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Thursday, October 15, 2026

Sharon: «Ohne zusätzliche Abschlüsse kommt man kaum vorwärts»

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  • Vier junge Menschen aus der Schweiz erzählen, ob sie Lehre oder Studium gewählt haben und warum.
  • Sharon (23) hat eine Lehre als Fachfrau Betreuung abgeschlossen, wünscht sich aber faire finanzielle Perspektiven.
  • Timo (18) macht eine Lehre als Polymechaniker und will danach Wirtschaftsingenieurwesen studieren.
  • Joel (15) lernt Kaufmann und will sich später weiterbilden, Ana Rita (19) strebt via Gymnasium den Lehrerberuf an.

Irgendwann während der Schulzeit stellt sich für viele Jugendliche die Frage: Mache ich eine Lehre oder gehe ich ans Gymnasium und studiere später? Während man mit einer Lehre früh ins Berufsleben einsteigt und sein eigenes Geld verdient, kann ein Studium potenziell neue Karrierechancen eröffnen. Womit man am Ende finanziell besser dasteht, erfährst du hier.

Vier junge Personen aus der Community erzählen, wie sie diese Entscheidung getroffen haben.

«Eine abgeschlossene Lehre sollte mehr wert sein»

Sharon (23) aus dem Kanton Aargau hat ihre Lehre als Fachfrau Betreuung Kind EFZ abgeschlossen. «Ich wollte früh praktische Erfahrungen sammeln und mein eigenes Geld verdienen.»

Heute beschäftigt sie die Frage, wie es beruflich und finanziell weitergeht. «Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind hoch, und die Verdienstmöglichkeiten bleiben nach einer Berufsausbildung je nach Bereich teilweise begrenzt.» Sie möchte sich langfristig etwas aufbauen und nicht ständig finanzielle Sorgen haben müssen. «Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung und leiste wichtige Arbeit, merke aber gleichzeitig, dass für weitere Entwicklungsschritte oft noch mehr verlangt wird.»

Sharon (23) hat ihre Lehre als Fachfrau Betreuung Kind EFZ abgeschlossen. Sie kann sich vorstellen, später noch ein Studium zu absolvieren, um ihre beruflichen und finanziellen Chancen zu verbessern.

Sharon (23) hat ihre Lehre als Fachfrau Betreuung Kind EFZ abgeschlossen. Sie kann sich vorstellen, später noch ein Studium zu absolvieren, um ihre beruflichen und finanziellen Chancen zu verbessern.privat

«Man sollte auch mit einer Lehre eine faire Perspektive haben»

Sharon kann sich eine Weiterbildung oder ein Studium vorstellen. «Natürlich garantiert ein Studium nicht automatisch einen höheren Lohn.» Je nach Berufsfeld könne es aber den Zugang zu besser bezahlten Positionen ermöglichen. Ihre Lehre bereut sie nicht, dennoch ist sie der Meinung: «Ich finde, dass man auch mit einer abgeschlossenen Berufslehre eine faire Perspektive haben sollte, ohne ständig das Gefühl zu bekommen, noch mehr leisten oder zusätzliche Abschlüsse erwerben zu müssen, um finanziell besser dazustehen.»

Erst in die Werkstatt, dann an die Hochschule

Auch Timo (18) hat sich für eine Lehre entschieden. Er absolviert derzeit eine Ausbildung zum Polymechaniker EFZ und möchte danach die Berufsmaturität machen und Wirtschaftsingenieurwesen studieren.

Den direkten Weg über das Gymnasium hat er bewusst nicht eingeschlagen. «Ich wollte die Arbeitswelt kennenlernen.» Nach der vierjährigen Lehre werde er Berufserfahrung und einen anerkannten Abschluss haben: «Damit stehen mir viele Wege offen.» Während seiner Ausbildung lerne er die Abläufe in der Produktion aus erster Hand kennen. «Dieses praktische Wissen ist für einen Wirtschaftsingenieur sehr wertvoll.»

Mehr dazu: Lohnt sich eine Lehre finanziell mehr?

Wer eine Lehre macht, verdient Jahre früher Geld als Studierende. Doch wer steht langfristig finanziell besser da? Ein Finanzexperte hat für 20 Minuten nachgerechnet. Mehr dazu liest du hier.

«Mit einem Studium kann ich langfristig mehr verdienen»

Trotzdem gibt es für ihn Gründe, nach der Lehre zu studieren: «Ich bin überzeugt, dass ich mit einem Studium langfristig mehr verdienen kann.» Zwar verdiene er während des Studiums weniger, diesen Rückstand könne er später aber aufholen. Auch das Ansehen spiele eine Rolle: «Ein Bachelor ist ein sichererer Weg zu einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn.»

Seine Lehre sieht Timo als Vorteil gegenüber Personen, die direkt studieren. «Ich habe schon oft gehört, dass Personen, die in die technische Branche einsteigen, ohne je in einer Werkstatt gestanden zu haben, bei der Jobsuche weniger gut ankommen.»

Joel (15): Zuerst eine Lehre, dann noch ein Studium

Joel (15) macht eine Lehre als Kaufmann, weil er nicht so gerne zur Schule geht. Trotzdem sagt er: «Später möchte ich mich gerne weiterbilden oder ein Studium absolvieren.» Momentan gehe es ihm darum, Berufserfahrung zu sammeln und sich grösstenteils selbst finanzieren zu können. Ein Studium könnte ihm später «bessere Aufstiegsmöglichkeiten und mehr Lohn» bringen.

«Ein Studium ermöglicht nicht unbedingt bessere berufliche Chancen»

Ana Rita (19) besucht das Gymnasium und möchte später studieren, um Lehrerin werden. An einem Studium schätzt sie vor allem, dass sie sich länger mit dem beschäftige, was sie wirklich interessiere. Gleichzeitig sei ihr bewusst: Ein Studium brauche viel Zeit, koste Geld und garantiere keine Stelle in der gewünschten Branche. «Ein Studium ermöglicht nicht unbedingt bessere berufliche Chancen.»

Bei ihrem Berufswunsch ist sie jedoch zuversichtlich: «Wegen des Lehrermangels bringt mein Studium mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Stelle mit sich.» Der Lohn sei für sie nicht ausschlaggebend. «Ich möchte etwas machen, das mir Freude bereitet.» Trotzdem glaubt sie, durch ihr Studium später bessere finanzielle Möglichkeiten zu haben.

Wie siehst du den Druck, nach einer Lehre noch eine Weiterbildung zu machen, um finanziell vorwärtszukommen?

Selina Keller

Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community

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