Schweizerin verstorben – Überlebende schildert Horror-Nacht

- Eine 20-jährige Schweizerin ist in Nicaragua beim Überqueren des Flusses Nahualapa ums Leben gekommen.
- Der Pick-up wurde in der Nacht auf den 9. Oktober von einer Flut mitgerissen.
- Auch die Französin Emma Marie und eine Nicaraguanerin starben im eingeschlossenen Fahrzeug.
- Überlebende Marine Despouys schildert auf Instagram, wie sie sich aus dem Wagen befreien konnte.
«Das Auto wurde verschlungen»: Die französische Reise-Influencerin Marine Despouys trauert um ihre Kollegin Emma Marie. Die beiden jungen Frauen waren in der Nacht auf den 9. Oktober mit vier weiteren Personen in Nicaragua unterwegs, als ihre Gruppe beim Versuch, den Fluss Nahualapa im Departement Chinandega zu überqueren, von der starken Strömung mitgerissen wurde. Bei dem Unglück starben auch die 20-jährige Schweizerin N. L. sowie die Nicaraguanerin K. L. M.
Auf Instagram schildert Despouys, wie ein unbeschwerter Abend in einer Tragödie endete. Die Gruppe hatte zuvor einige Tage in einem Surf-Camp verbracht und an jenem Abend einen Tanzkurs besucht. Auf dem Rückweg stiegen fünf Frauen gemeinsam mit dem Fahrer Martín Gerardo G. G. in einen Toyota Hilux.
Marine Despouys sass hinten
«Es regnete in Strömen», erinnert sich die Französin. Bis zum Hotel seien es nur 15 Minuten gewesen. «Wir nahmen die gewohnte Strecke – den einzigen Weg, den wir täglich nutzten. Er führt mitten durch das Dorf und war an allen anderen Tagen völlig trocken.»
Nach Angaben von Despouys war die Gruppe nur noch fünf Minuten vom Ziel entfernt, als ein Abschnitt der Strasse überflutet war. Der Fahrer prüfte die Stelle und entschied sich schliesslich, sie zu durchqueren. «Dann wurde der Pick-up von einer Wasserflut erfasst, die von rechts wie eine Welle heranrollte. Innerhalb einer Sekunde stand das Wasser bis an die Fenster des Autos.»
Despouys sass hinten rechts, neben ihr drei weitere junge Frauen. Auf dem Vordersitz befand sich ihr kleiner Bruder Guillaume, auf der Fahrerseite der Fahrer. Beiden gelang es, durch die geöffneten Fenster aus dem Fahrzeug zu entkommen.
Pick-up wurde 300 Meter mitgerissen
Der Wagen wurde von den Wassermassen überflutet und fortgerissen – mit den vier Frauen auf der Rückbank. Despouys erinnert sich, wie Emma sie aufforderte, «so viel Luft wie möglich zu holen». Weder Türen noch Fenster liessen sich öffnen. «Im Wasser wurden wir hin und her geworfen; ich konnte nichts sehen. Ich versuchte, gegen mein Fenster zu schlagen, die Tür zu öffnen.»
Sie habe ihren Tod vor Augen gesehen. «Ich erinnere mich, wie ich dachte: So werde ich also sterben», schreibt sie. Wie ihr die Flucht gelang, könne sie selbst nicht genau erklären. Schliesslich sei sie vorne links aus dem Auto gekommen. «Ich wurde sofort mitgerissen, schaffte es aber, noch einmal Luft zu holen, bevor ich erneut fortgerissen wurde.»
Alarmierte Dorfbewohner fanden das Fahrzeug rund 300 Meter von der Stelle entfernt, an der es von der Flut erfasst worden war. Der Pick-up lag auf der linken Seite und befand sich weiterhin unter Wasser. Despouys war auch zur Stelle gegangen. «Als sie hineinblickten, sahen sie uns verzweifelt an.» Die drei anderen Frauen seien noch im Wagen gewesen – ohne Lebenszeichen.
«Ich bin weder tot noch lebendig»
Despouys versuchte, Emma wiederzubeleben. «Sie reagierte nicht mehr. Ich schrie, ich flehte, ich brüllte, ich weinte, wie ich noch nie in meinem Leben geweint habe. Ich hielt sie über 30 Minuten lang in meinen Armen und konnte sie einfach nicht loslassen.»
Die Französin ist inzwischen wieder in ihrer Heimat, wie «Le Dauphiné Libéré» berichtet. «Ich bin weder tot noch lebendig. Die Bilder laufen immer und immer wieder in meinem Kopf ab. Es hört einfach nicht auf», schreibt sie.
Zum Schluss gedenkt sie Emma, die «wie eine Schwester» für sie gewesen sei: «Sie war die Mutigste von uns. Sie hat an uns gedacht und uns gesagt, wir sollen Ruhe bewahren und so viel Luft wie möglich holen. Dafür werde ich ihr für immer dankbar sein.»
Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?
Hier findest du Hilfe:
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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