Nicht-weiße Gouverneurinnen: Endlich Farbe bekannt

In Georgia, Texas und New Mexico gewinnen Frauen bei den Gouverneurswahlen, die nicht weiß sind. Eine geradezu historische Zeitenwende.
Foto: Edgar Su/reuters
Stacey Abrams, schwarze Abgeordnete aus Georgia und dort ein demokratisches Urgestein, zeigte sich am Dienstagabend nicht öffentlich in der Bundeshauptstadt Atlanta. Aber zu einem Tweet ließ sie sich dann doch hinreißen: Von ganzem Herzen gratulierte sie Keisha Lance Bottoms zu deren Sieg bei der Gouverneurswahl. Den Wähler*innen dankte sie, sie hätten damit eine „hellere Richtung für unseren Staat“ eingeschlagen.
Lance Bottoms hat am Dienstag Geschichte geschrieben. Sie wurde als erste schwarze Frau zur Gouverneurin eines US-Staates gewählt und dazu noch in einem der zentralen Staaten des amerikanischen Südens. In ihrer Siegesrede erzählte Bottoms, wie sie am Vortag in die Kleinstadt Crawfordville gefahren war, wo ihre Ur-Ur-Großmutter als Sklavin gelebt hatte. „Ich weiß nicht, was sie sich für ihre Nachfahren erträumt hat“, sagte sie, von ihren Gefühlen ergriffen, „aber ich weiß, dass ich auf Schultern aus Stahl stehe.“
Auf den Schultern der Ahnen
Keisha Lance Bottoms steht auf den Schultern ihrer Ahnen – aber auch auf denen von Stacey Abrams. Abrams hatte zwei Mal, 2018 und 2022, für das Gouverneursamt kandidiert. 2018 verlor sie nur um 1,4 Prozentpunkte. Im Nachhinein konnte sie nachweisen, dass sie Opfer von Wahlmanipulationen ihres Gegners geworden war.
Dass diese Ereignisse nicht einmal zehn Jahre zurückliegen, zeigt, wie wenig selbstverständlich es in den USA und gar im Süden noch immer ist, dass eine schwarze Frau in ein politisches Amt gewählt wird. Doch Lance Bottoms hatte einen Vorsprung von knapp 9 Prozent, eine Marge, die man auch durch Wahlkreiszuschnitte, das berühmte gerrymandering zum Beispiel, nicht wegtricksen konnte.
Rekordbeteiligung bei Afroamerikanern
Es ist in den USA immer noch nicht selbstverständlich, dass eine schwarze Frau in ein politisches Amt gewählt wird
Dabei kam ihr zugute, dass die schwarzen Wähler einen gewaltigen Zorn auf Donald Trump haben. Seit der Wahl von Barack Obama 2008 waren nicht mehr so viele Afroamerikaner zur Wahlurne gegangen, um dem Mann, der versucht hatte, ihnen mit kreativer Neuordnung der Wahlbezirke ihre Stimme zu rauben, einen Denkzettel zu verpassen.
Lance Bottoms war dafür genau die geeignete Person. Als Bürgermeisterin von Atlanta hatte sie sich 2020 einen Namen gemacht, indem sie die Proteste nach dem Mord an George Floyd so sensibel handhabte wie keine andere Stadtregierung. Sie sprach damals mit den Demonstranten, hörte ihren Anliegen zu und konnte erfolgreich deeskalieren.
Erste Latina wird Gouverneurin in Texas
Genauso historisch wie die Wahl von Lance Bottoms war am Dienstag die Wahl von Gino Hinojosa zur Gouverneurin von Texas. Auch ihr gelang ein Durchbruch – sie wurde als erste Latina zur Gouverneurin des Bundesstaates gewählt und ist dort die erste Demokratin im Amt seit mehr als 30 Jahren. Die Tochter mexikanischer Einwanderer stammt aus der Grenzstadt McAllen im südlichsten Zipfel von Texas, wo 2021 eine enorme Einwandererwelle eine Krise auslöste. Bei der Wahl 2024 konnte Trump diese Ereignisse politisch instrumentalisieren.
Hinojosa kämpfte gegen die Kriminalisierung von Migranten und gegen die „Rechtlosigkeit“ der Einwanderungspolizei ICE. Zugleich tat sie sich mit dem Kampf gegen Datenzentren und für eine strenge Regulierung von KI hervor. Damit legte sie sich direkt mit Elon Musk an, dessen Firma Space X in ihrem Bezirk ihr Hauptquartier für den Raketenbau unterhält.
Erste indigene Gouverneurin in New Mexico
Rund 1.000 Kilometer weiter westlich gelang bei dieser insgesamt historischen Wahl einer weiteren Frau ein Durchbruch. In Albuquerque wurde Deb Haaland zur ersten indigenen Gouverneurin der USA gewählt. Haaland ist Mitglied der Laguna Pueblo, die seit 800 Jahren in New Mexico siedeln. Haaland bezeichnet sich als Neu-Mexikanerin in der 35. Generation.
Politisch ist Haaland allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Nach ihrer Zeit als Staatssenatorin in New Mexico wurde sie 2018 in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Als Joe Biden 2020 zum Präsidenten gewählt wurde, ernannte er sie zur Innenministerin. Sie tat sich in dem Amt durch eine Initiative zur Bekämpfung der Ermordung indigener Frauen hervor, sowie zum Schutz historisch bedeutsamer Orte indigener Völker im Westen. Als Gouverneurin will sie sich jetzt um höhere Mindestlöhne, erneuerbare Energien und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in ihrem Bundesstaat kümmern.
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