Bund greift bei Gasspeichern ein: Sefe soll 8 TWh beschaffen
Nach den Maßstäben, die noch vor zwei Jahren galten, wäre die Lage der deutschen Gasspeicher dramatisch: Am Montag, 28. September, waren sie nach Angaben der Bundesnetzagentur zu 57,7 Prozent befüllt, knapp 19 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr – und da waren die Vorgaben schon laxer als in den Jahren zuvor. Der Gasspeicherverband INES warnt: Durch einen sehr kalten Winter komme Deutschland so nicht. Die Bundesregierung hingegen beschwichtigte bislang. Jetzt greift sie aber doch ein: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wies den bundeseigenen Importeur Sefe an, bis 15. Dezember 8 Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern.
Mitte September beließ es Reiche noch bei einer Aufforderung an Sefe, Gas einzuspeichern. Schon zuvor gab es Warnungen, dass der Füllgrad der Gasspeicher so niedrig sei wie seit mindestens 15 Jahren nicht mehr. Von der Sorge vor einer Gasflaute, wie sie nach dem Kappen der russischen Pipeline-Lieferungen im Jahr 2022 aufkam, ist im Ministerium nichts mehr zu spüren. Auch die Bundesnetzagentur versucht sich in ihrer Lagebewertung in Beruhigung: Die niedrigen Einspeicherungen hingen mit den Gaspreisen und den Absicherungsstrategien der Gashändler zusammen, heißt es dort. Für die Versorgungssicherheit sei das Zusammenspiel von Importen, Speichern, LNG-Lieferungen, Infrastruktur und Nachfrage entscheidend und nicht, dass im November Füllstandsziele erreicht werden. Dennoch nehme man die Lage sehr ernst. Bis Mai 2025 galt noch die Vorgabe, dass die Speicher im November zu 90 Prozent gefüllt sein müssen. Bereits im Frühjahr hatte die EU-Kommission angesichts der Lage im Nahen Osten zu einem frühen Füllstart der Gasspeicher gedrängt und flexiblere Speicherziele vorgeschlagen.
Maßnahme alleine ist keine Trendwende
Eine große Trendwende leitet die Ankündigung vom Mittwoch, die in Abstimmung mit Kanzler Friedrich Merz erfolgt sei, freilich nicht ein. 8 TWh entsprechen rund 3 Prozentpunkten der Kapazität der Gasspeicher in Höhe von 247 TWh. Bis 77 Prozent fehlen noch rund 19 Prozentpunkte, also grob 48 TWh. Das Ministerium spricht von einem „klaren Signal“ an andere Unternehmen. Der Staat dürfe nicht selbst zum Preistreiber werden, sagte Reiche. Die bundeseigene Gesellschaft Sefe soll selbst über Mengen und Zeitpunkt entscheiden. Das Gas solle über zusätzliche Lieferungen beschafft werden, um Einspeicherungen anderer Marktteilnehmer nicht zu verdrängen. Der Bund plane zudem, eine strategische Gasreserve zu schaffen. Diese soll aber erst 2027 nach einer nötigen Gesetzesänderung aufgebaut werden.
Grund für das lahme Einspeichern in diesem Sommer sind die hohen Energiepreise infolge des Iran-Konflikts und der Sperrung der Straße von Hormus. Schon im Februar, als die Speicher wegen eines kalten Winters auf einen historischen Tiefstand gefallen waren, hatte sich gezeigt, wie stark die Debatte um die Gasversorgung zwischen echten Problemen und Panikmache schwankt. Normalerweise sinken die Beschaffungspreise im Sommer deutlich und die Händler speichern ein. In diesem Sommer fehlte aber der Anreiz dazu, weil die Preise nicht in der üblichen Weise nach unten gingen.
Droht im Winter Gasmangel?
Der Verband der Gasspeicherbetreiber INES zeichnet in einer Pressemitteilung ein Horrorszenario: Technisch seien bis zum 1. November noch Einlagerungen bis zu 77 Prozent Gesamtfüllstand möglich. Dafür müsste deutlich mehr eingespeichert werden als in den drei Monaten zuvor. In einem extremen Kältewinter drohe selbst dabei noch eine Unterdeckung von über 25 Prozent an einzelnen Januartagen, rechnet er vor. In einer früheren Modellrechnung hatte der Verband bereits gewarnt, dass die Speicher in einem sehr kalten Winter schon im Februar komplett leer sein könnten. Für einen normalen Winter würden die 77 Prozent reichen – der Füllstand betrüge dann am 1. April 2027 voraussichtlich rund 38 Prozent.
Die Warnungen des Branchenverbands müssen allerdings im Kontext seiner politischen Forderungen gesehen werden, die die Speicherbetreiber begünstigen: Er fordert unter anderem eine volle Rabattierung der Netzentgelte an Speicheranschlüssen und eine Abschaffung der Konvertierungsumlage.
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