"Modernster Kampfjet": Wie zuverlässig ist der F-35?
Lockheed Martin übergibt das erste von 35 Kampfflugzeugen vom Typ F-35 an Deutschland. Der kaum vom Radar erkennbare Jet soll den Tornado ersetzen und kostet rund 200 Millionen Dollar pro Stück.
18.09.2026 | 2:07 minDas Lob, das Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Vorfeld des offiziellen Roll-Outs der ersten deutschen F-35 verbreitet, könnte größer kaum sein. Eine hohe "Tarneigenschaft", "leistungsfähige Sensorik", eine "enge Vernetzung mit anderen Systemen" sowie die Fähigkeit, ein "vollständiges Lagebild zusammenzufügen", schwärmt der Minister.
Damit bekomme Deutschland "eine entscheidende Schlüsselfähigkeit - für die Luftwaffe und das ganze Nato-Bündnis." Alles Attribute, die das neue Flugzeug auszeichnen sollen. 35 Jets soll die Bundeswehr bis 2029 bekommen - und so im Verbund mit anderen Nationen "zusammen stärker" machen.
Deutschland ordert 35 F-35-Jets in den USA. Dabei gehe es auch "um die Beziehung zu den USA", sagt ZDF-Korrespondent Mathis Feldhoff.
18.09.2026 | 3:30 minGesamtkosten von zehn Milliarden Euro
Diese Stärkung des Bündnisses mit einem neuen Kampfjet hat seinen Preis. Pro Flugzeug soll der Systempreis - also das Gesamtpaket aus Gerät, Ausbildung, Ersatzteilen und Wartung - über 200 Millionen Dollar liegen. So rechnen es die verantwortlichen Haushaltspolitiker im Bundestag vor. Genau festlegen will sich keiner.
Die Berechnung und Gewichtung der einzelnen Komponenten ist kompliziert. Und wie so oft bei Rüstungsprojekten wird die Gesamtrechnung am Ende präsentiert. Der Ausbau des Militärflughafens im rheinland-pfälzischen Büchel, der rund zwei Milliarden Euro kosten soll, ist da noch gar nicht enthalten.
Zusammengerechnet stehen so rund zehn Milliarden Euro bis Ende des Jahrzehnts im Raum. Doch Kosten spielen bei der Kritik an dem neuen Flugzeug, angesichts der Bedrohung durch Russland, nur eine untergeordnete Rolle. Und Geld ist dank des ersten Sondervermögens von 100 Milliarden Euro, das noch 2022 von der Ampelregierung beschlossen wurde, auch vorhanden.
Rüstet Deutschland für den Krieg von gestern? Ökonom Schularick wirft Pistorius eine falsche Strategie vor. Das Verteidigungsministerium hält dagegen: Alt und neu müssten zusammenwirken.
11.08.2026 | 2:30 minMacht Deutschland sich erpressbar?
Kopfzerbrechen bereitet den Experten allerdings die Zuverlässigkeit des Lieferanten. Und das bezieht sich gleichermaßen auf die US-Administration von Donald Trump wie auch den Rüstungskonzern Lockheed Martin. Ein Abkommen, das Boris Pistorius gemeinsam mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth in diesen Tagen unterschrieben hat, soll gerade bei Rüstungskooperationen verhindern, dass die US-Regierung eines Tages auf die Idee kommt, eine missliebige Nation in Europa etwa von Daten abzuschneiden.
Josef Braml, Analytiker und Amerikaner-Kenner, warnt allerdings davor, sich zu sehr auf amerikanische Technologie einzulassen. "Nicht nur bei der F-35, sondern auch bei Clouds, bei KI und vielem anderen", so Braml, müsse man "damit rechnen, dass man erpressbar ist". Pistorius neigt dagegen der These zu, dass immer mehr Rüstungskooperationen nicht zu mehr Abhängigkeit führen. Wer Deals miteinander mache, so der Gedankengang des deutschen Verteidigungsministers, könne nicht riskieren, den anderen zu betrügen.
Pistorius hat in den USA seinen Amtskollegen Pete Hegseth getroffen. Dieser lobte, Deutschland gehe bei Themen wie Militärausgaben und Stärkung der NATO mit gutem Beispiel voran.
16.09.2026 | 1:24 minKeine Ersatzteile und Korrosionsschäden
Noch viel größere Probleme könnte allerdings die reale Zuverlässigkeit des Flugzeuges bereiten. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet, dass die tatsächliche Einsatzbereitschaft der F-35 bei den US-Streitkräften bei nur 28 Prozent liegt. Und die Fachzeitschrift "FlugRevue" berichtete schon im Juni davon, dass Lockheed Martin nicht in der Lage sei, ausreichend Ersatzteile zur Verfügung zu stellen. Außerdem leide die F-35 unter "weit verbreiteten Korrosionsschäden".
Das Magazin zitiert den Instandhaltungsbericht des US-Rechnungshofes GAO. Von den rund 800 F-35 seien im "vergangenen Jahr nur 192 vollumfänglich dienstfähig", zitiert "FlugRevue" aus dem Bericht und schlussfolgert, dass das schnelle Wachstum des F-35 Projektes zu Lasten der Wartung gehe.
Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft wirft Verteidigungsminister Pistorius falsche Investitionen vor. Sein Ministerium investiere zu sehr in alte Kriegstechnik und zu wenig in neue.
10.08.2026 | 1:46 minDem hat Deutschland vorgebaut und zu höheren Kosten die Wartung gleich mit eingekauft. Ob das allerdings fehlende Ersatzteile einschließt, ist heute nicht zu beurteilen. Nicht auszudenken, sollten die neuen Vorzeige-Stücke der Luftwaffe schon anfangen zu rosten, bevor sie das erste Mal aus dem Hangar gerollt sind.
Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
Über das Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem am 18.09.2026 im gemeinsamen Morgenmagazin von ZDF und ARD ab 05:30 Uhr.
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