Fall Fabian neigt sich dem Ende zu: Kläger fordern 30 Jahre Haft

- Im Prozess um den getöteten Fabian (8) aus Güstrow fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft wegen Mordes.
- Sie beantragt zudem die besondere Schwere der Schuld, was eine Entlassung nach 15 Jahren ausschliessen würde.
- Der Fall ist ein reiner Indizienprozess: Die 30-jährige Angeklagte bestreitet die Tat, das Urteil soll am 10. November fallen.
Im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat die Staatsanwaltschaft Rostock auf Mord plädiert und lebenslange Haft gefordert. Man sei überzeugt, dass die 30-jährige Angeklagte den Jungen getötet habe, sagte Staatsanwalt Oliver Schley am Donnerstag am Landgericht Rostock. Es war der 33. Verhandlungstag.
Schley beantragte zusätzlich, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Folgt das Gericht und wird das Urteil rechtskräftig, ist eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.
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Kein Geständnis, keine Augenzeugen
Die Frau soll Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Tümpel bei Klein Upahl erstochen haben, rund 15 Kilometer südlich von Güstrow. Später soll sie versucht haben, seinen Leichnam zu verbrennen. Sie bestreitet die Vorwürfe.
Es ist ein reiner Indizienprozess: Es gibt weder ein Geständnis noch unmittelbare Tatzeugen. Über zweieinhalb Stunden ging Schley die Beweismittel durch, die in den 33 Verhandlungstagen zusammengetragen wurden – Zeugenaussagen, Kameraaufnahmen, Chatnachrichten, Handydaten, Suchanfragen im Internet, abgehörte Telefonate, Schuhabdrücke, Faserspuren. In der Gesamtschau blieben keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft, sagte der Staatsanwalt.
Fabians Vater hatte sich im August 2025 nach mehrjähriger Beziehung von der Angeklagten getrennt. Diese Trennung habe sie als existenzbedrohend empfunden, auch weil sie finanziell von ihm abhängig gewesen sei, führte Schley aus. Sie habe mit dem Jungen einen Störfaktor in der Beziehung beseitigen – und den Vater zugleich bestrafen wollen.
«Fabian geriet zwischen die Fronten»
Fabians Mutter tritt als Nebenklägerin auf. Ihre Anwältin Christine Habetha fordert ebenfalls eine Verurteilung wegen Mordes und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. «Ich werde Fabian als Kind, als Mensch, darstellen, der zwischen die Fronten geraten ist – völlig schuldlos», sagte sie im Vorfeld.
Urteil am 10. November erwartet
Am Freitag plädiert die Verteidigung. Sie hat während des Verfahrens wiederholt Zweifel an der Beweisführung geäussert. Danach hat die Angeklagte das letzte Wort. Das Urteil soll nach dem Fahrplan des Gerichts am 10. November fallen – am 35. Verhandlungstag und exakt 13 Monate nach dem Tod des Jungen. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.
Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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