Feuerwehr auf vier Beinen – Wie Wisente und Schafe vor Waldbränden schützen

- Wegen der Trockenheit haben viele Bäume in Spanien schon früh ihr Laub oder ihre Nadeln verloren.
- Das begünstigte Brände, die in diesem Sommer in Spanien etwa eine Fläche in der Grösse des Kantons Tessin zerstörten.
- Doch nicht überall konnte sich das Feuer gleich gut ausbreiten – und das hat erstaunliche Gründe.
Der europäische Bruder des Bisons ist eine Feuerwehr, ohne es zu wissen. Die Wisente haben ein kleines Wunder vollbracht, als es auch rund um ihr Gehege in Spanien brannte.
Raúl Rodriguéz ist ihr Besitzer und musste sie zurücklassen, als das Feuer im Juli immer näherkam. Mehr als 28'000 Hektar Wald waren allein in der Region Madrid verbrannt. Auch das Gelände des Wisentbesitzers traf es. Doch als er zurückkehrte, erwartete ihn eine Überraschung.
«Das Feuer fegte alles nieder, und genau hier stiess es auf die Weide der Tiere», sagte Raúl Rodríguez. Zu sehen sei, dass das Feuer eine Linie gebildet habe: Durch die Weide gelangte es nicht in das Naturschutzgebiet.
Der Wisent leistet eine Arbeit wie kein anderes Tier.
Ein möglicher Grund: «Der Wisent beisst und frisst Rinde, säubert schliesslich den gesamten unteren Teil der Eiche – was sonst dazu führen könnte, dass sich das Feuer weiter ausbreitet», erklärt Rodriguéz. Für ihn ist klar: «So leistet es eine Arbeit wie kein anderes Tier.
Mehr Nutztiere im Wald
Die Zahl der Nutztiere im Wald sinkt. Ausser 350 Kilometer südlich von Madrid in der Sierra de Segura: Hier folgt der Schäfer Emilio de la Cruz seinen Schafen in den Wald. Und zeigt, wie seine Tiere gegen Waldbrände helfen: «Wo sie entlanglaufen, ist nur noch Boden. Das ist eine Feuerschneise, die die Tiere machen.»
Emilio de la Cruz hat 1000 Tiere. Zusammen mit anderen Schäfern sind es 80'000 Schafe, die auf den Wiesen und Wäldern auf rund 70'000 Hektar in der Sierra de Segura in Andalusien unterwegs sind. «Ich kann mich an keinen grossen Waldbrand hier erinnern», sagt de la Cruz. Er sei jetzt 51.
Auch der Nachwuchs ist da
Noch einen Erfolg können die Schäfer in Spanien für sich verbuchen: Sie haben sogar genug Nachwuchs – wie die 32-jährige Alicia Fernández berichtet. Sie hat Wirtschaft studiert, aber entschied sich dann doch für die Tiere.
Wir widmen uns dem Schutz der Umwelt, der Pflege der Wälder und der Brandverhütung.
«Obwohl es eine aufopferungsvolle Arbeit ist, ist sie doch sehr erfüllend. Wir widmen uns dem Schutz der Umwelt, der Pflege der Wälder und der Brandverhütung», sagt Fernandez. Weil sie fürs Lammfleisch gerade gut bezahlt werden und Agrarhilfen bekommen, lohnt sich der Job.
Allerdings fühlen sich die Schäfer für die Arbeit ihrer Tiere im Wald ungerecht behandelt. Emilio de la Cruz fordert die Anerkennung der Arbeit, die hier geleistet wird – zuerst von der EU, dann von den Mitgliedsländern. Es brauche Geld, damit die Menschen weiter in den Dörfern bleiben können.
Madrid erkennt Bedeutung der Schäfer
Nach den verheerenden Feuern scheint nun auch die Regionalregierung der Hauptstadtregion die Bedeutung der Schäfer und ihrer Arbeit anzuerkennen. So würde der Bewuchs rund um die Dörfer im Umland kurz gehalten.
Wir bezahlen die Tierhalter dafür. Es handelt sich quasi um Grünschnitt mit Zähnen. Die Bezahlung erfolgt nach Ergebnis.
Marta Jérez de la Vega ist Leiterin der Waldbrandbekämpfung Madrid: «Wir bezahlen die Tierhalter dafür. Es handelt sich quasi um Grünschnitt mit Zähnen. Die Bezahlung erfolgt nach Ergebnis.» Das sei günstiger als eine Person, die diese Arbeit verrichtet. «Wir bearbeiten jährlich etwa 3000 Hektar mit dieser Investition», so Marta Jérez de la Vega.
Egal ob mit Tieren oder Maschinen, es braucht Flächen, auf denen ein Waldbrand ausgebremst wird – indem er keine Nahrung mehr findet.
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