«So korrupt»: Trump bezeichnet Brasilien-Wahl als manipuliert

- US-Präsident Donald Trump zweifelt den Wahlsieg des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva an.
- Es sehe nach einer «manipulierten Wahl» aus, sagt Trump. Beweise legt er nicht vor.
- Lula gewann die Stichwahl gegen Trumps Verbündeten Flávio Bolsonaro, was Analysten als Bremse für Washington sehen.
US-Präsident Donald Trump hat den Wahlsieg des linksgerichteten brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva angezweifelt. Es sehe nach einer «manipulierten Wahl» aus, sagte Trump am Montag nach der Niederlage seines Verbündeten, des rechtsgerichteten Politikers Flávio Bolsonaro. «Es wirkte so korrupt, so schrecklich», fügte Trump hinzu. Beweise für seine Behauptung legte er nicht vor.
Der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva konnte sich bei der Stichwahl am Sonntag gegen seinen Herausforderer aus dem rechten Lager, Flávio Bolsonaro, durchsetzen. Und das gilt laut Beobachtern auch als Signal an die USA.
Brasilien schloss sich «Shield of the Americas» nicht an
Für die Regierung von US-Präsident Donald Trump, die mit Strafzöllen, harten Sanktionen und militärischer Gewalt ihre Dominanz in der Region bekräftigt hat, ist Lulas Sieg laut Analysten eine Bremse. Er erschwert die Bemühungen Washingtons, Brasilien in die Militärkoalition gegen den Drogenhandel und Kartelle einzubinden – und ist ein Hindernis, um bevorzugten Zugang zu Bodenschätzen des Landes zu erhalten.
Anders als Länder in der Nachbarschaft hat sich Brasilien geweigert, sich dem «Shield of the Americas» anzuschliessen, einer von den USA geführten Militärkoalition zur Bekämpfung von Drogenkartellen. Als Washington im Mai die beiden grössten kriminellen Gruppierungen Brasiliens als terroristische Organisationen einstufte, warnte Lula, dass dies möglicherweise als Rechtfertigung für eine amerikanische Intervention dienen könnte. «Wir werden sie hier bei uns bekämpfen», erklärte er mit Blick auf die Banden.
Brasilien will Kontrolle über Bodenschätze behalten
Was die Bodenschätze seines Landes angeht, pocht Lula darauf, dass Brasilien die Kontrolle behält. Alarmiert durch wachsenden Einfluss der USA verabschiedete Lulas Regierung im Eiltempo ein Gesetz, das eine Verschärfung der Aufsicht über kritische Mineralien vorsieht.
Auch die wertvollen Niob-Vorkommen Brasiliens sind von grossem Interesse für die USA. «Brasilien hat Einfluss», erklärt Monica de Bolle von der Denkfabrik Peterson Institute for International Economics in Washington. «Mit Lula stehen die USA auf wackligerem Boden.»
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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