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Tuesday, October 13, 2026

Trügerischer Bruchharsch: Bericht zeigt Ursache für Heli-Crash

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Der Unfall vom 10. April 2025: Das Bild zeigt den zerstörten Helikopter nach dem Unfall auf dem Petersgrat. Bei (1) ist die beschädigte linke Landekufe zu sehen, bei (2) liegen abgebrochene Teile des Hauptrotorblatts im Schnee.

Der Unfall vom 10. April 2025: Das Bild zeigt den zerstörten Helikopter nach dem Unfall auf dem Petersgrat. Bei (1) ist die beschädigte linke Landekufe zu sehen, bei (2) liegen abgebrochene Teile des Hauptrotorblatts im Schnee.Sust

Darum gehts

  • Am 10. April 2025 kippte ein Helikopter bei der Landung auf dem Petersgrat bei Kandersteg auf die Seite und wurde zerstört.
  • Eine brüchige Schneedecke (Bruchharsch) brach unter einer Kufe ein – der Helikopter kippte innerhalb von drei Sekunden.
  • Zwei Personen erlitten Armbrüche und schwere Wunden; der Abschlussbericht der Sust liegt nun vor.

Die erste Landung auf dem Petersgrat im Berner Oberland verlief problemlos. Auch beim zweiten Anflug schien zunächst alles zu stimmen. Doch dann gab der Schnee unter einer Kufe nach. Der Helikopter kippte innerhalb von nur drei Sekunden auf die Seite. Zwei Menschen wurden schwer verletzt, der Helikopter zerstört.

Der Unfall ereignete sich am 10. April 2025 auf dem Gebirgslandeplatz Petersgrat bei Kandersteg. Nun zeigt der Abschlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), wie es zu dem Unglück kam.

Beim zweiten Anflug scheint alles zu stimmen

An jenem Donnerstagmorgen startete die Bell 505 um 9.05 Uhr am Flughafen Bern. An Bord befanden sich zunächst ein Pilot und ein Fluglehrer, der zugleich als Prüfungsexperte tätig ist. Nach einer erfolgreich absolvierten Überprüfung und einer Zwischenlandung in der Region Kandergrund stieg ein Passagier zu. Anschliessend standen weitere Landungen im Gebirge auf dem Programm.

Die ersten Übungen verliefen ohne Zwischenfälle. Auch die erste Landung auf dem Petersgrat gelang. Der Helikopter setzte aus dem Schwebeflug auf dem Schnee auf. Die Kufen sanken dabei nur wenig ein.

Die Besatzung hielt den Untergrund für stabil

Nach einer kurzen Besprechung mit laufendem Rotor entschieden sich die Piloten für einen zweiten Anflug. Sie wollten unter anderem den Anflugwinkel und die Geschwindigkeit verbessern. Diesmal sollte der Helikopter mit geringer Vorwärtsgeschwindigkeit aufsetzen, ohne zuvor über dem Boden zu schweben.

Nach Angaben beider Piloten verlief der zweite Anflug ruhig, im richtigen Winkel und mit angemessener Geschwindigkeit.

Plötzlich kippt der Helikopter nach rechts

Um 10.20 Uhr berührten die Kufen erneut den Schnee. Die neue Landestelle lag rund 75 Meter von der ersten entfernt. Dann geschah etwas, womit die Besatzung nicht gerechnet hatte: Die rechte Kufe brach durch die Schneedecke.

Der Helikopter begann nach rechts zu kippen. Der Fluglehrer übernahm sofort die Steuerung und versuchte, die Bewegung mit einem starken Ausschlag nach links und einer raschen Verringerung des Auftriebs zu stoppen. Doch es gelang ihm nicht.

Innerhalb von nur drei Sekunden kippte die Maschine auf die rechte Seite. Der Hauptrotor schlug auf dem Boden auf. Teile der Rotorblätter brachen ab und beschädigten die Kabine.

Rotorblatt schlug gegen die Kabine

Der Fluglehrer auf dem linken Vordersitz wurde von einem abgebrochenen Rotorblatt getroffen. Er erlitt einen Armbruch und eine grosse offene Wunde. Auch der Passagier auf der Rückbank brach sich den linken Arm.

Der Pilot kam mit leichten Verletzungen davon. Er stellte das Triebwerk ab, half den beiden Schwerverletzten aus dem Wrack und alarmierte die Rettungskräfte.

Die Wucht des Aufpralls war erheblich. Der Rotormast brach, grosse Teile der Rotorblätter wurden abgetrennt. Der Hauptrotor lag rund 20 Meter vom Wrack entfernt. Ein grösseres Rotorstück steckte unmittelbar neben dem Cockpit im Schnee.

Warum gab der Schnee plötzlich nach?

Die Sust kommt zum Schluss, dass die Beschaffenheit der Schneedecke massgeblich zum Unfall beitrug. Auf dem Petersgrat lag sogenannter Bruchharsch, die extremste Variante von Harschschnee. Dabei bildete sich auf weicherem Schnee eine harte, brüchige Kruste. Diese kann zunächst stabil wirken, unter Belastung aber plötzlich einbrechen.

Genau das geschah bei der zweiten Landung. Hinzu kam Wind, der die Kippbewegung möglicherweise verstärkte. Die Untersuchung ergab keine Hinweise auf einen bereits bestehenden technischen Defekt.

Technische Besonderheit fehlt im Flughandbuch

Die Untersuchung brachte allerdings noch eine weitere Erkenntnis. Bei der Bell 505 können Bewegungen der speziellen Hauptgetriebeaufhängung auch die Stellung der Rotorblätter beeinflussen. Diese Eigenschaft werde im Flughandbuch nicht beschrieben. Ob sie beim Unfall eine Rolle spielte, konnte die Sust nicht abschliessend klären.

Deshalb empfiehlt die Untersuchungsstelle, die Betreiber des Helikoptertyps besser über diese Besonderheit zu informieren. Auch die Auswertung wichtiger Flugdaten sorgte für Schwierigkeiten. Erst mehr als ein Jahr nach dem Unfall standen bestimmte Daten zur Verfügung. Die Sust kritisiert diese Verzögerung und fordert einen einfacheren Zugang zu solchen Aufzeichnungen.

Jonas Bucher

Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.

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