Bollywood HungamaEXCLUSIVE: Samarth Jurel to make special appearance in Emraan Hashmi-starrer Gunmaaster G9The Jerusalem PostHackers hit Ukraine, Russia's emergency apps, send fake nuclear, chemical attack alertsPunchAccord asks court to dismiss suit seeking candidates’ disqualificationInquirerOver 9,000 passengers monitored in S. Tagalog ports on Nov. 2 – PCGDaily MaverickEl Niño threatens SA’s crops, but ample maize stocks cushion the blowInquirer EntertainmentAshtine Olviga, David Licauco say they are not competing with other love teamsTechCrunch42AI comes out of stealth with $62.5M and a world model that can ‘predict human behavior’The Hollywood ReporterEzra Frech on Tackling ‘DWTS’ Season 35 With Amber Glenn as “Teammates” and What Becoming the Show’s First Amputee Winner Would MeanZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-Nachrichtenstudio20 MinutenEndlich gibts gestochen scharfe Bilder des GespensterfischsVanguardHow I met my wife 22 years ago – Actor Odunlade Adekolaعالم التقنيةسامسونج تبدأ إنتاج شاشة الخصوصية لهاتف Galaxy S27 Pro تمهيدًا للإطلاق مطلع 2027
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, November 2, 2026

Bilanz Jazzfest Berlin 2026: Die Signale kommen aus allen Himmelsrichtungen

Translate

„Dream Baby Dream!“ – das Motto des Jazzfests Berlin war als Einladung zu verstehen, auch in schwierigen Zeiten Wünsche zu verfolgen.

„Dream Baby Dream“ lautete das Motto der 63. Ausgabe vom Jazzfest Berlin. Bekannt wurde diese sanfte Parole vor allem durch Bruce Springsteen, der 2014 eine Coverversion des gleichnamigen Songs des New Yorker Synth-Punk-Duos Suicide von 1979 veröffentlichte. Die Kraft des Träumens in ausweglos erscheinenden Zeiten – ein Dauerbrenner auch im Jazzgeschäft.

„Dream Baby Dream“ lautet auch der Titel eines psychedelischen Kurzfilms, den das Festival 2025 im Rahmen eines Community-Projekts produzieren ließ und nun stolz präsentierte.

Als Festivalleiterin Nadine Deventer am Donnerstagabend im vollen Saal der Berliner Festspiele Grußworte ans Publikum richtete, übersprang sie einige Talking Points, weil ihr wohl selbst beim Reden auffiel, wie umfangreich das Programm geworden ist: von Improv-Theater-Zirkus bis hin zu Kiez-Sessions mit Nach­wuchs­mu­si­ke­r:in­nen im SOS-Kinderdorf Moabit. „Musik, Musik!“, konnte man erste ungeduldige Zwischenrufe während Deventers Rede vernehmen.

Es war dann schließlich Maria Portugal, die inzwischen in Berlin ansässige und aus São Paulo stammende Schlagzeugerin, Sängerin und Komponistin, die mit ihrem Erasão Percussion Trio zusammen mit Burkhard Beins und Emilio Gordoa ein rauschendes Eröffnungskonzert gab.

Ein kuratorischer Glücksfall

Eine unerhörte Musik, die Verbindungslinien zeigte zwischen den Bewegungen der Berliner Echtzeitmusik und dem brasilianischen Tropicalismo, bei dem Künstler wie Tom Zé schon Ende der 1960er-Jahre gegen die Militärdiktatur im Land ansangen. In Anbetracht des aktuellen Wahlsiegs von Lula da Silva war die Wahl dieses Trios zum Auftakt aus kuratorischer Perspektive ein absoluter Glücksfall. Ja, wir dürfen in diesen Zeiten immer noch von der Demokratie träumen. Nein, das müssen wir sogar, um dem Imperativ des Festival-Mottos zu folgen!

Danach gab es ein Konzert des inzwischen 81-jährigen US-Künstlers Anthony Braxton, einer der ganz großen Saxofonisten, Komponisten und Denker des Jazz. Braxton führte mit einem eigens dafür zusammengestellten Septett, bestehend aus drei Saxofonen und vier Tuben, ein Auftragswerk auf – mit einem eigenen Notationssystem, das er „Language Music“ nennt. Es besteht aus unterschiedlichen Modulen, sogenannten „Language Types“, die er als Dirigent im Moment bei den Mu­si­ke­r:in­nen über Handzeichen abruft.

