«Trump baut Fabriken, schafft Jobs und kümmert sich um uns»

US-Studenten
«Trump baut Fabriken, schafft Jobs und kümmert sich um uns»Am 3. November sind in den USA die Zwischenwahlen, die Midterms. 20 Minuten ist in den USA und hält euch im Ticker vor, während und nach der Wahlnacht auf dem Laufenden.
Darum gehts
- Die US-Midterms 2026 stehen an.
- Bei den Zwischenwahlen wählen die Amerikanerinnen und Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus und etwa einen Drittel des Senats neu.
- Entscheidend wird sein, ob die Republikaner oder die Demokraten danach die Mehrheiten in den beiden Kammern haben.
- Was denken die Amerikanerinnen und Amerikaner über die letzten knapp zwei Jahre unter Donald Trump? Welche Themen dominieren den Wahlkampf? 20 Minuten ist in den USA und findet es heraus.
Deine Meinung zählt
27.10.2026
Di 12:39
Vor zwei Jahren wählten sie Trump – und jetzt?
Beim Football-Spiel in Madison trifft 20-Minuten-Reporterin Carolin Teufelberger auch Eli, Calvin und Mark. Während viele andere am «Gameday» nichts von Politik wissen wollen, sehen die drei das anders.
Alle drei studieren hier, das eine oder andere Bier haben sie auch schon getrunken. Und ja, für Politik haben sie immer Zeit. «Eigentlich habe ich eher konservative Werte», erzählt Eli (21). Bei der letzten Präsidentschaftswahl habe er aber Kamala Harris gewählt.
Seine beiden Freunde schauen verdutzt. «Moment. Kamala?», schreien die beiden unisono. «Ja, ich habe für Kamala gestimmt», sagt Eli etwas eingeschüchtert. «Trump wurde mir zu extrem, er hat gar nicht mehr die traditionellen republikanischen Werte vertreten.» Calvin und Mark haben das offenbar nicht gewusst. Sie selbst haben ihr Kreuz bei Trump gemacht. «Dann sind wir wohl eine gespaltene Gruppe.»
«Er machte damit Wahlkampf, gegen Krieg zu sein. Jetzt sind wir im Krieg.»
Mit ihrer Stimme für Trump waren Calvin und Mark auf Wisconsins Campussen längst nicht allein. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 legte er dort deutlich zu. Selbst rund um die Universität in Madison, wo die Demokraten weiterhin klar dominieren, verdoppelte er seine Stimmenzahl gegenüber 2020. US-weite Nachwahlbefragungen deuten darauf hin, dass vor allem junge Männer zu diesem Rechtsruck beitrugen.
Eli aber bereue seine Wahl nicht, wenn er sich die ersten zwei Jahre von Trumps Amtszeit anschaue. Vor allem der Krieg mit Iran beschäftige ihn. «Er hat Wahlkampf damit gemacht, gegen Krieg zu sein. Und jetzt sind wir in einem.» Das treffe ihn nicht nur ideologisch, sondern auch finanziell. «Uns alle», kommt es aus der Runde. «Eigentlich die ganze Welt», stimmt Eli zu.
«Uns geht es viel besser, als wenn Kamala Harris im Amt wäre»
Trotzdem heisse das nicht, dass er bei den Midterms einfach wieder die Demokraten wählen werde. Für die Gouverneurswahl habe er sich zunächst David Crowley angeschaut. Dessen Werbung, dessen Website, die Positionen. «Eigentlich wollte ich für ihn stimmen. Bis zur Debatte.» Danach sei er sich nicht mehr sicher gewesen. Crowley habe unvorbereitet gewirkt, sein republikanischer Gegner Tom Tiffany allerdings auch. «Ich will keinen von beiden als Gouverneur.» Wenn er sich entscheiden müsste, dann inzwischen wohl eher Tiffany. Vielleicht gehe er aber auch gar nicht wählen.
Calvin dagegen hat keine Zweifel, wo seine politische Loyalität liegt. Der 22-Jährige hat Trump gewählt und findet das weiterhin richtig. «Viel besser, als wenn Kamala im Amt wäre», sagt er. Und legt nach: «Das Land würde wahrscheinlich gar nicht mehr existieren, wenn sie Präsidentin wäre. Das ist meine Meinung.»
