Wassermelonen als Inspiration: Mit dem coolen Fiat Multiplay kreieren die Italiener einen Multipla 2.0

Wassermelonen als InspirationMit dem coolen Fiat Multiplay kreieren die Italiener einen Multipla 2.0
28.10.2026, 13:56 Uhr
Von Patrick Broich, Paris
Was Fiat fehlt, sind Modelle, die ins Herz gehen. Doch das könnte mit dem bunten Concept Multiplay passieren. Selbst wenn die praktische Sechssitzer-Studie mit Pick-up-Funktion nur in abgeschwächter Form irgendwann einmal in die Serie finden sollte.
Klingelt etwas bei dem Namen "Fiat Multipla"? Galt mal als eines der hässlichsten Fiat-Modelle mit der charakteristischen, blechernen Speckwulst zwischen Windschutzscheibe und Motorhaube. Ob der 1999 erschienene praktische Sonderling jemals ein Publikumsliebling war oder nicht, sei dahingestellt, aber er hat es sogar ins Museum of Modern Art geschafft - muss man auch erst einmal hinbekommen. Außerdem hatte er unbestrittene Alltagsqualitäten wie zwei Sitzreihen mit jeweils drei Plätzen.
Und jetzt legt Fiat nach, zwar zunächst mit einer Studie - aber sie könnte zumindest als gedankliche Blaupause dienen für ein wie auch immer geartetes Serienmodell mit Schwerpunkt auf hohe Praxistauglichkeit. Würde den Italienern auch mal wieder gut zu Gesicht stehen, denen man immerhin den Anspruch aus der Historie heraus unterstellen könnte, halb Italien mobil zu machen.
Fakt ist: Der leuchtend-grüne Multiplay hat das Potenzial bewiesen, die Herzen der Zuschauer zu erreichen. Und so gelang es ihm, auf dem Pariser Autosalon 2026 so manche Blicke auf sich zu ziehen. Vielleicht auch deshalb, weil man zweimal hinschauen muss, was dieses Concept denn überhaupt ist. Crossover? Pick-up? Van?
Einfach von allen Kategorien ein bisschen, darauf könnte man sich einigen. Und dann noch mit einem ausgeklügelten Sitzkonzept. Nicht nur, dass die Sessel dreh- oder klappbar wären. Fiat sieht gar einen "Petsenger Seat" vor - also einen Extraplatz für ein Haustier. Man kann dieses Element aber auch als Befestigungspunkt für einen Kindersitz nutzen, als Tisch oder Ablage - so beschreibt es der Hersteller selbst. Verrückt: Ein spezielles Segment des Polsters lässt sich abmachen und als Hundeleine verwenden. In der Tür gibt es sogar ein Fach mit faltbarem Napf.
Darüber hinaus finden sich in diesem Interieur elastische Bänder, Taschen und multifunktionale Elemente in Hülle und Fülle. Weitläufige Glasflächen plus Panoramadach intensivieren das Raumgefühl im Multiplay.
Generell ist der 4,45 Meter lange Versuchswagen extrem wandelbar; sein Heckmodul ist verschiebbar und kann das geschlossene Familienauto mit wenig Aufwand in einen Pick-up verwandeln. Fiat nutzt hierfür den Begriff "Metamorfosi-System" - es soll für eine extreme Wandlungsfähigkeit dieser Konzeptstudie stehen. Das ist jetzt freilich die typische Überzeichnung von Studien, aber Teile davon finden erfahrungsgemäß irgendwann auch ihren Einzug in die Serie.
Inspiriert von der Wassermelone
Beim Farbkonzept haben sich die Kreativen von der Natur inspirieren lassen, und man muss schon schmunzeln bei dem Gedanken, dass die Fiat-Mannschaft das ernst meinen könnte, was in der Pressemappe steht. Oder waren es doch nur freidrehende Marketingmenschen? Wassermelonen sollen als Vorlage hergehalten haben: Grün wie die Schale ist die Außenhaut der Studie, während die Farbgebung des Innenraums an das "saftige Fruchtfleisch" erinnern soll. Alles klar?
Interessant wiederum ist ein anderer Ansatz: Während die meisten Hersteller gar nicht genug Screen installieren können, agiert Fiat ausgerechnet bei diesem Thema zurückhaltender. Das heißt natürlich keineswegs, dass der Armaturenträger nicht viel Displayfläche enthielte - das ist ganz klar der Fall. Bei ausgeschaltetem Fahrzeug soll er aber aus dem Blick der Betrachter verschwinden und ein aufgeräumtes Ambiente hinterlassen, so beschreibt es Fiat selbst. Dennoch gebe es digitale Funktionen. Und einen gewissen Schick kann man dieser Architektur auch nicht absprechen.
Fiat-Chef Arnaud Belloni sagt, der Multiplay verkörpere eine Qualität, die Fiat in das nächste Kapitel mitnehmen wolle. Es geht hierbei insbesondere um Werte wie praktischen Alltagsnutzen. Er bezeichnet das Concept als Ideenlabor für die Zukunft der Marke. Stichwörter sind Raum und Vielseitigkeit. Und natürlich italienischer Charakter. Also so eine Art Multipla 2.0 - aber diesmal bitte gleich in Schön. Und die Marke könnte tatsächlich auch mal wieder eine etwas größere Option im Modellprogramm gebrauchen neben den ganzen kleinen Offerten. Dann könnte das auch was werden mit dem Erobern der Herzen vor allem praxisorientierter Familienmenschen mit Haustier.
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