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Wednesday, October 21, 2026

Armut in der Schweiz – Wenn das Geld knapp wird – so erhalten Sie Unterstützung

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Lebensmittel, Wohnen, Tanken und Krankenkassenprämien – alles wird teurer. Die steigenden Lebenshaltungskosten werden für immer mehr Menschen in der Schweiz zum Problem. «Der finanzielle Druck – insbesondere auf Familien – nimmt zu», bestätigt Niels Jost von Caritas Schweiz.

Schuld an der Verschlechterung der Situation für ärmere Haushalte 2026 sind laut Caritas steigende Lebenshaltungskosten und Krankenkassenprämien, steigende Wohnungspreise, stagnierende Löhne bei steigenden Ausgaben, zu tiefe Sozialhilfe, mangelnde Unterstützung für Familien, Entlastung von Reichen und Belastung von Armen wegen Steuersenkungen sowie die Erhöhung der Mehrwertsteuer.

«Neu spüren wir in unseren Beratungs- und Unterstützungsangeboten zudem, dass die gestiegenen Treibstoffpreise Haushalte zusätzlich belasten», sagt Niels Jost von Caritas. Besonders betroffen seien Pendlerinnen und Pendler sowie Menschen, die Schichtarbeit leisteten und auf ein Auto angewiesen seien.

Von den aktuellen Entwicklungen besonders gefährdet sind laut Caritas Familien mit mehreren Kindern und Alleinerziehende. «Die Unterstützung von Familien ist in der Schweiz mangelhaft. In keinem anderen europäischen Land nimmt der Lebensstandard eines Haushalts so stark ab, wenn ein Kind dazukommt», sagt Jost. Hohe Betreuungskosten und die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit verschärften die Situation zusätzlich.

Aber auch Menschen im Niedriglohnsektor und ohne Ausbildung oder Personen mit Migrationserfahrung sind einem grösseren Armutsrisiko ausgesetzt.

Dabei ist Armut in der Schweiz kein Randphänomen. Jede sechste Person ist hierzulande armutsgefährdet oder lebt in Armut, wie Emanuela Chiapparini, Armutsforscherin an der Berner Fachhochschule, sagt: «Armut kann jede und jeden treffen.» Diese Anweisungen und Unterstützungsangebote gibt es für Betroffene:

Handlungsspielraum bewusst werden – und Scham einordnen

Fachstellen und Expertinnen betonen, dass Armut kein persönliches Versagen und nicht selbstverschuldet ist. Die Ursachen sind meist biografisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich und sozialpolitisch geprägt, wie Emanuela Chiapparini sagt. «Die grosse Hebelwirkung liegt deshalb bei diesen Entscheidungs­trägerinnen», sagt sie.

Person hält Smartphone und Quittungen am Tisch.
Legende: Die Hemmschwelle ist gross: Schätzungen zufolge liegt die Nicht-Bezugsquote bei der Sozialhilfe laut Caritas zwischen 25 und 40 Prozent. Getty Images

Armut lasse sich nicht einfach wegsparen und selbst lösen, sagt auch Niels Jost von Caritas. «Gleichzeitig besitzen Menschen, die in Armut oder armutsgefährdet leben, jeweils einen Spielraum, der auszuschöpfen ist», sagt die Forscherin. Dieser Spielraum wird jedoch oft nicht genutzt. «Viele betroffene Menschen schämen sich aufgrund von erlebter Ausgrenzung. Aus Scham ziehen sie sich sozial zurück, anstatt Hilfe zu suchen», erklärt Chiapparini.

Netzwerke nutzen

Eine Möglichkeit für Hilfe ist, sich Freunden oder Bekannten anzuvertrauen oder Angebote wie Quartiervereine, Internetcafés oder Gesprächsrunden wie Femmes-Tische zu nutzen. Diese privaten und öffentlichen Netzwerke sind laut Armutsforscherin Chiapparini der niederschwelligste Zugang. Dieser sei wichtig, denn: «Es braucht Vertrauen, sich jemandem zu öffnen und sich Unterstützungsbedarf einzugestehen», sagt sie.

Viele armutsbetroffene Menschen bezeichneten sich selbst nicht als solche und so bleibe die Armutsbetroffenheit unsichtbar. Dies trifft laut Forscherin insbesondere Kinder und Jugendliche. Niederschwellige Angebote ermöglichen diesen Menschen, Kontakte zu knüpfen. Eine aussenstehende Person könne dann auf die Unterstützungs­möglichkeiten hinweisen.

Beratung aufsuchen

Menschen mit knappem Budget sparen laut Caritas oft schon überall, wo sie können – beim Essen, in der Freizeit oder sogar bei der Gesundheit. «Wir hören immer wieder von Personen, die wegen der hohen Kosten auf einen Arztbesuch verzichten», sagt Caritas-Sprecher Jost.

Wer merkt, dass das Budget knapp wird, sollte sich laut Caritas deshalb möglichst früh informieren und beraten lassen – insbesondere bei Schulden sei dies wichtig. «Wir erleben oft, dass Menschen zu lange warten, bis sie Hilfe suchen», sagt Jost.

Links zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten

Anlaufstellen dafür sind Sozialdienste der Wohngemeinde, Organisationen oder Kirchgemeinden. «Viele Sozialdienste bieten kostenlose, unverbindliche, analoge oder digitale Beratungen an», sagt Forscherin Chiapparini.

Materielle und finanzielle Unterstützung anfordern

Wer beim täglichen Einkauf sparen muss, kann sich beispielsweise nach lokalen Lebensmittelabgaben erkundigen – etwa bei «Tischlein deck dich». Auch für die gesellschaftliche Teilhabe gibt es Angebote wie die Kultur-Legi.

Erschwerend ist, dass Hilfe in der Schweiz kantonal und regional unterschiedlich organisiert ist und der administrative Aufwand gross sein kann.

Sich informieren, Anträge stellen, Formulare ausfüllen – der administrative Aufwand für Unterstützung bedeutet zum Teil viel Arbeit. «Wer jeden Tag rechnen muss, wie das knappe Geld bis Monatsende reicht und welche Rechnungen bezahlt werden können, hat kaum noch Kapazität, sich durch verschiedene Angebote und Anträge zu kämpfen», sagt Jost. Unterstützung dürfe aber nicht daran scheitern, dass der Weg dorthin zu kompliziert ist, sagt er. Caritas setze sich deshalb für ein einfacheres, besser abgestimmtes Sozialsystem ein.

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