«Trump kümmert sich um die amerikanische Bevölkerung»
Dass Trump einige seiner Versprechen nicht gehalten habe, sehe er schon. Trotzdem überwiege für ihn das Positive. Calvin erzählt von Fabriken, die gebaut würden, von einem Bergbauprojekt, von neuen Jobs für Amerikaner. Harris hätte das seiner Meinung nach alles ins Ausland verlagert, weil es dort billiger sei. «Trump dagegen kümmert sich um die amerikanische Bevölkerung.» Bei den Midterms werde er deshalb wieder republikanisch wählen. «Ich wähle keine Sozialisten und Kommunisten.»
Sein Kumpel Mark steht daneben und zieht einen anderen Schluss. «Ich werde wahrscheinlich gar nicht wählen», sagt der 21-Jährige. «Ich vertraue der Regierung nicht mehr.» Auch er habe Trump wegen dessen Versprechen gewählt. «Er hat gesagt, dass es mit ihm keine neuen Kriege geben würde. Ein Jahr später hat er einen mit dem Iran begonnen.»
Das sei nur eines von vielen leeren Versprechen, die ihm die Lust daran genommen hätten, seine Stimme abzugeben. «Was hat es gebracht, wählen zu gehen?» Dass Trump Präsident ist, halte er dennoch für das kleinere Übel. Harris hätte es seiner Meinung nach nicht besser gemacht, gerade wirtschaftlich.
Trumps Bilanz? «Ziemlich beschissen»
Ganz anders klingt es bei Quinn (20) ein paar Strassen weiter. «Ich wähle einfach demokratisch», sagt er. «Egal, welcher Demokrat antritt, ich wähle ihn.» Das habe er bereits vor ein paar Tagen beim «Early Voting» getan. Anders als Eli, Calvin und Mark lässt er an Trump kein gutes Haar. Seine Bilanz der vergangenen knapp zwei Jahre? «Ziemlich beschissen, wenn ich ehrlich bin.»
Quinn zählt auf, was ihn wütend macht: Abschiebungen, der Umgang mit Menschen in Abschiebehaft, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Er spricht schnell und flucht viel. Für ihn geht unter Trump so ziemlich alles in die falsche Richtung.
Ob er hoffe, dass sich die politische Stimmung nun verändere? «Wenn nicht, sind wir am Arsch», sagt er. «Ich weiss gar nicht, was ich sonst dazu sagen soll», sagt er schon halb auf dem Sprung. In wenigen Minuten beginnt das Spiel, er muss weiter ins Stadion. Für die nächsten Stunden hat Politik nun wirklich bei allen Sendepause. «Go Badgers!»
27.10.2026
Di 12:02
«They're eating the cats»: Herzlich willkommen in Springfield!
In den USA gibt es unzählige Springfields. Am bekanntesten ist das Springfield der Simpsons – obgleich unklar bleibt, in welchem Bundesstaat die gelben Comicfiguren wohnen sollen. Fast ebenso bekannt ist Springfield, Ohio. Die Kleinstadt machte 2024 international Schlagzeilen, als Donald Trump während des Wahlkampfs im nationalen TV behauptete: «They’re eating the cats, they’re eating the dogs.» Das war zwar nachweislich falsch, wie der Bürgermeister der Industriestadt, der republikanische Gouverneur von Ohio und auch die örtliche Polizei klarstellten.
Doch der Schaden war angerichtet: In den USA wird der Name der Kleinstadt bis heute mit diesem Gerücht verbunden. Die Verbreitung dieser Falschmeldung hatte erhebliche Folgen für die einstige Industriestadt: Bis heute kommt es zu rassistischen Anfeindungen gegen die dortige haitianische Community, Neonazis marschieren auf, öffentliche Einrichtungen mussten wegen Bombendrohungen aus Sicherheitsgründen vorübergehend schliessen.
Woher stammt das Gerücht ursprünglich?
Das Gerücht über die «Hunde und Katzen essenden Haitianer» geht zum einen auf den Post einer lokalen Anwohnerin zurück. Erika Lee hatte Informationen über das vermeintliche Verschwinden einer Katze aus dritter Hand ungeprüft auf Facebook geteilt. Später distanzierte sie sich öffentlich von dem Post, den sie mit Blick auf die Folgen zutiefst bereute. Gleichzeitig scheint das Gerücht auch Auftrieb durch einen Vorfall rund um eine Drogensüchtige erhalten zu haben. Die Frau aus der Region habe im Rausch eine Katze getötet und gegessen, so erzählen es heute Einwohner aus Springfield. Verifizieren lässt sich das nicht – aber die Frau soll Amerikanerin, nicht Haitianerin gewesen sein. Und der Vorfall hat sich wohl in Canton, rund 280 Kilometer von Springfield entfernt, ereignet.
