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Monday, September 28, 2026

– Die neuen Automarken fordern die gestandenen Konzerne heraus

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Autoindustrie im Wandel Die neuen Automarken fordern die gestandenen Konzerne heraus

In der Autoindustrie findet ein tiefgreifender Wandel statt. Schweizer Technologie spielt dabei eine zentrale Rolle.

28.09.2026, 07:17

Ein modernes Auto besteht aus Tausenden von Einzelteilen, die von Robotern oder von Hand zusammengesetzt werden. Allerdings verändern neue Maschinen den Produktionsprozess grundlegend: Sie können neu fast halbe Autos aus einem Guss herstellen. Das vereinfacht den gesamten Prozess. Genau solche Maschinen stellt die Schweizer Traditionsfirma Bühler aus Uzwil (SG) her.

Grosse Industriemaschine in einer Fabrikhalle mit zwei Personen, die sie betrachten.
Legende: Die Maschinen von Bühler haben riesige Dimensionen: Sie sind etwa so gross wie ein Einfamilienhaus. Weltweit stehen rund 60 solcher Maschinen im Einsatz, unter anderem bei Volvo in Schweden. ZVG / Bühler Group

Bühlers Maschinen sind wahre Kolosse. Sie pressen flüssiges Aluminium innerhalb von Millisekunden und unter immensem Druck von 90'000 Kilonewton in eine Form. «Es ist wie wenn man den Eiffelturm einen Meter anheben und fallen liesse. Diese Kraft wirkt in dieser Maschine», erklärt Marcel Natterer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Bühler.

Das Ergebnis ist ein grosses Element. «Früher hat man dafür viele kleine Teile zusammengeschweisst und zusammengenietet», so Natterer. Mit dem neuen Verfahren – auf Englisch «Megacasting» genannt – erübrigten sich nun viele Arbeitsschritte.

Druckgussverfahren und «Megacasting»

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In der Fachsprache spricht man bei dieser Technik von Druckgussverfahren oder auf Englisch «Die Casting».

Grundsätzlich wird diese Technik in der Metallindustrie seit Ende des 19. Jahrhunderts angewendet. Doch die neuen Maschinen ermöglichen es nun, riesige Elemente in einem Guss herzustellen.

Deshalb hat sich in der Autoindustrie der Begriff «Megacasting» durchgesetzt.

Für die Autoindustrie bedeutet das «Megacasting» einen immensen Fortschritt. Der gesamte Produktionsprozess wird damit massiv verschlankt, macht die Bauteile günstiger und die Autos besser.

Volvo verspricht sich viele Vorteile

Das zeigt sich beispielsweise bei Volvo. Der schwedische Autohersteller stellt mit den Kolossen von Bühler neu den hinteren Unterboden eines Elektroautos her – und zwar aus einem Stück.

Mit dem «Megacasting» fielen unzählige Zwischenschritte weg. «Es geht viel schneller und ist günstiger», bilanziert Mats Brodin von Volvo. Je nach Bauteil sinken die Kosten in der Herstellung dank des neuen Verfahrens um 30 bis 50 Prozent.

Tesla und die chinesischen Hersteller als Vorreiter

Bemerkenswert ist, wie eine an sich alte Technik nun die Autoindustrie von Grund auf verändert. «Der Startpunkt war ganz klar Tesla», betont Marcel Natterer von Bühler. Tesla war der erste Konzern in der Autobranche, der das «Megacasting» eingesetzt hat.

Der Elektropionier aus Kalifornien hatte Ende der 2010er-Jahre nach neuen Möglichkeiten gesucht, um Autos günstiger und effizienter zu produzieren – und gleich auch Gewicht einzusparen. Für die Reichweite von Elektroautos ist das ein entscheidendes Kriterium.

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  • Bild 1 von 3. Dank des «Megacastings» werden die Bauteile leichter. Anstatt die einzelnen Komponenten aus Stahl anzufertigen, werden sie neu aus Aluminium gegossen. Das reduziert das Gewicht des Autos und erhöht bei den Elektrofahrzeugen die Reichweite. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.

  • Bild 2 von 3. Die Maschinen der Schweizer Traditionsfirma Bühler kommen bei verschiedenen Autoherstellern zum Einsatz. Aufgrund von Geheimhaltungsvereinbarungen darf Bühler aber keine Namen nennen. Volvo ist diesbezüglich eine Ausnahme. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.

  • Bild 3 von 3. Volvo setzt in seiner Produktion neu zwei Maschinen von Bühler ein. Die Maschinen stehen in der Fabrik in Torslanda bei Göteborg. Dort befindet sich die grösste Fabrik von Volvo. Bildquelle: SRF / Matthias Heim.

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Fast gleichzeitig haben die aufstrebenden Marken aus China ebenfalls auf das «Megacasting» gesetzt. «Viel von diesem Geschäft hat sich in China entwickelt. Gerade die neuen Elektroautos wurden in China gemacht, deshalb ist dieser Trend auch dort gestartet», sagt Marcel Natterer. Zudem hätten die Firmen den Vorteil gehabt, dass sie neue Fabriken auf grüner Wiese planen und entsprechend die neueste Technologie einbauen konnten.

Faktisch waren es die jungen Automarken wie Tesla und die chinesischen Hersteller, die nebst den Elektroautos gleich auch neue Produktionsverfahren vorangetrieben haben. Damit haben sie die gestandenen Hersteller unter Druck gesetzt.

Heute nutzen nebst Volvo weitere traditionelle Hersteller das «Megacasting». Doch man befinde sich erst am Anfang, ist Marcel Natterer überzeugt: «Da ist noch viel Potenzial.» Bühler erhofft sich, nicht nur neue Maschinen verkaufen zu können, sondern auch die dazugehörenden Dienstleistungen: Die Kolosse werden 20 bis 30 Jahre im Einsatz stehen und müssen in dieser Zeit regelmässig gewartet werden. Das dürfte Bühler wiederkehrende Serviceaufträge einbringen.

Bühler und die Konkurrenz

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Bühler ist nicht die einzige Firma, die solche «Megacasting»-Maschinen herstellt. Weltweit gibt es gut ein halbes Dutzend solcher Unternehmen.

Tesla beispielsweise arbeitet mit der italienischen Firma Idra zusammen, die heute in chinesischem Besitz ist. Weitere Hersteller kommen aus Deutschland und China.

Der Schweizer Technologiekonzern Georg Fischer hat Anfang 2026 seine Druckgussparte an die Firma Nemak aus Mexiko verkauft.

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