Verschärfte Politik – Abschreckung in Dänemark: Was das Asylsystem ausmacht – und taugt

«Null Asyl», das ist das erklärte Ziel der dänischen Politik – und sie verfolgt es mit grosser Konsequenz. Rund 100 Gesetzesverschärfungen in 25 Jahren wurden unter verschiedenen Regierungen durchgesetzt, um Asylsuchende abzuschrecken. Das Land hat 2025 mit 1959 Asylanträgen einen historischen Tiefstand erreicht.
Das lässt aufhorchen: Im Schweizer Parlament werden derzeit gleich mehrere Vorstösse behandelt, die «von Dänemark lernen» wollen. Sie kommen nicht nur aus den Reihen der SVP, sondern auch der FDP. So möchte der freisinnige Ständerat Damian Müller gleich das ganze Schweizer Asylsystem nach dänischem Vorbild neu ausrichten. Im Zentrum steht dabei, dass Asyl nur noch temporär gewährt wird.
Fokus auf Rückreise
In Dänemark ist bei der Befristung des Asyl-Status die Rede von einem «Paradigmenwechsel». Das Besondere daran ist laut Thomas Gammeltoft-Hansen, Professor für Migrations- und Mobilitätsrecht, dass die Befristung für alle Kategorien von Geflüchteten gilt – auch anerkannte Flüchtlinge sind dies nur auf Zeit. «Dann wird der Schutzstatus überprüft und kann theoretisch aberkannt werden», erklärt der Leiter des Kompetenzzentrums für globale Migration in Kopenhagen.
- Die Überprüfung des Asylstatus erfolgt automatisch nach ein bis zwei Jahren, während es in der Schweiz dazu grundlegende Veränderungen der Lage des Herkunftslandes braucht.
- Anders als in der Schweiz liegen die Sozialleistungen auch für anerkannte Flüchtlinge nur auf einem Mindestsatz.
- Der Familiennachzug, der anerkannten Flüchtlingen in der Schweiz zusteht, ist manchen Geflüchteten in Dänemark erst nach zwei Jahren erlaubt, und er ist an verschiedene Bedingungen geknüpft – etwa, sich finanziell selbst versorgen zu können oder an ein Mindestalter von 24 Jahren für beide Elternteile einer Kernfamilie.
- Abschrecken sollen auch die Bedingungen in den Ausreisezentren – geplant sind ab Ende 2027 auch Abschiebezentren ausserhalb der EU.
«Dänemark geht hier weiter als andere EU-Länder, da es in diesem Bereich aufgrund eines ‹Opt-outs› nicht an EU-Recht gebunden ist.» Opt-out bedeutet hier eine Art von Ausnahmeregelung. Es sei damit die herausragende Massnahme des gesamten verschärften Asylrechts des Landes, so Gammeltoft-Hansen (siehe Box).
Abschreckung ja, Rückkehr nein
Gemäss dem dänischen Migrationsforscher Gammeltoft-Hansen führe das System zu «grossem Druck» auf die Verwaltung. Doch die Abschreckung zeige eine gewisse Wirkung. «Es gibt einige Beweise dafür, dass die Massnahmen die Zahl der Asylsuchenden und den Familiennachzug in Dänemark signifikant reduziert haben», sagt er. Unklar aber sei, ob die Menschen freiwillig wieder gehen würden – trotz teilweise sehr grosszügiger Rückkehrhilfen. Auch die Ausschaffung stosse an Grenzen: Dänemark fehle es wie anderen Ländern an Rückübernahmeabkommen mit vielen Herkunftsländern.
Zudem sei die Wirkung der Abschreckung sehr limitiert: «Es gibt aber keine Beweise dafür, dass die Abschreckung die Menschen davon abhält, überhaupt nach Europa zu kommen.» Würden die Schweiz und andere Länder die dänischen Verschärfungen übernehmen, würden sich die abschreckenden Effekte «sehr wahrscheinlich» gegenseitig aufheben, so Gammeltoft-Hansen. Das «dänische Modell» funktioniere nur, solange ein Land strenger sei als seine Nachbarn.
Problem: Bürokratie und Integration
Für Kritiker liegt das Problem tiefer. Eine Überprüfung der Asylgesuche nach wenigen Jahren mache angesichts der viel länger andauernden Konflikte keinen Sinn. «Geflüchtete brauchen oft für viele Jahre Schutz – der Asyl-Status muss meist ohnehin verlängert werden», sagt Michala Clante Bendixen von «Refugees Welcome» in Dänemark.
Sie spricht von einem «Bürokratiechaos», bei dem Menschen zwar aufgeboten werden, um ihren Schutzstatus überprüfen zu lassen, dann aber keinen Termin auf der Verwaltung bekommen. «Die Menschen reisen bis ans andere Ende des Landes, um ihre Papiere zu erneuern.» Denn während der Zeit der Überprüfung hätten sie keine gültigen Papiere und riskierten, ihren Job zu verlieren. Das sei Gift für die Integration, diese brauche eine längerfristige Perspektive.
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