27.10.2026
Di 11:51
Sollte ein Motel nehmen, das mehr als 64 Dollar die Nacht kostet
«Zu teuer, zu teuer, einigermassen im Budget, oh, nur 64 Dollar?» Dank meines ausgeprägten unternehmerischen Denkens bleibe ich auf der Suche nach einer Unterkunft natürlich am letzten Angebot hängen. Endlich mal ein vernünftiger Preis für ein Motel ohne jegliche Standards. Sonst kosten nämlich auch diese rund 150 Dollar die Nacht.
Ich schau mir kurz die Sternebewertung an, die auch nicht schlechter ist als bei anderen Unterkünften, in denen ich bereits nächtigte. Fünf Minuten später ist die Bleibe gebucht. Noch einmal sieben Stunden später fahre ich mit meinem Mietauto vor. Als Erstes sticht mir eine LED-Werbung ins Auge, die ein Jacuzzi anpreist.
Kurz stelle ich mir deswegen einen kleinen Spa-Bereich vor und freue mich. Aber weit gefehlt. Die einzige Unterhaltung, die mir hier geboten wird, spielt sich ab 19 Uhr unter meinem Fenster ab. Dort gibt es einen zweiten Eingang sowie einen lauschigen Sessel und eine an die Fassade gelehnte Matratze. Dieser Ort wird rege genutzt, um Drogen zu konsumieren oder zu verkaufen. Immer wieder fahren Autos vor, aus denen jemand aussteigt, von einer anderen Person in Empfang genommen und ins Haus begleitet wird.
Es folgt lautes Getrampel und fünf bis zehn Minuten später steigt Person 1 wieder ins Auto. So geht das die ganze Nacht, während immer mal wieder nicht identifizierbarer Rauch durch die Ritzen am Rande des einfach verglasten Fensters ziehen. Oder wie es User Shane in den Google-Rezensionen richtig sagt: «Wer hier übernachten will: viel Glück. Das ist einfach nur ein Drogenhotel für Dauergäste.»
27.10.2026
Di 11:38
Nebenverdienst am Football-Spiel
Es ist Samstagabend, ganz Madison ist in Rot-Weiss gekleidet. Es ist «Game Day»! Das ansässige College-Football-Team, die «Wisconsin Badgers», empfängt heute die Gäste aus Südkalifornien, die «USC Trojans». Während ich auf der Suche nach einem Parkplatz verzweifelt durch Quartierstrassen fahre, fallen mir immer wieder Leute mit selbstgebastelten «Parking»-Schildern auf.
Alex und Kelsey erklären mir die Tradition. «Während Spielen ist die Stadt voll, also lassen wir Anwohner Leute auf unseren Grundstücken parkieren.» 40 Dollar kostet dieser improvisierte Parkplatz heute. Die Preise seien aber dynamisch, je nach Wichtigkeit des Spiels oder Form des Teams, erklärt Kelsey. Für die beiden sei es ein netter Nebenverdienst, um das Haus zu renovieren – gerade in der aktuellen Wirtschaftslage. «Hier wohnen aber auch viele College-Studierende in WGs, die kaufen sich von den Einnahmen vor allem Bier», erklärt Alex und lacht. Dieses fliesst übrigens bereits den ganzen Tag in Strömen, wie sich unschwer in Gesprächen erkennen lässt: Die Aussprache ist unklar, der Gang wacklig, die Schreie dafür umso lauter. Wer fährt am Ende all diese parkierten Autos eigentlich wieder nach Hause?
27.10.2026
Di 11:18
Autofahren in den USA
USA ohne Auto? Kaum vorstellbar. Deshalb habe ich mir direkt bei der Ankunft am Flughafen Detroit einen grauen Ford Bronco geholt. Zwischen Interviews, Strassenumfragen und Schreiben am Laptop sitze ich also sehr oft im Fahrersitz.
