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Wednesday, October 21, 2026

Lieferkettenprobleme – Nachhaltigkeit – für Unternehmen nicht nur nett, sondern wichtig

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Über Jahrzehnte konnten sich Unternehmen auf solide, globale Lieferketten verlassen. Firmen konnten davon ausgehen, dass sie relativ pünktlich und günstig mit Rohstoffen oder Bauteilen aus aller Welt beliefert wurden.

Krisen, Kriege oder Handelsstreitigkeiten haben diesem weltweiten Liefernetz mittlerweile stark zugesetzt. Viele Unternehmen müssen umdenken.

Lieferketten als unterschätztes Geschäftsrisiko

Lieferkettenprobleme können unterschiedlich sein. Verspätet sich die Lieferung eines einzigen Bauteils oder fällt sie gar ganz aus, kann das die gesamte Produktionslinie einer Fabrik lahmlegen.

Metallcontainer auf einem Industriehof mit Gebäuden im Hintergrund.
Legende: Unternehmen sind für ihre Rohstoffe auf funktionierende Lieferketten angewiesen, etwa beim Import von Chemierohstoffen. Keystone/Gaetan Bally

Ebenso möglich sind aber auch blockierte Exporte. «Ein Bekleidungsunternehmen musste feststellen, dass sein Container voller Kleider an der US-Grenze festgesetzt worden war. Der Verdacht: Zwangsarbeit», schildert Alexandra Sauer am diesjährigen Swiss Green Economy Symposium. Sie berät für den britischen Risikomanager LRQA Unternehmen zu nachhaltigen Lieferketten.

Lieferketten sind die Transportrouten für Rohstoffe oder Bauteile. In einer globalisierten Welt können sie von Unternehmen von weit her und wegen des weltweiten Transportnetzwerks auch günstig beschafft werden.

Nachhaltig sind diese Lieferketten dann, wenn sie transparent und damit nachvollziehbar sind, wenn sie ethisch, sozial und ökologisch bestimmten Standards entsprechen. Das heisst, wenn Kinderarbeit, Umweltschäden oder Zwangsarbeit ausgeschlossen werden können. Nachhaltig sind sie auch, wenn die Lieferungen auf Dauer gesichert sind, also keine geopolitischen Krisen, Handelshemmnisse oder gar Kriege die Lieferungen massiv verzögern, plötzlich verteuern oder gar unmöglich machen.

«Wir mussten für den Unternehmer im Produktionsland Jordanien nachträglich den Beweis erbringen, dass die Produktion sämtliche Auflagen erfüllte.» Zum einen hätten aufwendige Abklärungen getätigt werden müssen, andererseits bestand das Risiko, die Kleider zu spät oder gar nicht auf den US-Markt zu bringen und damit einen Totalverlust der Lieferung in Kauf zu nehmen.

Ob nun die Produktion sich verzögert wegen fehlender Rohstoffe oder der Export wegen Deklarationsproblemen: Die Kosten können eine Firma schnell in Bedrängnis bringen.

Risiken zwingen Firmen zum Umdenken

Die Förderung von Nachhaltigkeit hatte bisher für Unternehmen selten eine hohe Priorität. Viele Firmen setzten jene Vorgaben um, zu denen entsprechende Regulierungen in Produktions- oder Exportländern sie verpflichteten.

Am Anfang steht das Verständnis, wo ich verletzlich bin und wo die Risiken liegen. Das müssen der Verwaltungsrat und die Unternehmensleitung verstehen.

Um Risiken zu verringern, überlegen sich Unternehmen, freiwillig auf mehr Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten zu setzen. Nachhaltigkeit wird zur Chefsache. «Am Anfang steht das Verständnis, wo ich verletzlich bin und wo die Risiken liegen. Das müssen der Verwaltungsrat und die Unternehmensleitung verstehen», sagt Beraterin Alexandra Sauer.

«Nachhaltigkeit ist kein Feelgood-Thema mehr, sondern es geht um die Frage, ob sie ihr Geschäft aufrechterhalten können.» Und damit direkt verbunden sind entsprechende Investitionen.

Robuste Lieferketten als Geschäftsmodell

Wenn globale Lieferketten neu gedacht werden müssen, bietet das auch neue Chancen, zum Beispiel für Anbieter in der Schweiz. Einer davon ist der Chemikalienproduzent Arxada in Visp.

Bei der Risikoabwägung von Lieferketten würden in erster Linie Umweltfragen berücksichtigt. Dabei gehe ein wichtiger Faktor verloren, gibt Stela Amaral von der Beratungsfirma Ernst Basler und Partner zu bedenken. «Umweltprobleme haben einen direkten Einfluss auf Menschen und umgekehrt.» Unternehmen müssten deshalb gesellschaftliche Risiken ebenfalls mehr gewichten. Auf Druck vonseiten der Geldgeber finde das zwar teilweise statt, aber noch zu wenig ausgeprägt.

«Viele der Basisprodukte kommen inzwischen von weit her. Das macht Unternehmen von funktionierenden Lieferketten abhängig. Wir können da Alternativen anbieten», erklärt Tanja Schaffer. Sie entwickelt in Visp Wirkstoffe für andere Unternehmen. «Wir sind eine Art Versicherung. Und gleichzeitig können wir auch auf Wunsch klimaneutralere Produkte liefern.»

Um profitabel zu sein, sind Unternehmen daran interessiert, ihre Rohstoffe und Bauteile möglichst günstig besorgen zu können. Das steigert die Marge.

Gibt es allerdings Lieferschwierigkeiten, kann das ganze Produktionsanlagen lahmlegen. Im schlimmsten Fall droht ein Produktionsausfall. Das ist mit enormen Kosten verbunden und kann die Existenz eines Unternehmens gefährden.

Deshalb kann es sich lohnen, zwar mehr für Rohstoffe mit nahen und sicheren Lieferketten zu zahlen, dafür aber das Risiko hoher Folgekosten zu minimieren. Will heissen: Nicht immer macder günstigste Anbieter macht das Rennen, sondern der zuverlässigste Lieferant.

Meist seien es Nachhaltigkeitsregeln, die die Unternehmen dazu brächten, sich mit Nachhaltigkeitsfragen zu beschäftigen, sagt Alexandra Sauer. «Plötzlich merken sie, dass es Risiken gibt, die ihnen nicht bewusst waren.»

So steige das Bewusstsein in den Führungsetagen, Umwelt-, soziale oder geopolitische Risiken schneller anzugehen, wenn auch nicht zwingend aus ethisch-moralischen Gründen, sondern oft aus rein wirtschaftlichen Überlegungen.

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