Mammografie - Nutzen und Risiken
Die Altersgrenze für das Programm zur Früherkennung von Brustkrebs wird herabgesetzt. Auch Frauen ab 45 Jahren haben Anspruch auf eine Mammografie.
Quelle: Imago / SteinachEtwa jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, die meisten nach dem 50. Lebensjahr. Bislang hatten Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren in Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose Mammografie im Rahmen des nationalen Screening-Programms.
Nun hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) beschlossen, die Altersgrenze auf 45 Jahre zu senken. Das bedeutet: Künftig können auch jüngere Frauen im Alter von 45 bis 49 Jahren am Mammografie-Screening teilnehmen. Grundlage für den Beschluss ist laut GBA eine ausführliche Prüfung von Studien durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das Ergebnis: Auch in dieser Altersgruppe ist der Nutzen der Untersuchung höher als das Risiko. Durch die Absenkung der Altersgrenze haben etwa 2,4 Millionen weitere Frauen Anspruch darauf.
Der Anspruch auf das Mammografie-Screening für 45- bis 49-jährige Frauen gilt nicht sofort, sondern frühestens ab 2. August 2027 - unter der Voraussetzung, dass in den einzelnen Bundesländern die erforderlichen technischen Anpassungen erfolgt sind und Meldedaten vorliegen. Frauen, die das entsprechende Alter erreicht haben, können sich dann selbst für einen Untersuchungstermin in einer wohnortnahen Screening-Einheit anmelden.
Eine schriftliche Einladung per Post erhalten die Frauen frühestens ab Januar 2028. Auch hierfür ist das Vorliegen von Meldedaten nötig. Ein begleitendes Infoblatt stellt der GBA voraussichtlich ab Juni 2027 bereit.
Quelle: Gemeinsamer Bundesausschuss (GBA)
Bei der Mammografie handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs. Ziel der Untersuchung ist, Tumore in einem Stadium aufzuspüren, in dem sie noch nicht tastbar sind. Denn: Je früher Brustkrebs entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Die Mammografie hilft, Brustkrebs früh zu erkennen. Doch jede Frau sollte auch die Risiken kennen, bevor sie sich für oder gegen diese Untersuchung entscheidet.
01.10.2025 | 4:57 minWas passiert bei der Mammografie?
Das Mammografie-Screening findet in speziell dafür vorgesehenen Einrichtungen statt. Frauen erhalten hierzu eine Einladung mit Terminvorschlag. Bei der Untersuchung werden von einer radiologischen Fachkraft von jeder Brust Röntgenaufnahmen angefertigt.
Um eine möglichst gute Bildqualität zu erhalten, wird die Brust für die Aufnahmen zwischen zwei Platten kurz zusammengedrückt, erklärt Hans-Ulrich Lawerenz, Radiologe und programmverantwortlicher Arzt bei Mammographie Screening Hessen Nord.
Je flacher die Brust gedrückt wird, desto aussagekräftiger ist das Röntgenbild.
Dr. Hans-Ulrich Lawerenz, Radiologe
Pro Brust werden in der Regel zwei Aufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln gemacht. Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten. Das Zusammendrücken der Brust für die Röntgenaufnahmen empfinden einige Frauen als unangenehm oder schmerzhaft.
Die Teilnahme ist freiwillig. Alle zwei Jahre erfolgt eine erneute Einladung. Die Entscheidung für oder gegen eine Teilnahme am Mammografie-Screening kann bei jeder Einladung erneut getroffen werden.
Sollte eine Brustkrebserkrankung auftreten, übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten, auch wenn eine Frau nicht am Screening teilgenommen hat. Wichtig ist, dass auch unabhängig vom Screening bei Veränderungen der Brust zeitnah eine ärztliche Abklärung erfolgen sollte.
Wie eine neuartige mRNA-Impfung Frauen mit triple-negativem Brustkrebs vor einem Rückfall schützen könnte.
