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Monday, September 21, 2026

Wie sich der Huthi-Konflikt auf Nachbarn in Afrika auswirkt

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Nun ist der Konflikt so nahe an Afrika herangerückt, dass man ihn theoretisch mit bloßem Auge sehen könnte: Von der Küste im Norden Dschibutis sind es kaum mehr als 20 Kilometer Luftlinie bis zur Insel Perim, die zum Jemen gehört und die den engsten Punkt der Meerenge Bab al-Mandab bildet. Genau diese Insel haben nun die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen eingenommen. Ihre faktische Kontrolle der Meerenge erinnert an die Straße von Hormus: Dort behindert Iran seit gut einem halben Jahr die Exporte der gesamten Golfregion, um den Preis für den von den USA und Israel begonnen Krieg in die Höhe zu treiben.

Die Huthi haben seit Beginn des Gaza-Krieges 2023 mehrfach bewiesen, dass auch sie nicht davor zurückschrecken, Handelsschiffe zu beschießen. Und auch wenn ihre neuen Drohungen sich bislang nur gegen Schiffe aus Saudi-Arabien richten: Nach der Straße von Hormus droht ein weiteres Nadelöhr der globalisierten Welt unpassierbar zu werden - diesmal noch etwas näher an Afrika, mit Konsequenzen weit über die direkten Anrainerstaaten hinaus.

Die Wirtschaft leidet weiter

Denn die afrikanischen Volkswirtschaften leiden ohnehin schon unter der Hormus-Krise, die vor allem Treibstoffe und Düngemittel in Afrika knapper und teurer werden lässt. Wird nun auch der südliche Zugang zum Roten Meer unpassierbar, droht sich die Lage noch einmal zu verschärfen.

Jemen Sanaa 2026 | Huthi-Anhänger feiern Einnahme der Insel Perim in der Straße von Bab al-Mandab
Eskalation und Ekstase: Nachdem die Huthi-Miliz die Einnahme der Insel Perim meldete, strömten ihre Anhänger in die Straßen in Jemens Hauptstadt SanaaBild: Osamah Abdulrahman/AP Photo/picture alliance

Wirtschaftlich besonders bedrohlich wäre dies für Ägypten, das den nördlichen Zugang, den Suez-Kanal, kontrolliert und dort seit jeher Maut kassiert. Reedereien könnten nun zunehmend den Umweg einmal rund um Afrika in Kauf nehmen, wie sie das teilweise ohnehin schon tun - und Mehrkosten auf ihre Kunden umlegen.

Dschibuti: Zwischen Flüchtlingsbooten, Fregatten und Containerschiffen

Wohl am unmittelbarsten von der Eskalation betroffen ist Dschibuti. Denn über die Meerenge sind binnen weniger Tage nach Angaben des UN-Nothilfebüros OCHA mehr als 2500 Menschen aus dem Jemen geflüchtet, die nun in Dschibutis Norden untergebracht werden. Die dortige Region Obock, an der Grenze zu Eritrea, ist extrem trocken: "Wir haben hier nicht viel Wasser, es gibt überhaupt kein Grundwasser. Alles muss entsalzen werden", sagt Alessandra Roccasalvo, Repräsentantin für Dschibuti des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, im DW-Interview.

Jemenitische Flüchtlinge waten durch einen Priel, im Vordergrund steht ein Mann mit IOM-Weste
Flucht nach Afrika: In der Vergangenheit nutzten etwa Äthiopier, Eritreer und Sudanesen Dschibuti als Durchgangsstation in Richtung arabische Halbinsel - doch aktuell erreichen viele Flüchtlinge in entgegengesetzter Richtung DschibutiBild: IOM Djibouti/AFP

Gemessen an seiner Größe ist Dschibuti mit seiner guten Million Einwohner ein wichtiger Player in der Region: Wegen seiner geostrategisch bedeutsamen Lage direkt an der Zufahrt zum Roten Meer ist es ein attraktiver Standort für die zivile und militärische Seefahrt. Dschibuti beherbergt Militärbasen der USA, Chinas, Frankreichs, Italiens und Japans; auch die deutsche Bundeswehr war im Rahmen einer Marinemission gegen Piraterie bis 2021 präsent.

Dschibutis zivile Häfen sind Drehkreuze für das sogenannte Transshipment. Dabei werden Container nicht direkt vom Start- bis zum Zielhafen verschifft, sondern zwischendurch umgeladen, um flexibler und somit kostengünstiger zu operieren.

Der Vormarsch der Huthi sorgt in Dschibuti zwar bislang nicht für leere Kais. Aber dennoch drohen Konsequenzen, meint Roccasalvo: "Grundsätzlich ist hier Wirtschaftsaufschwung - das heißt, wie in jedem Land, wo es Aufschwung gibt, werden Baumaterialien gebraucht: Zement, Rohstoffe, andere Dinge. Davon kommt weniger an, weil nämlich die Schiffe jetzt fast das Doppelte an Versicherung und Rückversicherung bezahlen müssen. Viele Schiffe wollen nicht mehr durch den Suezkanal, viele Schiffe wollen nicht mehr durchs Rote Meer."