Dort sinniere ich nicht nur über mein Leben und die bevorstehende Aufgabe, sondern nerve mich in regelmässigen Abständen über die hier geltenden Verkehrsregeln. Allen voran: rechts überholen. Ja, in der Schweiz würde ich mir teilweise wünschen, dass es möglich wäre, wenn mal wieder jemand auf der linken Spur dahinschleicht, ohne jegliches Gefühl für die Aussenwelt. Aber wenn es auf dem Highway plötzlich zur Regel wird, dass links und rechts Autos vorbeiziehen, muss man sich tatsächlich noch einmal ganz anders konzentrieren. Vor allem fehlt es dadurch komplett an irgendwelchen Faustregeln. Denn mal ist wie gewohnt die linke Spur die schnellste, mal aber plötzlich auch ganz rechts. Ausserdem sind die unzähligen Lastwagen schön über alle Spuren verteilt. It makes no sense!
27.10.2026
Di 11:16
Unsere Berichterstattung aus den USA
Die USA sind ein grosses Land und nicht überall werden die Rennen gleich spannend. Unsere Reporterinnen mussten sich deshalb erst überlegen, wo sie überhaupt hinfliegen und welche Geschichten sie vor Ort recherchieren wollen.
Für Ann Guenter ging es erst nach Ohio, genauer gesagt nach Springfield. In Ohio finden zwei grosse, national wichtige Rennen gleichzeitig statt. Der Bundesstaat galt lange als sogenannter Swing State, also als Staat, den keine der beiden grossen Parteien verlässlich für sich gewinnen kann. Zuletzt wurde Ohio aber deutlich republikanischer, Trump gewann den Staat 2024 deutlich. Im Senat versucht am 3. November der Republikaner Jon Husted seinen Sitz gegen den früheren demokratischen Senator Sherrod Brown zu verteidigen.
Gleichzeitig ist in Ohio auch das Gouverneursrennen spannend. Amtsinhaber Mike DeWine darf wegen der Amtszeitbegrenzung nicht noch einmal antreten. Republikaner Vivek Ramaswamy trifft auf die Demokratin Amy Acton, frühere Gesundheitsdirektorin des Bundesstaats. Für die Demokraten wäre ein Sieg bemerkenswert: Sie haben das Gouverneursamt in Ohio seit 2006 nicht gewonnen.
Von Ann darfst du in den nächsten Tagen eine Reportage aus Springfield, einen Bericht über eine Trump-Rally, Interviews mit Wählerinnen und Wählern, die ihre Stimme beim Early Voting schon abgegeben haben und vieles mehr erwarten!
Carolin Teufelberger flog derweil nach Michigan, genauer gesagt nach Detroit, Michigans grösste Stadt. Dort hat sie in Mexicantown mit der Hispanics-Community über steigende Preise, ICE-Razzien und die Wahlen gesprochen. Kurz darauf hat sie in Wisconsin «Girls with Guns» getroffen, also Frauen, die mehrheitlich Trump wählen und eine grosse Affinität zu Schusswaffen haben. Ebenfalls wirst du von Carolin in den kommenden Tagen zu lesen bekommen, wie es den Farmern in Michigan geht, die traditionell republikanisch wählen, jetzt aber Probleme haben, weil sie auf illegale Einwanderer angewiesen sind, und sie hat sich vor einem grossen Walmart umgehört, ob die steigenden Preise die Menschen belasten.
Schon bald treffen sich die beiden Reporterinnen in Texas wieder. Dort stösst dann auch noch Melissa Greiter dazu. Die drei Reporterinnen werden aus Texas über die Wahlnacht berichten.
27.10.2026
Di 10:45
Herzlich willkommen zum 20-Minuten-Ticker
Die US-Zwischenwahlen stehen an – und damit ein Stimmungsbarometer für die zweite Hälfte von Donald Trumps Amtszeit. Wer genau gewählt wird, wie die Wahl abläuft und wieso sie so wichtig ist, erklären wir dir hier. Und in dieser Analyse erklärt US-Experte Julien Labarre, wie er die Chancen für Demokraten und Republikaner einschätzt.
Wir wollen vor Ort derweil herausfinden, wie es den Amerikanerinnen und Amerikanern geht, was sie über ihren amtierenden Präsidenten Donald Trump denken, welche Themen ihnen unter den Nägeln brennen und wie sie am 3. November wählen werden. Dafür sind die 20-Minuten-Reporterinnen Carolin Teufelberger und Ann Guenter in die USA gereist. Hier im Ticker beliefern sie euch mit Insights von ihrer Reise, Stimmen aus den USA, Reportagen, Porträts und Hintergründen. Herzlich willkommen!
Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.
Ann Guenter (gux), arbeitet seit 2012 als Auslandsredaktorin für 20 Minuten. Seit August 2015 ist sie zudem Chefreporterin International.
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