ESPNExpanded Ultimate Fantasy Football Cheat Sheet: Print. Draft. Win.וואלהערב הסעודית: בית זיקוק נפט בעיר ג'יזאן הותקףThe Jerusalem PostRepublicans defend US House majority as 50 competitive races loom ahead of 2026 midtermsESPN DeportesCadillac destaca batalla de Checo con Alonso en MonzaDaily MaverickFINDING PURPOSE: Boks drew on deep well of resolve and perspective to fuel another victorious momentRTP Desporto12h30 Madjer pede FC Porto sem medo frente ao CityInquirerLTO revokes license of driver of Torre’s vehicle over plate misuseThe South AfricanGriquas vs Pumas in 2026 Currie Cup final: Here’s when and whereIl Fatto QuotidianoL’Italia dei motori è diventata politeista: non più solo la Ferrari, ora la folla rossa porta in trionfo anche Kimi AntonelliObservador DesportoEspen Eskas arbitra confronto entre Sporting e GalatasarayХабрОт 10 первопроходцев до 700 энтузиастов: Бета-программа ОС Аврора отмечает 5-летиеScreen RantEvent Horizon’s Sequel Wraps Up This Week, But The Sci-Fi Horror Franchise Isn’t Going Anywhere
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, September 7, 2026

Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt: Egal, was kommt

Translate

Tausende feiern am Samstag in Magdeburg die Demokratie und Zivilgesellschaft. Vor der Wahl fassen sie Mut und versprechen sich Zusammenhalt – egal, was kommt.

David Muschenich

Jubel vor dem Landtag in Sachsen-Anhalt. Etwa 24 Stunden bevor die Wahllokale in Sachsen-Anhalt schließen, ist der Platz zwischen dem Parlamentsgebäude in Magdeburg und dem Dom komplett voll. Auf einer großen Bühne steht die Autorin Carolin Emcke und trägt ihre Gedanken zur Frage vor: „Was für ein Land wollen wir sein?“ Tausende hören ihr zu. Und nicht nur ihr.

Über fünf Stunden tritt an diesem Samstagnachmittag ein Act nach dem anderen auf. Lokale Ak­ti­vis­t:in­nen wie der Antifaschist Max Schneller, die DDR-Bürgerrechtlerin Angela Kunze-Beiküfner und der Sprecher des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt, Saaeid Saaeid, erzählen von ihren Erlebnissen und sprechen Mut zu. Die Holocaust-Überlebende Henriette Kretz betont: „Hass hat noch nie etwas Gutes getan.“ Deutschlandweit bekannte Mu­si­ke­r:in­nen wie die Schlagersängerin Kerstin Ott und der Popstar Berq sorgen mit ihren Liedern für Stimmung.

Seifenblasen schweben über der Menge und im Wind flattern hektisch ein paar Antifa-Fahnen. Immer wieder ziehen dunkle Wolken auf, Regen fällt. Doch die Be­su­che­r:in­nen des Demokratiefestivals der Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt bleiben unbeirrt auf dem Domplatz.

Landesweit haben sich Aktivist:innen, Vereine und Bündnisse in den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt eingemischt. Die viel beschworene „Schicksalswahl“, aus der zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine rechtsextreme Regierung hervorgehen könnte, überließen sie nicht den Parteien. Deren Fahnen sind auf dem Domplatz an diesem Samstag unerwünscht. Koalitionen? Prozente? Auf der Bühne ist das kein Thema. Hier geht es um die Menschen und ihre Zukunft.

Radeln gegen den Faschismus

In jeder Ecke von Sachsen-Anhalt gab es in den vergangenen Wochen Aktionen, um auf die Landtagswahl aufmerksam zu machen. Der „NoAfD-Fonds“ des Kampagnen-Vereins Campact sammelte in seiner bislang größten Spendenaktion Hunderttausende Euro für Initiativen in Sachsen-Anhalt. Das half zum Beispiel dem Landesverband der Mi­gran­t:in­nen­or­ga­ni­sa­tio­nen in Sachsen-Anhalt (Lamsa) dabei, Haustürgespräche in Dessau zu führen, in denen sie nicht für eine Partei warben, sondern für die Demokratie.

Hier geht es um die Menschen und ihre Zukunft

Und auch ohne Campact-Geld: In der Altmark organisierten die Omas gegen Rechts eine zehntägige Fahrradtour, die „Mut- und Mitmach-Karawane“, in Dörfer und Städte der ländlichen Region. Gemeinsam Zeit verbringen, kochen, zelten. Sich vernetzen.

Etwas länger unterwegs war die „DemokRadtour“. Sie startete am 7. August in Mecklenburg-Vorpommern, wo in zwei Wochen ebenfalls ein neuer Landtag gewählt wird. Das Ziel? In beiden Bundesländern für Demokratie werben. Von der Landeshauptstadt Schwerin fuhren die Ak­ti­vis­t:in­nen rund 1.700 Kilometer, besuchten unter anderem Greifswald, Rostock und Halle. An diesem Samstag kommen sie parallel zum „Demokratiefestival“ in Magdeburg an.

Bündnisse mobilisieren im ganzen Bundesland

Auch in anderen Orten Sachsen-Anhalts gab es in den vergangenen Wochen Feste der Demokratie mit Bühnenprogramm. Mitte August lud ein Bündnis zum Dicken Turm nach Zerbst, zwei Wochen danach feierte in Wittenberg das Bündnis „Wittenberg Weltoffen“. Einen Tag vor der Wahl: in Halberstadt das „Fest der Vielstimmigkeit“.

Zeitgleich treten in Magdeburg an diesem Samstag auch Prominente aus dem Bundesgebiet auf. Luisa Neubauer von Fridays for Future, die wohl bekannteste Aktivistin Deutschlands, sagt auf der Bühne den Tausenden Zuschauer:innen: „Wir geben nicht auf, wir bleiben füreinander da!“ Jakob Springfeld, Antifaschist aus Sachsen, erinnert daran, das Problem mit Rechtsextremen sei kein ostdeutsches Problem.

Etwa 24 Stunden bevor die Wahllokale schließen, fragt Autorin Carolin Emcke auf der Bühne ein weiteres Mal: „Welche Gesellschaft wollen wir sein?“ Sie wisse, dass sich viele zurzeit niedergeschlagen fühlten und müde seien. Doch es sei wichtig, sich auf das zu konzentrieren, was Hoffnung macht. „Welche Gesellschaft wollen wir sein? Eine, die weiter leidenschaftlich und lustvoll die Würde des Menschen und die Weltoffenheit in unserer Demokratie nicht nur verteidigt, sondern jeden Tag feiert und lebt.“

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Gegen Rechtsruck hilft Linksblick

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

View the original on taz

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.