Peter Thiel: Macht, Politik, Palantir und der Antichrist
Anders als Donald Trump, Elon Musk und viele seiner Freunde und Kollegen sucht Peter Thiel nicht das Rampenlicht. Trotzdem ist er nicht nur einer der reichsten Menschen auf dieser Welt, sondern auch einer der einflussreichsten. Geboren wurde er 1967 in Frankfurt am Main, im Westen des damals noch geteilten Deutschlands. Als er ein Jahr alt war, zog seine Familie in die USA. Ab 1971 lebte sie zunächst in Südafrika und später zeitweise im von Südafrika verwalteten Südwestafrika, dem heutigen Namibia, bevor sie 1977 in die USA zurückkehrte.
Bekannt wurde Thiel durch seine Tech-Unternehmen und seine Investitionen. Seinen Durchbruch hatte Thiel als Mitgründer und zeitweiliger CEO von Paypal. Das Unternehmen entstand aus Confinity und X.com, dem Finanzdienstleister von Elon Musk . Er war der erste externe Kapitalgeber von Facebook.
Thiels Venture-Capital-Unternehmen Founders Fund ist heute unter anderem an SpaceX und OpenAI beteiligt. Forbes beziffert sein persönliches Vermögen auf derzeit rund 35 Milliarden US-Dollar (31 Milliarden Euro).
Besonders einflussreich ist Palantir, das Thiel mitgründete und dessen Verwaltungsratsvorsitzender er ist. Das Überwachungs-, KI- und Datenanalyse-Unternehmen hat staatliche Aufträge im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar für die Entwicklung von Software für das Pentagon und die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE erhalten. Im April veröffentlichte Palantir ein 22 Punkte umfassendes Manifest, in dem Kritiker technofaschistische Züge sehen.
Thiels Einfluss reicht weit über die Wirtschaft hinaus in die Politik. Und das gilt nicht nur für die USA. Auch wenn verschiedene europäische Länder, darunter die Niederlande, Frankreich und Deutschland mittlerweile beginnen, aufgrund von Sicherheitsbedenken ihre Verbindungen zu Palantir auf Regierungs- und Militärebene zu überdenken oder zu beenden, ist das Unternehmen weltweit aktiv und erfolgreich.

Thiel hat sich inzwischen mit seiner Familie zumindest zeitweise in Argentinien niedergelassen. Dort traf er auch den libertären Präsidenten Javier Milei, dessen Regierung eine Reihe von Maßnahmen einführen will, die Anreize für ausländische Unternehmen beinhalten und Investitionen in KI-Rechenzentren fördern sollen.
Unterstützung für Trump zahlt sich aus
Thiel zählte 2016 zu den prominentesten Silicon-Valley-Unterstützern von Donald Trump und fungierte später als sein Berater. 2016 spendete er 1,25 Millionen Dollar für die Wahlkampagne des späteren Präsidenten. Im selben Jahr hielt er, zu einer Zeit, in der das Silicon Valley allgemein noch immer als linksgerichtet galt, eine Rede auf dem Parteitag der Republikaner. In den folgenden Jahren unterstützte er republikanische Kandidaten und Wahlkampagnen mit hohen Spenden, darunter auch JD Vance.
Thiels eigene politische Ansichten einzuordnen, ist nicht einfach. Er wurde unter anderem als libertärer Nationalist beschrieben und äußert immer wieder die Überzeugung, Technologie sei "die Alternative zur Politik". Staatlichen Autoritäten, Regulierung und liberalen Eliten begegnet er mit Misstrauen. Thiel kritisiert insbesondere die aus seiner Sicht ineffiziente Entscheidungsfindung demokratischer Institutionen.
