Kerosin-Pflichtlager geöffnet – Geht der Schweiz der Treibstoff aus?

Der Bund öffnet die Kerosin-Pflichtlager. Sein Delegierter erklärt, weshalb er dennoch keinen akuten Mangel erwartet.
17.10.2026, 15:37
Am Flughafen Zürich droht das Kerosin knapp zu werden. Deshalb hat der Bund die Pflichtlager geöffnet: Bis zum 1. November können Treibstoffhändler daraus bis zu 30 Millionen Liter Kerosin beziehen. Die wirtschaftliche Landesversorgung beurteilt die Versorgung mit Kerosin als gefährdet, die Lage bei Diesel als sehr angespannt.
Geht der Schweiz langsam der Treibstoff aus? Dramatisieren will Roland Pfister nichts. Er ist der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung des Bundes und von Amtes wegen so etwas wie der Hüter der Pflichtlager und der Herr über deren Öffnung.
Die gefährdete Versorgungslage halte seit März an. Die Pflichtlager für Kerosin seien freigegeben worden, weil über den ausgetrockneten Rhein wenig Treibstoff komme und Baustellen zusätzlich den Transport auf der Schiene beeinträchtigt hätten: «Damit wir in der Schweiz eine einigermassen stabile Versorgung haben, müssen zwei dieser Logistikachsen funktionieren.»
Funktioniert habe nur die dritte Achse: die Pipeline zur Raffinerie in Cressier. Fallen zwei aus, könne es zu Engpässen kommen. Dann seien die Reserven – wie auf dem Flughafen Zürich– halt tief.
Akute Nicht-Fluggefahr habe aber nie geherrscht, ist Pfister sicher: «Gerade mit den Pflichtlagern haben wir die Möglichkeit, solche Situationen verhindern zu können.»
Reserven für mehrere Monate
Wie prekär ist die Lage nun aber wirklich? Grundsätzlich sei die Situation bei Heizöl und Treibstoffen in der Schweiz angespannt, erklärt Roland Pfister. Für viereinhalb Monate müssen die Pflichtlager Heizöl und Diesel in Reserve haben. Kerosin liegt für drei Monate in den Tanks. So lange reicht die Reserve, wenn gar kein Nachschub kommt.
Doch da immer Treibstoffe und Öl in die Schweiz flossen, reichten die Reserven viel weiter: «Man geht nicht davon aus, dass der Import komplett zum Erliegen kommt. Im Gegenteil: Man sieht auch diesen Sommer gut, dass viele Transporte, die normalerweise über den Rhein in die Schweiz kommen würden, teilweise durch die Bahn kompensiert werden können.»
Warnende Expertenstimmen sagen, wir befänden uns in der Illusion des Überflusses. Das sei gefährlich, weil tatsächlich ein Mangel drohe und weder auf den Märkten noch in den Ölstaaten Entspannung zu erwarten sei.
Roland Pfister wirkt entspannt. Die Schweiz habe ein Lieferproblem, kein Verfügbarkeitsproblem.
Sparappelle wären der erste Schritt
Der Bund beurteilt die Versorgungslage anhand von vier Warnstufen – ähnlich wie bei der Lawinengefahr. Jetzt herrscht bei Diesel und Co. mässige Gefahr, Farbe Gelb. Die Lage könnte sich auf Orange oder schliesslich Rot verschärfen – auf grosse Gefahr.
Von autofreien Sonntagen, kalten Wohnzimmern im Winter und Flugzeugen am Boden seien wir weit weg. Würde es wirklich knapp, dann müsste der Bund handeln: «Das würde mit Sparappellen beginnen und kann bis zu Verbrauchseinschränkungen führen. Davon gehen wir aber aktuell nicht aus.»
Möglich sei, dass weitere Mineralölprodukte knapper würden und der Bund auch dafür Pflichtlager freigeben müsse. «Aber dass wir in eine echte knappe Situation laufen, dafür gibt es aktuell keine Anzeichen.»
Keine tieferen Preise
Aber Anzeichen für tiefere Preise bei Diesel oder Heizöl gebe es nicht. Für Preissenkungen seien die geöffneten Pflichtlager nicht da. Was aus den Reserven verkauft werde, sei gleich teuer wie Treibstoff auf dem Markt.
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