Aufruf der Juso Schweiz – Jugendstreik: International vernetzt und seit Sommer geplant

In Frankreich knallt es bei Protesten. Seit einem Streik an einer Schule Mitte September sind die Proteste angewachsen, teils gewalttätig geworden und auf andere Länder übergeschwappt. Dass nun inmitten dieser angespannten Lage auch die Schweizer Juso für den November zum Jugendstreik aufruft, mag auf den ersten Blick wie kurzfristiges Trittbrettfahren wirken. Tatsächlich aber plant die Juso den Protesttag schon seit dem Sommer.
Bereits am 10. August erfolgte auf Instagram ein Aufruf zu einem internationalen Jugendstreik am 20. November. Der Instagram-Account trägt den Namen «International Youth Strike». Wer dahinter steckt, sieht man auf dem letzten Bild des Posts: Es sind die Logos diverser linker Jugendparteien in Europa – darunter auch die Juso Schweiz.
Auf Anfrage bestätigt Juso-Präsidentin Mirjam Hostetmann, dass der Jugendstreik im November bereits seit dem Sommer geplant werde. Anfang Jahr hätten sich Menschen aus Deutschland international vernetzt, um eine Jugendbewegung gegen Aufrüstung und Sparpolitik aufzubauen. «Die Juso hat beschlossen, diese Bewegung zu unterstützen», so Hostetmann. Aktivistinnen und Aktivisten unter anderem aus der Klimastreik- und der Schulstreik-gegen-Wehrpflicht-Bewegung seien international gut vernetzt, sagt die Juso-Präsidentin.
Zusammenhang mit Protesten in Frankreich?
Die internationale Planung für den Protest im November war also bereits erfolgt, als im September die französischen Schulproteste begannen. «Das hat nichts mit dem Jugendstreik zu tun», sagt Hostetmann.
Bei den Protesten in Frankreich gehe es um das marode französische Bildungssystem. Beim geplanten internationalen Jugendprotest im November hingegen um «die zunehmende Militarisierung in Europa bei gleichzeitigen Sparprogrammen in Bereichen der sozialen Sicherheit».
Allerdings nahm Juso-Vizepräsident Julien Berthod am Wochenende an einer Demonstration in Paris teil und drückte in einem Video seine volle Unterstützung aus. Doch – und hier schliesst sich der Kreis wieder – «er war in erster Linie in Paris, um an einem internationalen Treffen zum geplanten Jugendstreik teilzunehmen», sagt Mirjam Hostetmann. Die französische Hauptstadt sei einfach gut gelegen für ein internationales Treffen, Zeit und Ort wurden bereits Mitte September festgelegt, sagt die Juso-Präsidentin.
Was kommt auf die Schweiz zu?
Derweil sind die Proteste in Frankreich zum Teil gewaltsam eskaliert. Nils Fiechter, Präsident der Jungen SVP, warnt deshalb vor dem geplanten Jugendstreik in der Schweiz: «Das ist eine grosse Gefahr für unsere innere Sicherheit», so Fiechter gegenüber SRF.
«Die Gewalt bei den Protesten in Frankreich verurteilen wir», entgegnet Juso-Präsidentin Mirjam Hostetmann. Die französische Protestkultur lasse sich aber nicht mit jener in der Schweiz vergleichen. Die Juso-Präsidentin will, dass junge Menschen friedlich auf die Strasse gehen. «Man hört den jungen Menschen in der Politik zu wenig zu.»
Die aktuellen Proteste in Frankreich und Italien verschaffen dem Demonstrationsaufruf in der Schweiz zumindest kurzfristig Aufmerksamkeit. Geplant sind Aktionen in den grossen Städten.
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