziale Dienste, schlechte Ausstattung.
Eine Schülerin sagt: "Wir blockieren die Schule nicht aus Spaß. Wir wollen lernen, unser Abi machen, wir wollen an die Uni, aber unter diesen Bedingungen ist das nicht möglich." Ein Schüler erklärt: "Wir sind mehr als 35 Schüler pro Klasse, das Schulgebäude ist nicht gut isoliert. Während der Hitze im Sommer ging es uns schlecht, es waren gefühlt über 40 Grad in den Klassenräumen."
Seit ein paar Tagen wächst die Protestbewegung an den Lycées, den Gymnasien. Barrikaden vor den Eingängen, es kam zu zahlreichen Zusammenstößen mit der Polizei. Einige Vermummte - oftmals junge Leute, die gar nicht an den Lycées eingeschrieben sind, so die Vermutung - schossen mit Feuerwerkskörpern auf Polizisten.
Lehrer demonstrieren mit
Doch vielerorts solidarisieren sich die Lehrkräfte mit der Schülerschaft. Wie diese Lehrerin am Lycée Paul Eluard in Saint Denis, dem armen Norden von Paris:
Uns fehlen Tische. Stühle brechen jeden Tag zusammen, es gibt ein riesiges Gefühl der Ungleichheit gegenüber den Schulen im Pariser Stadtzentrum. Aber wir streiken auch, weil es so krasse Polizeigewalt gegen unsere Schüler gegeben hat. Wir sind heute hier, um sie mit unserer Präsenz physisch zu schützen.
Mélenchon wirft Polizei Rassismus vor
Auf Anweisung des Innenministers gehen die Sicherheitskräfte hart gegen die Schüler und Schülerinnen vor. Ein Schüler wurde durch eine Tränengasgranate schwer im Gesicht verletzt. Diese Strenge prangern nicht nur die Lehrer an, sondern auch der Präsidentschaftskandidat der linksradikalen LFI, Jean-Luc Mélenchon.
Er warf der Polizei gar Rassismus gegen die Jugendlichen aus den Banlieues vor. Die Vororte sind von Einwanderung geprägt. Premierminister Sébastien Lecornu kritisierte ihn daraufhin öffentlich. Der Vorwurf: LFI schüre die Proteste oder habe sie gar losgetreten, um Stimmen im Wahlkampf vor den Präsidentschaftswahlen 2027 zu gewinnen.
Mélenchon reagierte auf der großen Demo des öffentlichen Dienstes. Er sei stolz, dass LFI an den Schultoren Präsenz zeige, um die Kids zu verteidigen. Eltern und LFI Anhänger sollten sich der "polizeilichen Rohheit" entgegenstellen. In dieser angespannten Lage beschlossen Teile der Schülerschaft, sich dem großen Demonstrationszug des öffentlichen Dienstes anzuschließen.
"En grève" (im Streik) - auch dieser Feuerwehrmann in Paris beteiligte sich an dem Protest.
"So können wir nicht länger Hilfe leisten"
In Paris, Marseille, Lille und vielen anderen Städten der Republik gingen Beamte auf die Straße, um für höhere Gehälter zu demonstrieren. Der öffentliche Dienst werde kaputtgespart. Auch die Feuerwehrleute protestierten. Zum Beispiel Xavier Roy, Berufsfeuerwehrmann und Gewerkschaftssprecher, der mit seiner Delegation spontan vom Innenminister empfangen wurde.
"Wir haben ihm gesagt, wie wütend wir sind. Wir gehen immer ans Limit, manchmal sogar unter Einsatz unseres Lebens. Aber wir sind am Ende", so Roy. Es seien fast 8.000 Feuerwehrleute auf der Demo gewesen. "Es geht uns nicht ums Gehalt. Es geht uns darum, den katastrophalen Zustand des Zivilschutzes anzuprangern. So können wir nicht länger Hilfe leisten."
Doch bessere Ausstattung, höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen sind teuer. Und das Staatsdefizit Frankreichs beträgt fast 119 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Deshalb wird Premier Lecornu noch diese Woche einen Sparhaushalt vorlegen. Keine gute Voraussetzung, um die explosive Stimmung im Land zu beruhigen.
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