So passierte Braxtons Musik nicht linear an einem Zeitstrang, wie es für klassische, auch im Jazz übliche Partituren der Fall ist, sondern die Signale kamen aus allen möglichen Himmelsrichtungen angeflogen. Ein Sound mit einem anderen Raum- und Zeitverständnis. Und das schon seit über 50 Jahren.

In all der eindrucksvollen Multidimensionalität sollte man beim Jazzfest Berlin seine Fomo, also die Angst, etwas zu verpassen, gut im Griff haben. Denn die Gewissheit, dass man, während man einem Konzert beiwohnt, gerade ein anderes tolles Konzert in einer anderen Spielstätte verpasst, ist mehr als gewiss.

Die Qual der Wahl

Etwa am Samstagabend, als man sich entscheiden musste zwischen dem New Yorker Immanuel Wilkins Quartet, einem erstklassigen Blue-Note-Vertragskünstler der Gegenwart, oder der ebenfalls in New York lebenden Gitarristin Wendy Eisenberg, die im Quasimodo ihr aktuelles Album präsentierte. Für den Schreiber dieser Zeilen fiel die Wahl auf Eisenberg.

An ihrer Seite spielte etwa die supermusikalische Violinistin Mari Rubio und der inzwischen zu so etwas wie dem Haus- und Hofbassisten des Festivals gewordene Nick Dunston, der bei mehreren Gigs am Bass zu hören war, wie etwa bei dem sehr guten Auftritt des Camilla Nebbia Large Ensembles nur wenige Stunden zuvor.

Eisenberg beschreibt in ihren Songs die Herausforderungen in einer zwangsindividualisierten Gesellschaft mit messerscharfem Verstand und einer wohltuenden Portion Selbstironie. Immer wieder kippten ihre Songs beim Konzert ins Surreale. Eine Tagträumerin, von der man gern mal einen Roman lesen würde.

Der Samstag war dann der Tag der Festivallieblinge, die Nadine Deventer und ihr Co-Kurator, der aus Chicago stammende US-Journalist Peter Margasek, zum wiederholten Male beim Festival auftreten ließen: etwa die Cellistin Tomeika Reid, die zusammen mit der Ausnahmegitarristin Mary Halvorson im Quartett ihr gemeinsames Album „Dance! Skip! Hop!“ aufführte. Eingängige Kompositionen mit rasanten Django-Reinhardt-Riffs, Lating Grooves und handgespielten HipHop-Loops.

Referenz an Don Cherry

Im direkten Anschluss konzertierte das Chicago Underground Duo mit Schlagzeuger Chad Taylor und Trompeter Rob Mazurek. Sie boten eine beeindruckende Show mit elektronischen Loops und liebevollen Referenzen an den Sound von Don Cherry. Aus Mazurek wäre bestimmt auch ein guter Frontmann für eine Post-Punk-Band unserer bekloppten Gegenwart geworden.

Aber so verkörpert er den vielleicht extravagantesten Trompeter unserer Zeit und bläst einem nicht mehr ganz jungen Publikum als Enfant terrible den Fiebertraum-Marsch!

Am Sonntagabend, nachdem die inzwischen ebenfalls in Berlin ansässige New Yorker Sängerin Ganavya dem Publikum auf der Bühne ihre neugeborene Tochter vorgestellt und für all die mit ihr verbundenen Seelen zu Harfen- und Kontrabassbegleitung meditative Chants angestimmt hatte, feierte Alexander von Schlippenbachs 15-köpfiges Globe Unity Orchester im Anschluss den 60. Bandgeburtstag mit einer gelungenen Improvisationsrevue. Das hätte sich dieses aufmüpfige Free-Jazz-Kollektiv 1966 so ganz sicher nicht träumen lassen. Mit Schlippenbachs Frau Aki Takase, die zusammen mit ihm den Flügel bespielte, stand übrigens zum ersten Mal eine Künstlerin mit auf der Bühne in diesem legendären Kollektiv.

Was aber für die Gegenwart dieses gelungenen Festivals wenig zur Sache tut. Denn Deventer und ihrem Team ist es längst gelungen, den alten Männerverein Jazz erfrischend aufzumischen.

Ja, Dream Baby Dream!

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.