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Tuesday, October 20, 2026

US-Fußball nach der WM: Messi-Mania in Miami

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Bei Inter Miami treffen sich Latinos, um Lionel Messi zu feiern. Auf dem Rasen läuft uninspirierter Standfußball, aber noch kümmert das keinen.

Ruth Lang Fuentes

Messi. Messi. Messi. Schon auf dem Weg von der Metro-Station zum neuen Nu Stadium ist klar, um wen sich hier alles dreht. Kein anderer Name ist auf den Trikots der Fans zu lesen, und es tragen wirklich viele eines. Wer noch keins hat, kann eins für zwanzig Dollar bei den Straßenhändlern vor dem Stadion kaufen. Es gibt sie in den hellblau-weißen Längsstreifen Argentiniens oder in Rosa und Hellblau, den Farben, in denen sich an diesem schwülen Abend die Dämmerung über Miami legt.

Es sind zugleich die Farben des Teams, das hier heute spielt: Inter Miami. Offiziell: Club Internacional de Fútbol Miami. Ja, auf Spanisch. Der Sprache, die hier meist gesprochen wird, der Sprache der Latinos, also der Community in den USA, die hauptsächlich an Fußball interessiert ist, der Sprache Messis.

„Messi, Suárez, Casimiro“, schreit eine Händlerin. Gekauft wird aber nur Messi. Die beiden anderen alternden Starspieler sind in Miami nur Beiwerk. Seit 2023 spielt Lionel Messi für das Franchise der Major League Soccer (MLS), das unter anderem David Beckham gehört. Und seitdem geht es richtig bergauf. Während Inter Miami in seiner ersten Saison 2020 noch als schlechtester MLS-Neuling ausschied, schaffte es Messi mit dem Team vergangene Saison in die Playoffs und gewann schließlich gegen Thomas Müllers Vancouver Whitecaps den MLS-Cup.

Zum Ende der diesjährigen Regular Season steht Miami in der Eastern Conference auf Platz 2. An diesem Mittwochabend spielen sie gegen New York FC. Ein durchschnittlicher Klub ohne einen Star wie Messi.

Tickets für mindestens 65 Dollar

Eine Karte auf den hinteren Rängen kostet mindestens 65 Dollar, ein Dosenbier 18, kulinarisch gibt es von Angus-Rind-Burger über Popcorn und Pizza bis zur „Soft Pretzel“ alles, was das Herz begehrt – wenn man es sich leisten kann. Alles wirkt etwas zu clean in diesem Stadion, selbst die „Supporter“ im Ultra-Look, die mit ihren Flaggen, Trommeln und Pfeifen kurz vor Anpfiff noch im Stockwerk der Essensausgaben für Partystimmung sorgen und dann von den Securitys gecheckt werden.

Er sei schon Inter-Fan gewesen, bevor Messi kam, beteuert einer der „Ultras“, er werde es auch bleiben, wenn dieser in Rente geht. Es gibt sie tatsächlich: die Inter-Fans der ersten Stunde. Wie der junge Amerikaner, der neben den trommelnden „Hardcore“-Fans steht und eine riesige rosa-schwarze „Siege Miami“-Flagge schwenkt. Er ist überzeugt, dass Inter auch ohne Messi weiter erfolgreich existieren wird. Gerade jetzt mit dem neuen Stadion.

Die meisten Fans sind Latinos

Fünf Supporter-Gruppen gebe es, erzählt er. Fünf Gruppen, die sich zusammen „La Familia“ nennen: „Souther Legion, The Siege, Nación Rosa y Negro, IMS.MMXX und Vice City 1896“, zählt er auf. Letzteres ist das Gründungsjahr der Stadt Miami. Alle Gruppen werden auf der offiziellen Webseite des Klubs gelistet, über die man sich auch anmelden kann. Klar, die meisten Fans hier seien Latinos, sagt er. „Aber das ist Miami.“

Vor der Fanzone hängen ein paar selbst gemalte Plakate der „Supporter Groups“, natürlich auch in Rosa und Schwarz, wie die Stadionsitze oder die Getränkeausgaben. Das Stadion ist nicht ganz voll, 26.700 Zuschauer würden reinpassen. Reggaeton läuft, dann begrüßt der Spielansager das Publikum und die einlaufenden Teams, auf Englisch und Spanisch selbstverständlich. Man erhebe sich bitte für eine Live-Version von „The Star-Spangled Banner“. Kaum einer singt mit, wäre auch komisch im Argentinien-Trikot. Noch ein fettes Feuerwerk, dann kann es losgehen. Vor lauter Show und Trubel hat man fast vergessen, dass ja noch Fußball gespielt werden soll. Also Soccer, nicht Football.