Im Gespräch mit dem "Time Magazine" sagte Max Chafkin, der 2021 eine Thiel-Biographie veröffentlichte, dazu: "Es grenzt an Faschismus", und erläuterte: "Er spricht davon, dass Unternehmen besser geführt seien als Regierungen, weil die Entscheidungen von einer Person getroffen werden - im Grunde einem Diktator. Der Idee der Demokratie steht er feindselig gegenüber. Das ist ziemlich furchteinflößend, wenn man bedenkt, welche Rolle die Unternehmen spielen, an denen er beteiligt ist."

Bereits während seiner Zeit an der Stanford University wandte sich Thiel gegen das Meinungsklima an amerikanischen Hochschulen. 1987 gründete er mit Norman Book die konservative Campuszeitung "Stanford Review", die Gegenpositionen zum aus Thiels Sicht liberalen Meinungsklima an der Universität vertrat. Schon damals wandte er sich gegen Positionen, die er heute als "woke" bezeichnen würde.
Christentum, der Antichrist und KI
Thiel wuchs in einem streng christlichen Haushalt auf. Religiöse Fragen spielen in seinem Denken seit Langem eine wichtige Rolle. Er selbst beschrieb sich kürzlich als "orthodoxen Christen mit kleinem o". Zugleich ist Thiel offen homosexuell und mit dem US-Finanzier Matt Danzeisen verheiratet - eine Spannung zu Teilen des konservativ-christlichen Milieus, mit dem er politisch verbunden ist.
Seit einigen Jahren beschäftigt er sich immer intensiver mit dem Antichristen und hält weltweit Vorträge zu dem Thema. Dabei geht es weniger um die bekannte Figur aus der Bibel als um Kräfte oder Personen, die nach Thiels Vorstellung den Weg in eine apokalyptische Ordnung ebnen. Sie nutzten die Angst vor Technologie und verführten die Menschen, so Thiel, mit dem Versprechen von "Frieden und Sicherheit".
Diesem Lager rechnet er unter anderem die Umweltaktivistin Greta Thunberg zu, die er eine "Maschinenstürmerin, die die gesamte Wissenschaft stoppen will" nennt, oder Regierungen, die KI regulieren wollen. Im Juli bezeichnete er Papst Leo XIV. wegen dessen Forderung nach einer stärkeren Regulierung von KI sogar als "chinesischen kommunistischen Agenten".
Neben seinen Verbindungen in die Techbranche verfügt Thiel über ein weitreichendes politisches Netzwerk, zu dem Musk, Trump und Vance gehören. "Über die Jahre habe ich großartige Freundschaften mit Menschen geschlossen, mit denen ich gearbeitet habe", sagte Thiel 2014 zur "Washington Post". "Das ist, denke ich, ein wirklich wichtiger Aspekt, der es einem möglich macht, in unserer Gesellschaft langfristig erfolgreich zu sein."
JD Vance als Versicherung für die Zukunft?
Besonders wichtig könnte für Thiel künftig seine langjährige Verbindung zu JD Vance werden. Die beiden lernten sich 2011 kennen, bei einem Vortrag Thiels an der juristischen Fakultät von Yale. Vance schrieb später in der christlichen Zeitschrift "The Lamp", Thiel habe dem Klischee widersprochen, das er sich zurechtgelegt hatte, "dass dumme Menschen Christen und kluge Menschen Atheisten seien".
KI-Wettrüsten: Panikmache oder reale Gefahr?
Thiel wurde zu einem wichtigen Mentor und Förderer Vances und unterstützte auch dessen Annäherung an Trump. Vor allem aber spendete Thiel 15 Millionen US-Dollar an das Super-PAC "Protect Ohio Values", das Vances Senatskandidatur 2022 unterstützte. Damals war das die größte Einzelspende zur Unterstützung eines Senatskandidaten. Heute wird der Vizepräsident als möglicher republikanischer Präsidentschaftskandidat für 2028 gehandelt. Für Thiel könnte sich damit eine Verbindung auszahlen, die vor rund 15 Jahren bei einem Vortrag an der Yale Law School begann.
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