01.10.2026 | 6:18 minWie geht es bei einem auffälligen Mammografie-Befund weiter?
Werden Auffälligkeiten gefunden, schließen sich in der Regel weitere Untersuchungen an, um zu klären, ob diese gut- oder bösartig sind. Dazu werden die Frauen erneut eingeladen. Die Brust wird dann mit Ultraschall untersucht oder noch einmal geröntgt.
Lässt sich ein Krebsverdacht nicht ausschließen, wird die Entnahme einer Gewebeprobe aus der Brust (Biopsie) empfohlen. Das Gewebe wird anschließend mikroskopisch untersucht.
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Eine neue Studie aus Deutschland zeigt, wie signifikant Künstliche Intelligenz die Trefferquote bei Mammografie-Screenings verbessert.
27.10.2025 | 4:41 minWelche Vorteile hat die Teilnahme am Mammografie-Screening?
Der Vorteil liegt in der besseren Heilungschance durch das frühzeitige Erkennen von Brustkrebs. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es durch das Mammografie-Screening-Programm (MSP) aber nicht, weiß Radiologe Lawerenz. Dennoch rät er Frauen zur Teilnahme.
Wir haben nur die Chance, Brustkrebs frühzeitig zu finden, wenn wir untersuchen.
Dr. Hans-Ulrich Lawerenz, Mammographie Screening Hessen Nord
Die Röntgenbilder werden von zwei Ärzten unabhängig voneinander ausgewertet, was die Diagnosesicherheit erhöht. Die meisten Frauen erhalten nach der Untersuchung einen unauffälligen Befund.
Mit der Mammografie besteht die Möglichkeit, Brustkrebs und Brustkrebsvorstufen in einem frühen Stadium zu entdecken. Dadurch kann unter Umständen schonender, zum Beispiel brustherhaltend, behandelt werden. Zudem sinkt das Risiko, infolge der Brustkrebserkrankung zu sterben.
Ab Juli 2024 sollen Frauen bis zum Alter von 75 Jahren zur Brustkrebsfrüherkennung eingeladen werden. Doch das Screening steht auch in der Kritik. Sinnvoll oder nicht?
19.04.2024 | 27:30 minWelche Nachteile sind mit einer Mammografie verbunden?
Manchmal zeigt die Mammografie Auffälligkeiten, die sich später als harmlos herausstellen (falsch-positive Befunde). Das kann zu weiteren Untersuchungen und einer psychischen Belastung führen.
Andererseits wird nicht jeder Tumor bei einer Mammografie sichtbar (falsch-negative Befunde). Vor allem dichtes Brustgewebe kann Brustkrebs überdecken, erklärt Hans-Ulrich Lawerenz.
Wir nehmen an, dass die Erkennbarkeit von Brustkrebs in der Mammografie ungefähr 80 bis 85 Prozent der Fälle betrifft.
Dr. Hans-Ulrich Lawerenz, Radiologe
In manchen Fällen werden Tumore entdeckt, die möglicherweise nie Beschwerden verursacht hätten (Überdiagnostik). Diese Diagnosen wären ohne Screening nicht gestellt worden und haben unnötige Behandlungen zur Folge.
Ein Knoten in der Brust, der manchmal schmerzt: Katharina Schlüter ist besorgt. Ist der Knoten harmlos oder doch ein Zeichen für Brustkrebs?
25.02.2025 | 5:07 minWie hoch ist die Strahlenbelastung bei der Mammografie?
Die eingesetzte Strahlendosis ist so gering, dass sie normalerweise keine Folgen hat. Laut GBA kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass regelmäßige Röntgenuntersuchungen über einen Zeitraum von 25 Jahren zur Entstehung von Brustkrebs beitragen können. Das ist bei weniger als einer von 1.000 Frauen der Fall.
Dieser Beitrag wurde erstmals am 1. Oktober 2025 veröffentlicht und am 16. Oktober 2026 aktualisiert.
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 16.10.2026, ab 09:05 Uhr.
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