Altkanzler gratuliert in Moskau: Spitzenpolitiker nennen Schröders Putin-Besuch eine "Schande"

Altkanzler gratuliert in MoskauSpitzenpolitiker nennen Schröders Putin-Besuch eine "Schande"
09.10.2026, 04:37 Uhr
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Wladimir Putin feiert seinen Geburtstag mit Gerhard Schröder. Der Altkanzler erntet in seiner Heimat eine Welle der Empörung. Katrin Göring-Eckardt spricht von einem "Verrat an Europa", Marie-Agnes Strack-Zimmermann von "Deutschlands frechstem Rentner".
Altkanzler Gerhard Schröder steht nach seinem Besuch der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau massiv in der Kritik. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, bezeichneten den Besuch als "Schande". Nach Kreml-Angaben hatte Schröder am Mittwoch mit Putin dessen 74. Geburtstag gefeiert.
Der frühere SPD-Politiker Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.
Der Kreml hatte auf der Plattform Telegram mitgeteilt, Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren. "Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein", hieß es weiter. Gezeigt wurden auch Fotos, die zeigen, wie die beiden Männer lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.
Vor der Party hatte Schröder am Morgen eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in der russischen Hauptstadt besucht und eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens gehalten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.
Göring-Eckardt schrieb bei X zu Schröders Besuch bei Putin: "Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden." Die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder bei X als "Deutschlands frechsten Rentner" und fügte hinzu: "Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause [sic] bei Kriegsverbrecher Putin reichts [sic] dann doch noch. Eine Schande sondergleichen."
Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte bei X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und "eine frische Ladung Rubel". Er fügte hinzu: "Wunderheilung á la Rasputin bei Gerhard Schröder". 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.
Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, hatte Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein "Geburtstagsgeschenk für Putin".
Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung waren Putins Äußerungen aber auf deutliche Skepsis gestoßen. Der russische Präsident hatte die großangelegte Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 befohlen - und seine Kriegsziele bisher nicht erreicht.
Altkanzler Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre für russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb - die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz untersagte die Betriebsgenehmigung.
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