Selbstfahrende Autos – Robotaxis: Was bei der Testfahrt klappt – und was nicht

Seit Oktober fahren im Zürcher Furttal autonome Robotaxis. Digitalredaktor Reto Widmer hat eine Testfahrt gemacht und erklärt, ob der Pilotversuch der Durchbruch ist für selbstfahrende Fahrzeuge.
SRF Digitalredaktion
Reto Widmer erklärt seit 2006 als Technologie-Korrespondent die digitale Welt und ordnet Digitalisierungsvorgänge ein. Zuvor war er als selbständiger Webentwickler unterwegs und unterrichtete das Thema «Web» an einer grossen Computerschule. Sein erster Computer war ein Atari ST, der bei seinem Grossvater stand. Seit dieser Begegnung ist er dem Computervirus verfallen, hat selber bis heute zum Glück aber noch nie einen eingefangen.
Sind Robotaxis in der Schweiz etwas Neues?
Nein. Die Schweiz testet autonome Fahrzeuge bereits seit rund zehn Jahren und gilt deshalb europaweit als Vorreiter bei Praxistests von Robotaxis im öffentlichen Verkehr. Zu den ersten Projekten gehörten autonome Elektro-Shuttles in der Altstadt von Sitten. Die kleinen Busse fuhren auf festgelegten Routen und in einem stark begrenzten Umfeld.
Die Erfahrungen zeigten die Grenzen der damaligen Technik: Mischverkehr, Baustellen oder unerwartete Situationen führten regelmässig zu Problemen. Eine Aufsichtsperson musste immer an Bord sein.
Was macht das Projekt im Furttal besonders?
Die Robotaxis sind flexibler als bei früheren Versuchen. Die Fahrzeuge bewegen sich nicht mehr nur auf einer einzelnen Strecke, sondern in einem grossflächigen Einsatzgebiet und berechnen ihre Fahrten je nach Start-und Endpunkt selbst.
Möglich wird das durch leistungsfähige Sensoren, günstige Kameras, präzise Karten und künstliche Intelligenz. Die Fahrzeuge reagieren nicht mehr nur nach starren Regeln, sondern können Situationen interpretieren und entsprechend handeln.
Wie funktioniert ein Robotaxi technisch?
Die Furttaler-Robotaxis kombinieren verschiedene Sensoren:
- Kameras erkennen Ampeln, Verkehrsschilder, Fussgänger oder Velofahrer
- Lidar-Laser erstellen ein dreidimensionales Abbild («Punktewolke») der Umgebung und messen Entfernungen, Form und Bewegung von Objekten
- Radar hilft bei Regen, Nebel oder Dunkelheit
- GPS und Trägheitssensoren bestimmen Position und Bewegung
- Digitale Karten liefern Wissen über die Umgebung
Die Herausforderung ist, alle Daten in Echtzeit zusammenzuführen, so dass ein Robotaxi beispielsweise bewerten kann, ob ein Kind am Strassenrand stehen bleibt oder vermutlich die Fahrbahn überqueren wird.
Anders als Anbieter wie Waymo oder Weride verzichtet Tesla auf Lidar-Sensoren und Radar. Stattdessen sollen Kameras und künstliche Intelligenz die Umwelt ähnlich erfassen wie ein menschlicher Fahrer. Tesla ist überzeugt, dass Strassenverkehr grundsätzlich mit Sehen lösbar sei und zusätzliche Sensoren unnötige Kosten und Komplexität verursachen. Allerdings können Robotaxis, die nur mit Kameras ausgestattet sind, Probleme bei Dunkelheit, Nebel, starkem Regen oder blendendem Gegenlicht haben. In diesen Situationen liefern Lidar und Radar zuverlässiger Informationen.
Tesla setzt auf das Prinzip «nur Augen und Gehirn», die anderen Robotaxi-Anbieter auf verschiedene Sensoren, die sie miteinander kombinieren («Sensor-Fusion») und die Daten miteinander abgleichen.
Wie war die Fahrt im Furttaler Robotaxi?
Überraschend unspektakulär und ohne mulmiges Gefühl. Das Fahrzeug holt die Passagiere nach Bestellung per App ab und fährt von selbst ans Ziel. Während dieser Testphase sitzt noch eine Begleitperson hinter dem Steuer. In einem nächsten Schritt sollen die Fahrzeuge aus einer Zentrale überwacht werden.
Der Eindruck nach einer Fahrt: Das Robotaxi fährt sehr vorsichtig, teilweise sogar vorsichtiger als ein menschlicher Fahrer. Bei Verengungen bremst es sehr früh. Ein Gefühl der Unsicherheit kam nie auf.
Einmal war das Robotaxi überfordert: In einem Kreisel musste die Begleitperson eingreifen, als das Robotaxi eine von einem Autofahrer angebotene Lücke nicht nutzen wollte, weil es dessen winkende Geste nicht erkannte.
Werden sich Robotaxis durchsetzen?
Technisch sprechen viele Zeichen dafür. Die Systeme werden immer besser und haben inzwischen Millionen von Testkilometern absolviert. Langfristig könnten Robotaxis den öffentlichen Verkehr ergänzen, insbesondere in Randregionen oder zu Zeiten mit wenig Nachfrage.
Offen bleiben derzeit wichtige Fragen: Werden die Fahrzeuge im dichten Stadtverkehr genügend souverän fahren? Sind die Angebote wirtschaftlich? Werden sie in das bestehende ÖV-System integriert?
Die Diskussionen dazu müssen Politik und Gesellschaft erst noch führen: Wie und wo die Schweiz die faszinierende Technologie in Zukunft einsetzen will.
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