Schleppende Partie

Das Spiel verläuft eher schleppend, die Supporter trommeln durchgehend in der ihnen zugewiesenen Zone. Ansonsten jubelt das Stadion vor allem, wenn die Nummer 10 den Ball hat. Und bei den beiden Toren, die in der ersten Halbzeit fallen. Leider nicht durch Messi. Jedes Tor wird mit einem Feuerwerk gekürt. Einen Hydration Break gibt es auch. Dann Halbzeitpause.

„Es gibt auch die Messi-Fanboys, aber die kommen vielleicht, wenn’s hochkommt, sechsmal, nicht öfter, nach sechsmal haben sie genug von Messi gesehen“, hatte der „Ultra“ mit der Siege-Flagge gemeint. Sicher?

Eine Familie, Vater, Mutter, Sohn, ist aus Argentinien zu Besuch in Miami. Sie seien zum Spiel gekommen, um noch mal Messi spielen zu sehen. Jetzt, da er sich ja von der Nationalmannschaft verabschiedet hat. „Die Fangesänge hier sind die gleichen wie die der Barras Bravas, also der Ultras bei uns in Argentinien“, sagt der Sohn begeistert. Ein Typ im Messi-Trikot und mit Argentinien-Flagge über den Schultern will gar nicht darüber nachdenken, was sein wird, wenn sein Idol nicht mehr spielt: „Nein, Messi soll einfach immer weiterspielen.“

Keine Rede von der WM

Zwei junge Amerikanerinnen sind hier, weil sie Freikarten geschenkt bekommen haben, erzählen sie. Von der WM, die vor wenigen Monaten noch im Hard Rock Stadion in Miami ausgetragen wurde, spricht niemand.

Die zweite Halbzeit wird begleitet von einer halbherzigen La Ola im Publikum. Ungefähr so halbherzig spielt auch Messi. Nur wenn der Ball ihn erreicht, zeigt er, dass er es noch draufhat. Verteidigung oder Bewegung zum Ball? Fehlanzeige. Macht ihm das Kicken für Miami überhaupt Spaß? Eine Frage, auf die man als Zuschauerin keine Antwort bekommt. Dafür bekommt man aber langsamen, geradezu uninspirierten Standfußball. Ab und zu eine sehenswerte Aktion, die auf den vielen Bildschirmen wiederholt wird. Es gibt fünf Minuten Nachspielzeit, in denen es noch mal kurz spannend wird. New York verschießt einen Elfmeter. Miami gewinnt 2:0.

Uninspirierter Standfußball

Die übriggebliebene Pyro hinter den Toren wird in die Luft geschossen. Man hatte wohl ein paar Tore mehr erwartet. Vielleicht sogar von Messi, aber das bleibt aus. Er hat seine 90 Minuten runtergespielt, zwei, drei gute Dribblings und Flanken, sogar eine direkt aufs Tor geschossene Ecke geliefert. Dem Publikum reicht das. Das Team verschwindet schnell in die Kabine. Wenig später geht die Party in der Zwischenetage des Stadions weiter. Die Trommler stimmen den Rhythmus an, es wird getanzt, geschwitzt, und die Handys werden gezückt.

Vor dem rosa Merchstand stehen zwei Männer mit fetten Ketten um den Hals, an denen das Konterfei ihres absoluten Lieblingsspielers prangt: Messi. „Die ganze Welt fragt: Messi oder Ronaldo? Für mich ist ganz klar: Messi. Ronaldo ist total unsympathisch“, erzählt der eine. Wegen Ronaldo sei er sogar Argentinien-Fan geworden, obwohl er aus Honduras stamme. Jetzt, da Messi sich verabschiedet habe, werde das aber nicht mehr so bleiben. Auf die Frage, ob er denn das Spiel wirklich spannend fand, Messi sehe ja schon etwas erschöpft aus, antwortet er: „Bei manchen Spielen, so wie heute, trifft er eben nicht. Manchmal hält leider der gegnerische Torwart seinen Schuss.“ Sie spielen eben immer noch Fußball in Miami.

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