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Monday, October 19, 2026

"Verlieren nicht gewohnt": Tischtennis-Queen Kaufmann erlebt schlaflose Nacht nach EM-Finale

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Tischtennis-Queen Kaufmann erlebt schlaflose Nacht nach EM-Finale

19.10.2026 | 18:18 Uhr

Annett Kaufmann setzt ihren Aufstieg in der Tischtennis-Welt fort, auch wenn die EM für sie ein "ungewohntes" Ende nahm - und Tränen brachte.

Spätestens in der Bar des Teamhotels DoubleTree mit dem klangvollen Namen "Winners Lounge" vergaß Annett Kaufmann für ein paar Stunden den Frust über das verlorene EM-Finale. Bei Burgern, Kuchen und Getränken genoss die Vize-Europameisterin den Abend eines ereignisreichen Tages, an dem sie dem europäischen Tischtennis-Thron so nahe gekommen war. Doch ungebremste Freude kam nicht auf, in Kaufmanns Kosmos ist jede Niederlage eine zu viel.

"Ich weiß, dass es ein guter Erfolg war. Aber ich bin es - übertrieben gesagt - nicht gewohnt, im Finale zu verlieren", sagte sie in Ljubljana nach dem 3:4 gegen die Russin Elizabet Abraamian: "Das Einzige, was ich jetzt tun kann, ist das zu akzeptieren, mich am Positiven festzuhalten und das als Motivation zu sehen."

Der EM-Titel wäre ohnehin nur eine Zwischenstation auf Kaufmanns Weg gewesen, der nicht in Europa enden soll. Die Junioren-Weltmeisterin von 2024 ist dazu auserkoren, die alles überragenden Asiatinnen herauszufordern und die Tischtennis-Welt zu erobern. Daher, sagte Bundestrainerin Tamara Boros, sei es zwar "traurig, dass sie den letzten Schritt nicht machen konnte. Aber Annett hat ein tolles Turnier gespielt. Sie wird weitere Chancen bekommen."

Durchbruch bei Olympia 2024

Die nächste schon beim WTT-Turnier in Montpellier, kurz darauf ab dem 3. November beim Heimspiel in Frankfurt/Main. Für Kaufmann geht es Schlag auf Schlag, vielleicht half ihr die schlaflose Nacht von Ljubljana, den Ärger über das verpasste Gold zu verdrängen. Nach der kleinen Feier mit der französischen Delegation brach das deutsche Team am Montagmorgen schon um vier Uhr Richtung Flughafen auf.

Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris hatte Kaufmann die größte Bühne ihres Sports betreten und auch jenseits der Tischtennisszene Eindruck hinterlassen. 1,85 Meter groß, aggressiv am Tisch, selten verlegen um eine Antwort abseits der Platte: Kaufmann avancierte schnell zum Gesicht des deutschen Tischtennis - und die Erwartungen wuchsen, immerhin beendete Timo Boll seine Karriere.

Das Selbstbewusstsein, um die Lücke zu füllen, bringt Kaufmann mit, die spielerische Klasse stellt die 20-Jährige auch immer wieder - wenn auch noch nicht konstant - unter Beweis. "Annett hat bewiesen, dass sie zu Europas Spitze gehört. Wir wussten das natürlich schon vorher. In Paris bei Olympia hat sie den großen Schritt gemacht. Dieses Finale ist die Bestätigung", sagte Boros.

Starke EM trotz Finalpleite

Ein Selbstläufer zu Ruhm, Ehre und großen Titel werden die kommenden Jahre jedoch nicht, das weiß kaum jemand so gut wie Kaufmann selbst. Harte Arbeit und ein ausgeklügelter Plan sind die Grundlagen ihres Aufstiegs. Unterstützt wird Kaufmann dabei von ihrer Familie, die aus Kasachstan stammt: Vater Andrej war Eishockeyprofi, Mutter Anna Skirennläuferin. Ihre ältere Schwester Alexandra brachte Annett einst zum Tischtennis. Die Familie wird sie sicher auch durch die Enttäuschung nach dem verlorenen EM-Finale begleiten.

Und irgendwann wird bei Annett Kaufmann selbst die Erkenntnis einsetzen, dass die Europameisterschaften mit Silber im Einzel und Bronze im Doppel für sie gar nicht so schlecht verliefen. Als die Tränen getrocknet waren, ahnte Kaufmann bereits: "Wenn ich erst einmal etwas Abstand vom Turnier habe, werde ich positiv darauf blicken können." Der Abend in der "Winners Lounge" war ein Anfang.

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