Trottoirs voller Kot: Uznach SG will den Störchen an den Kragen

- Die Gemeinde Uznach SG will ihre Storchenpopulation von rund 100 Tieren innerhalb von vier Jahren halbieren.
- Kotbeschmutzungen an Dächern, PV-Anlagen, Sitzbänken und Strassenlaternen führen zu kostspieligen Reinigungsarbeiten und Entschädigungsforderungen.
- 20 Minuten war vor Ort und hat mit den Anwohnern über die Störche in ihrer Gemeinde gesprochen.
- Der Präsident des Storchenvereins Uznach, Bruno Bachmann (66), sieht keinen übermässigen Anstieg und betont, die Natur reguliere die Population selbst.
Die Gemeinde Uznach im Kanton St. Gallen hat genug von der hohen Anzahl Störche. Es seien wohl um die hundert Stück. Die Gemeinde will die Population stark verkleinern, wie die «Linth-Zeitung» schreibt. Mehrfach sei es zu Reklamationen und Entschädigungsforderungen von Hausbesitzern und Gewerbetreibenden gekommen, die die hiesige Storchenpopulation teils als Ärgernis bezeichnen. Der Grund ist die Verschmutzung von Dächern und Fassaden durch den Kot der Tiere. Das führt zu aufwändigen Reinigungsarbeiten.
Vorsicht unter Uzner Strassenlaternen
Störche verkoten Sitzbänke, PV-Anlagen, Parkplätze und noch vieles mehr bis zur Unbrauchbarkeit. Strassenlaternen werden von den Tieren als Kotplatz genutzt, womit die Passanten die Strassenseite wechseln müssen oder sonst riskieren, beschmutzt zu werden. Ein weiteres Problem ist, dass die Störche Natur- und Moorschutzgebiete «leer fressen». Für den Gemeinderat von Uznach ist mit diesen Gründen ein Ausmass erreicht, das eine Regulierung, andere geeignete Massnahmen oder eine Entschädigung verlangt, wie die Gemeinde Uznach in einer Mitteilung schreibt.
Die Gemeinde schlägt vor: «Die Aufsichtsorgane sollen zusammen mit dem Bund ein Konzept erarbeiten, wie der Bestand der Störche in Uznach innerhalb von vier Jahren halbiert und gehalten werden kann.»
Uznacher sind unterschiedlicher Meinung.
20 Minuten hat sich in Uznach umgehört. Zahlreiche Personen teilten mit, dass die Störche schöne Tiere sind. Sie verstehen aber auch die Gebäudebesitzer, welche durch den Storchenkot hohe Reinigungsarbeiten haben. «Ich finde es nicht gut, wenn man in die Natur eingreift», sagt die 54-Jährige Corinne und ergänzt: «Die Personen, welche es betrifft, verstehe ich jedoch gut. Die Tiere machen eine riesen Sauerei.» Sie hofft auf eine gute Lösung. «Es ist schön, dass wir in Uznach die Störche als Markenzeichen haben.»
Wie findest du Störche?
Eine andere Frau versteht nicht, warum man die Tiere regulieren muss: «Durch den wenigen Regen diesen Sommer gab es wenig Jungtiere, welche in den Nestern ertrunken sind. Deswegen sind diesen Sommer mehr Störche unterwegs.»
«Ich sehe kein Problem», sagt Hedy (77)
«Die Störche sind seit vielen Jahren in Uznach heimisch. Ich sehe kein Problem bei der Population, muss aber dazu sagen, dass ich nicht in Uznach selber wohne, sondern in der näheren Umgebung. Finde Störche schön zum Anschauen, wenn ich in Uznach spazieren gehe.»
«Uznach ist das Dorf der Störche», sagt Beat (63)
«Beim Thema Storchregulierung verstehe ich beide Seiten: Leute, welche die Tiere stark regulieren möchten, und jene, die finden, dass die Tiere hierher gehören. Die Störche sind geniale Tiere. Ich habe Freude, wenn ich sie sehe. In Uznach sieht man sie im Normalfall täglich. Fachleute sollen das Problem analysieren. Eine Reduzierung auf die Hälfte finde ich krass, denn die Tiere gehören hierher. Uznach ist das Dorf mit den Störchen.»
«Betroffene haben ein grosses Problem mit den Störchen», Ruth (55)
«Zum Glück habe ich auf meinem Dach kein Storchennest. Ich kenne Leute, die betroffen sind. Für sie ist es ein grosses Problem. Betroffene zahlen anscheinend viel für die Reinigung. Es braucht auch ein spezielles Reinigungsmittel, das teuer ist. Grundsätzlich finde ich die Störche jedoch sehr schön zum Anschauen.»
«Die Natur regelt die Population selbst»
Vor 20 Jahren habe man erfolglos versucht, die Störche ins Riet umzusiedeln, doch das hat laut Storchenverein nicht funktioniert. «Man hat keine Chance, die Störche umzusiedeln. Wenn es den Tieren auf unseren Dächern gefällt, kann man noch so viele Nester im Riet anbieten. Die Störche kommen immer wieder zu uns zurück», sagt Bruno Bachmann, Präsident des Storchenvereins Uznach, zu 20 Minuten.
«Die Natur regelt die Population selbst. Zum Beispiel überleben einige Störche die Reise nach Afrika nicht», sagt der 66-Jährige. Er findet nicht, dass die Storchenpopulation übermässig gewachsen ist.
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Dachreinigung wird finanziell unterstützt
Der Storchenverein übernimmt einen Grossteil der Reinigung von Storchenkot. «Wo es ein Storchenproblem gibt, gehen wir vor Ort.» Bis vor Kurzem hat der Verein die Reinigung selbst bezahlt. Seit Kurzem werde er von der Gemeinde finanziell unterstützt. Für den Präsidenten ist klar: «Wenn jemand keinen Storch auf seinem Dach will, dann muss er etwas dagegen unternehmen.»
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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