«Hexenjagd» und «Nati-Rauswurf» – heftige Emotionen im Fall Xhaka

- Granit Xhaka steht wegen zwei Affären im Fokus: einem mutmasslich gefälschten Covid-Zertifikat und einem Post zur Verurteilung von Kriegsverbrecher Hashim Thaçi.
- Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Xhaka und eine Ärztin – Xhaka bestreitet die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung.
- In einer 20-Minuten-Umfrage mit über 3000 Stimmen werten fast 80 Prozent den Thaçi-Post als Fehler und als Überschreitung der roten Linie für einen Nati-Captain.
Granit Xhaka bewegt die Gemüter. Derzeit sorgen gleich zwei Geschichten rund um den Captain der Schweizer Nationalmannschaft für heftige Reaktionen bei der 20-Minuten-Community.
Auf der einen Seite steht das laufende Verfahren wegen eines mutmasslich gefälschten Covid-Zertifikats aus dem Jahr 2021. Auf der anderen Seite seine öffentlichen Posts zu Kriegsverbrecher Hashim Thaçi.
Die beiden Fälle haben wenig miteinander zu tun – in den Kommentarspalten von 20 Minuten verschmelzen sie jedoch zu einer grossen Debatte über Xhaka, seine Rolle als Nati-Captain und seine Haltung zur Schweiz.
Heftige Kommentare zum Impf-Zertifikat
Die Meldung über die Ermittlungen gegen Xhaka löste besonders viele Reaktionen aus. Der Artikel wurde mit 530 Kommentaren versehen. Dabei fällt auf: Ein grosser Teil der Leserinnen und Leser diskutiert gar nicht primär über Xhaka. Stattdessen wird die Corona-Zeit wieder aufgerollt.
Viele Kommentierende stellen infrage, weshalb Jahre nach der Pandemie noch wegen Covid-Zertifikaten ermittelt wird, und sprechen von einer «Hexenjagd» gegen Xhaka. Andere erinnern daran, dass die damaligen Regeln für alle gegolten hätten und ein gefälschtes Dokument deshalb nicht einfach als Kavaliersdelikt abgetan werden könne.
Ein wiederkehrendes Argument lautet: Die damaligen Corona-Massnahmen müssten insgesamt aufgearbeitet werden – und nicht nur das Verhalten einzelner Personen. Andere Leser halten dagegen, die Regeln seien demokratisch beschlossen worden und Verstösse müssten entsprechend verfolgt werden.
«Noch ist er nicht verurteilt»
Auffällig ist gleichzeitig, dass mehrere Leser vor einer Vorverurteilung warnen. «Die Eröffnung eines Strafverfahrens ist noch lange keine Verurteilung», schreibt ein Nutzer und verweist ausdrücklich auf die Unschuldsvermutung.
Juristisch ist das der entscheidende Punkt: Die Luzerner Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen gegen Xhaka und eine Ärztin. Es soll geklärt werden, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten im Zusammenhang mit einer möglichen Erschleichung einer falschen Beurkundung vorliegt.
Xhaka bestreitet gegenüber dem «Blick» die Vorwürfe über seinen Krisenmanager Andreas Bantel von der Kommunikationsagentur Bantel & Partner. Es gilt die Unschuldsvermutung.
«Alles richtig gemacht»
Unabhängig von der unsicheren Faktenlage stellt sich ein Teil der Leser demonstrativ hinter Xhaka. Einige feiern ihn sogar dafür, sich während der Corona-Zeit gegen den damaligen Druck gestellt zu haben. Ein Kommentar mit dem Tenor «alles richtig gemacht» erhielt besonders viel Zustimmung.
Andere sehen die Sache genau umgekehrt: Wer bewusst ein gefälschtes Dokument verwendet habe, müsse sich dafür verantworten – unabhängig davon, ob man die damaligen Corona-Regeln gut oder schlecht fand.
Die Debatte deckt auf: Xhaka ist nach dem Fall von Patrick Fischer zur nächsten Projektionsfläche für die noch immer ungelöste Corona-Debatte geworden.
Solidarisierung mit verurteiltem Kriegsverbrecher
Heftig und direkt an Xhaka adressiert sind die Reaktionen auf seinen Post zu Hashim Thaçi diese Woche. Xhaka solidarisierte sich auf Social Media mit dem früheren Präsidenten des Kosovo.
Thaçi wurde am Kosovo-Sondertribunal in Den Haag am 16. September 2026 wegen mehrerer Kriegsverbrechen schuldig gesprochen und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.
Das Gericht stellte beim UÇK-Freiheitskämpfer unter anderem die strafrechtliche Verantwortung für rechtswidrige beziehungsweise willkürliche Inhaftierungen, grausame Behandlung, Folter und Morde fest.
Xhakas Kommentar zu Thaçi und drei weiteren verurteilten Ex-UÇK-Führern: «Sie kämpften auf ihrem eigenen Land für die Freiheit des Vaterlandes.» Der entsprechende 20-Minuten-Artikel hat aktuell 190 Kommentare.
Forderungen nach einem Nati-Ausschluss
Mehrere Nutzer fordern, Xhaka müsse die Nationalmannschaft verlassen. Andere stellen seine Schweizer Identität infrage oder kritisieren, dass er als Captain eine besondere Vorbildfunktion habe.
Ein Kommentar bringt die Kritik auf den Punkt: Xhaka sei als Fussballer unbestritten, seine politischen Äusserungen würden aber als problematisch wahrgenommen.
Andere erinnern an seine früheren Kontroversen – insbesondere an die Doppeladler-Geste im WM-Spiel gegen Serbien 2018.
Teilweise wird sogar der Entzug des Schweizer Passes gefordert. Andere Kommentare gehen noch weiter und verlangen seinen Rücktritt als Nati-Captain. Es gibt allerdings auch eine Gegenbewegung.
Doch auch Xhaka bekommt Unterstützung
Mehrere Leser verteidigen Xhakas Recht, seine Herkunft und seine persönliche Geschichte öffentlich zu thematisieren. Ein Kommentar argumentiert, man könne seine kosovarischen Wurzeln nicht einfach ausblenden. Ein anderer erinnert an den Krieg im Kosovo und daran, dass die UÇK gegen serbische Kräfte kämpfte.
Damit prallen zwei Sichtweisen aufeinander: Für die einen kann Xhaka seine Herkunft und seine Meinung frei äussern. Für die anderen überschreitet er als Captain der Schweizer Nationalmannschaft eine Grenze.
In einer 20-Minuten-Umfrage mit über 3000 Abstimmungen finden fast 80 Prozent den Thaçi-Post als Fehler und sehen es als Überschreitung der roten Linie.
Falls Xhaka nach dem Thaçi-Post nun im Covid-Fall verurteilt wird: Soll der Nati-Captain weiter für die Schweiz spielen?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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