The Jerusalem PostEl Al unveils new bedding, Jo Malone kits in passenger service overhaulESPNHurts out for season after blood clots discovered in Eagles QB's lungsESPN DeportesNBA 2026-27: Rankings, predicciones sobre los 30 equiposInquirerDizon: 3 nabbed for stealing parts of Diokno Pumping StationPunchN3bn power line: Scrap dealers demand proof of cable theft from ZulumRTP DesportoChampions: Farioli quer começar a "escalar a montanha" frente ao PSVDaily MaverickTHE CONVERSATION: Why are we so obsessed with true crime? It’s not just morbid curiosityFootball ItaliaAllegri: ‘I question myself every day, Napoli players must be defended’Anime News NetworkSTEEL BALL RUN JoJo's Bizarre Adventure ‒ Episodes 1-4GIGAZINE規制が厳しい現代社会に「オトナ」なアニメ表現を届ける気概と工夫を男2人が密室でみっちり語り倒す『ダークサモナーとデキている』『彼女の友達』プロデューサートーク濃密レポート
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, October 19, 2026

Sozialproteste in Rom: Italiens Vorstadtjugend kocht vor Wut

Translate

Auch Italien erlebt eine Welle der Gewalt. Dem wenig zielgerichteten Protest der Jugend haben sich Gewerkschaften und Lkw-Fahrer angeschlossen.

Michael Braun

Großdemonstrationen, Ausschreitungen, Tränengas- und Wasserwerfereinsätze der Polizei, geplünderte Läden und abgefackelte Müllcontainer, Hunderte Festnahmen: Am Freitag, Samstag und Sonntag erlebte Italien gleich an drei Tagen in Folge eine Welle des Protestes, der – wie in Frankreich – immer wieder auch in Gewalt umschlug.

Am Ende standen 270 Festnahmen. 80 Prozent der Festgenommenen seien Minderjährige, hieß es aus den Reihen der Polizei, die jüngsten seien bloß 12 Jahre alt und damit nicht einmal strafmündig. Dass hier nicht politischer Protest im engeren Sinn, sondern das soziale Problem der Vorstadtjugend hochkocht, liegt auf der Hand. Dennoch möchte die Rechtsregierung unter Giorgia Meloni die Krawalle allzu gern ins übliche Rechts-links-Schema pressen und fordert lautstark von der Linksopposition, sie solle sich „von der Gewalt distanzieren“, obwohl die das umgehend getan hatte. Am Montag hatte Meloni auch ihr Kabinett einberufen, um die Lage zu beraten. In Italien stehen im ‌kommenden Jahr Wahlen an.

Den Auftakt bildeten am Freitag zunächst Demonstrationen von Schü­le­r*in­nen in ganz Italien; linke Schülerorganisationen hatten zum „No-Meloni-Day“ aufgerufen, um gegen die anstehende kräftige Erhöhung des Verteidigungsetats bei fortdauernder Unterfinanzierung des Schulwesens zu protestieren. Die meisten dieser Demos, an denen auch Eltern und Leh­re­r*in­nen teilnahmen, verliefen friedlich. Doch in Turin suchte eine Gruppe vermummter De­mons­tran­t*in­nen vor der Präfektur den Zusammenstoß mit der Polizei, während in Bologna ein kleiner Teil der De­mons­tran­t*in­nen in den Bahnhof vorzudringen suchte – und vorneweg vom Gros der friedlichen De­mons­tran­t*in­nen daran gehindert wurde. In Rom wiederum warfen ins übliche Schwarz Gekleidete Knallkörper und Steine auf das Bildungsministerium.

Protest gegen steigende Wehrausgaben

Für Samstag wiederum hatte Italiens größter Gewerkschaftsbund CGIL gemeinsam mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen zu einer Großdemonstration in Rom mit Zehntausenden Teil­neh­me­r*in­nen aufgerufen, gegen die Kaufkraftverlust bei den Einkommen und weitere Kürzungen im Sozialstaat bei steigenden Wehrausgaben. Hier blieb die Lage friedlich, weil der Ordnungsdienst der Gewerkschaft die Situation im Griff hatte.

Ganz anders waren dagegen am selben Tag die Bilder aus Mailand und anderen norditalienischen Städten. Dort hatte in sozialen Medien die bisher völlig unbekannte Initiative „Italia in piazza“ zum Protest „gegen die Teuerung und die Kraftstoffkosten“ aufgerufen. In Mailand kamen etwa 5.000 Menschen zur Demo zusammen, über ihren Köpfen wehten keine roten, sondern einige italienische Fahnen. Es war keine klassische linke Demo, und auch die etwa 500 Jugendlichen, die sich bald vom Demo-Zug abspalten sollten, waren zwar großteils komplett in Schwarz gekleidet, lassen sich jedoch kaum als „Schwarzer Block“ bezeichnen.

Mitten im Zentrum Mailands gingen sie zur Sache, attackierten auf dem Domplatz die Polizei, zogen dann randalierend durch die Straßen rund um den Dom. Doch mit dem Spektrum der besetzten Autonomen Zentren haben sie nichts zu tun. Durch die Bank handelte es sich um Kids aus den Stadtrandvierteln Mailands und aus kleineren Städten des Umlands. Viele von ihnen – aber beileibe nicht alle – stammen aus migrantischen Familien. Zu Ausschreitungen kam es am Samstag erneut auch in Turin; dort wurde der Feltrinelli-Buchladen am Bahnhof verwüstet – eine Aktion, auf die man sich politisch kaum einen Reim machen kann.

Schuh- und Sportläden wurden häufig geplündert

Eine weitere Eskalationsstufe wurde dann am Sonntag in Mailand erreicht. Niemand hatte für den Tag offiziell zu weiterem Protest aufgerufen. Dennoch kamen am Nachmittag erneut Hunderte Jugendliche im Zentrum zusammen; sie hatten sich nach Berichten der italienischen Medien über Tiktok und Instagram koordiniert. Die erste Aktion war die Plünderung eines Supermarkts. Danach zogen die Randalierer in kleinen Grüppchen durch die Stadt, schlugen die Schaufenster zahlreicher Läden ein: Vor allem Geschäfte für Sportkleidung und -schuhe wurden geplündert. Bis spät in den Abend hinein lieferten sie sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei.

In Süditalien sorgt der Streik der Lkw-Fahrer dafür, dass Supermarktregale leer bleiben

Doch die Proteste im Norden des Landes sind nicht Melonis einziges Problem. Im Süden, von Sizilien über Kalabrien und Apulien bis zum Großraum Neapel in Kampanien, sind Hunderte LKW-Fahrer in den Ausstand getreten und haben am Sonntag erste Autobahnabschnitte blockiert. Sie klagen Regierungshilfen angesichts des exorbitanten Dieselpreises ein – und in zahlreichen Supermärkten des Südens leeren sich bereits die Auslagen, weil Waren ihr Ziel nicht mehr erreichen.

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.