Biodiversität ist mehr als Artenvielfalt
In Deutschland solle es mehr Schutzgebiete für bedrohte Tiere und Pflanzen geben, so die Leopoldina. Der Klimawandel habe den Zustand bestehender Schutzgebiete bereits verschlechtert.
13.10.2026 | 1:38 minArtenvielfalt ist die Summe aller Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und auch der Mikroorganismen in einem oder allen Lebensräumen. Ein Begriff, der häufig gleichbedeutend mit biologischer Vielfalt oder Biodiversität benutzt wird. Tatsächlich ist sie aber nur ein Teil davon. Denn Biodiversität umfasst neben der Artenvielfalt zwei weitere Ebenen.
Biologische Vielfalt zentrales Thema auf UN-Konferenz
Am 19. Oktober beginnt in der armenischen Hauptstadt Eriwan die 17. UN-Biodiversitätskonferenz. Bei den zweiwöchigen Verhandlungen geht es vor allem um die Umsetzung des 2022 erzielten Artenschutzabkommens von Montreal. Damals einigten die Staaten sich unter anderem auf das Ziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen.
Genetische Vielfalt erhöht Überlebenschance
Die eine Ebene ist die sogenannte genetische Vielfalt. Gemeint sind damit vor allem Unterschiede innerhalb einzelner Arten. Hunderassen zum Beispiel können sehr verschiedene Größen, Fellfarben oder auch Verhaltensmuster haben. Und doch gehören sie der gleichen Spezies oder Art an.
Biologe Schädler untersucht das, was unter unseren Füßen so los ist. Er sagt: Die höchstmögliche Biodiversität auf der Erde findet man im Boden. Es dominieren vor allem Pilze.
23.05.2026 | 2:38 minBei Wildtieren und -pflanzen ist die genetische Vielfalt sehr wichtig, weil sie sich so über mehrere Generationen hinweg an geänderte Umweltbedingungen anpassen - etwa auch an zunehmende Hitze oder Trockenheit. Je höher ihre genetische Vielfalt, desto höher ist die Chance einer Art, unter veränderten Bedingungen zu überleben.
Vielfalt ganzer Ökosysteme schützenswert
Die zweite weitere Ebene ist die Vielfalt der Lebensgemeinschaften oder Ökosysteme. Tier- oder Pflanzenarten sind Teil eines eng verwobenen Systems, in dem die eine Art ohne die andere nicht überleben kann.
Meist beeinflussen sich die Systeme auf der Erde gegenseitig. Forschende weisen deshalb immer wieder darauf hin, dass es beim Naturschutz sinnvoll sei, Störungen ganzer Ökosysteme im Blick zu haben und nicht nur die Bedrohung einzelner Arten.
Bienenfreundlicher Garten
:Mit bunter Gartengestaltung Wildbienen schützenWildbienen sind wichtige Akteure in unserem Ökosystem, doch sie werden immer weniger. Was man im eigenen Garten für sie tun kann und warum Bienenhotels allein nicht ausreichen.
von Elmar Mai
mit Video7:23
Ein einfaches Beispiel: Stirbt auf einer Wiese eine bestimmte Wildbienenart aus, folgt ihr kurz darauf eine spezielle Pflanze, die nur von ihr bestäubt wird. Fehlt nun auch diese, werden womöglich andere Pflanzen dominant, die vorher keinen Platz hatten, sich auszubreiten.
Artenreiche Ökosysteme sind stabiler
So könnte im schlimmsten Fall ein ganzes System ins Kippen geraten. Untersuchungen belegen, dass artenreiche Ökosysteme stabiler sind als artenarme. Auch mit Blick auf Krankheiten, die sich weniger leicht ausbreiten und auf andere Arten - darunter den Menschen - überspringen können.
Eine internationale Studie aus dem Jahr 2023 geht davon aus, dass weltweit bereits rund zwei Millionen Arten gefährdet sind. Biodiversitätsverlust bedeutet aber nicht nur, dass es künftig weniger Tier- oder Pflanzenarten auf dem Planeten gibt. Er bedroht auch massiv die Lebensweise der Menschen.
Wir stehen am Anfang der größten Aussterbewelle seit dem Ende der Dinosaurier. Aber welche Auswirkungen hat das Verschwinden von Arten überhaupt auf unseren Alltag?
28.02.2023 | 28:33 minBiodiversität für den Menschen unverzichtbar
Für den Menschen ist Biodiversität in vielfacher Hinsicht unverzichtbar: Insekten bestäuben drei Viertel aller Nutzpflanzen; Tiere wie der Mistkäfer etwa bauen tierische und pflanzliche Abfallstoffe ab. Diese "Dienstleistungen" in der Landwirtschaft sind nicht nur Milliarden Euro wert, sie sind meist gar nicht ersetzbar.
Darüber hinaus liefert die Natur unzählige Nahrungsmittel, Baustoffe, Arzneien oder zumindest die Ideen dazu. Intakte Ökosysteme binden riesige Mengen an Kohlenstoff, der nicht als Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre gelangt.
Sie sind Klimahelden, Küstenschützer, manche haben Supersinne - und sie sind uns eine große Hilfe. Doch die Superstars der Natur sind bedroht. Wie können wir ihnen helfen?
29.05.2026 | 43:29 minWälder etwa oder Mangroven schützen als natürliche Bollwerke gegen die Folgen des Klimawandels wie Dürren oder Sturmfluten. Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen sorgen für sauberes Wasser, frische Luft, Kühle und fruchtbaren Boden.
Zerstörung von Lebensräumen durch den Menschen
Bedroht wird die Biodiversität dabei vor allem durch menschliches Handeln. Die Haupttreiber des Verlustes der Vielfalt sind die Zerstörung von Lebensraum, etwa durch Abholzung oder Versiegelung, und die Übernutzung, zum Beispiel durch intensive Landwirtschaft oder Fischfang.
Die Artenvielfalt ist stärker bedroht als bekannt: Laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion gilt fast ein Drittel der rund 176.000 erfassten Arten weltweit als vom Aussterben bedroht.
09.07.2026 | 1:33 minMark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
Der Artikel wurde am 20. Oktober 2024 erstmals veröffentlicht und nun aktualisiert.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.