Äthiopien: In zweiter Reihe besonders verwundbar

Das betrifft in besonderer Weise auch Dschibutis großen Nachbarn Äthiopien: Das bevölkerungsreichste Binnenland der Welt wickelt rund 95 Prozent seiner Ein- und Ausfuhren über die Häfen von Dschibuti ab - und muss somit auch die Preisaufschläge durch höhere Versicherungsprämien in voller Höhe schultern.

"Natürlich hat die äthiopische Regierung schon seit Jahren erkannt, dass diese Abhängigkeit ein großes Problem ist, eine große Verwundbarkeit", sagt Gerrit Kurtz, Experte für das Horn von Afrika bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Insbesondere auch wegen der geopolitischen Verwundbarkeit Dschibutis, also wegen der Huthi und allem, was da noch kommen kann." Aber auch, falls es zu einem Konflikt zwischen den USA und China kommen könnte, von dem möglicherweise dann auch die Militärbasen beider Länder in Dschibuti betroffen wären, meint Kurtz.

Äthiopien leidet schon seit Monaten wie kaum ein afrikanisches Land unter der Blockade der Straße von Hormus und musste zwischenzeitlich bereits Treibstoff rationieren. Langfristig will das Land seine Abhängigkeiten verringern, etwa indem Fahrzeuge mit heimischem Strom statt importiertem Benzin angetrieben werden. Anfang 2024 führte Äthiopien als erstes Land der Welt ein Import-Verbot für Verbrennerfahrzeuge ein.

Äthiopien Hawassa 2026 | Elektrofahrzeuge-Revolution in Äthiopien
Souveräne Stromer: Äthiopiens ehrgeiziges Verbrenner-Aus hilft zwar auch dem Klima, wird jedoch in erster Linie als Maßnahme für mehr Energie-Souveränität interpretiertBild: Shewangizaw Wegayehu/DW

Doch sollte Dschibuti als Äthiopiens wichtigstes Tor zum Welthandel in Bedrängnis geraten, könnte dies ein altes Thema wieder an die Oberfläche spülen: In den vergangenen Jahren hat Ministerpräsident Abiy Ahmed immer wieder einen eigenen Hafen für Äthiopien gefordert - und dafür mal mit der abtrünnigen somalischen Region Somaliland eine Absichtserklärung unterzeichnet, mal Eritrea mit einem Einmarsch gedroht.

Gerrit Kurtz glaubt zumindest momentan jedoch nicht daran, dass Abiy beispielsweise den Hafen von Assab gewaltsam erobern würde: "Gegen Eritrea vorzugehen, das ist immer noch eine sehr große Sache. Das erfordert auch sehr viele Ressourcen. Unter anderem natürlich auch Treibstoff, Geld und so. Auch politische Ressourcen. Und ich glaube, im Moment will die äthiopische Regierung das eher vermeiden", sagt Kurtz.

Was kann Afrika tun?

Dazu kommt: Die Sicherheitslage im Bab al-Mandab oder der Straße von Hormus würde sich durch einen Krieg am Horn keinesfalls verbessern.

Mit Sorge beobachten Experten auch, dass die schiitischen Huthi inzwischen vermehrt auch mit der in Somalia ansässigen sunnitischen Terrogruppe al-Shabaab zusammenarbeiten. Ideologisch zwar grundverschieden, eint beide die Feindschaft unter anderem zu Israel und den USA.

Also scheint die relevantere Frage, welche politischen Instrumente Afrika zur Verfügung hat. Die drei derzeit im UN-Sicherheitsrat vertretenen afrikanischen Länder - die Demokratische Republik Kongo, Liberia und Somalia - haben sich in einer Dringlichkeitssitzung zum Thema gemeinsam für freie Schifffahrtswege ausgesprochen und hinter die Forderung gestellt, die Krise im Jemen unter dem Dach der UN zu lösen.

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Liberias UN-Botschafter Lews Garseedah Brown hat mit seinen Amtskollegen aus Somalia und dem Kongo gemeinsame Grundsätze formuliert: die afrikanischen Staaten hoffen auf eine UN-geführte diplomatische Lösung für den JemenBild: Bianca Otero/ZUMA/picture alliance

Den afrikanischen Regierungen bleibe kaum mehr, als sich anzupassen und etwa ihre Handelswege zu diversifizieren, meint Kurtz. "Ich sehe da jetzt nicht, dass es da eine Initiative von afrikanischer Seite geben wird. Auch weil die gar nicht die Kapazitäten und den Einfluss haben."

Auch UNDP-Repräsentantin Roccasalvo sieht ihr Gastland nicht imstande, diplomatisch im Alleingang eine Lösung zu erreichen: "Ich denke, das wäre ein Thema für die Afrikanische Union, denn ganz im Ernst: Welchen Druck sollte man auf Dschibuti ausüben als kleines Land? Dschibuti hat als Allererstes ein Interesse, dass hier alles stabil bleibt." Denn ähnlich wie Äthiopien wolle auch Dschibuti ausländische Direktinvestitionen ins Land holen.

Und so fordert die Lage am Bab al-Mandab Afrika einmal mehr Flexibilität ab. Tatsächlich können einige afrikanische Volkswirtschaften auch von Verlagerungsaktivitäten profitieren: Für Transshipment etwa werden Häfen in Kenia oder Tansania gerade attraktiver. Und die nigerianische Dangote-Gruppe hat, während viele Länder unter hohen Ölpreisen leiden, einen Börsengang sowie eine neue Raffinerie in Kenia angekündigt.

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