Bau von KI-Rechenzentren kommt in den USA ins Stocken
Für die wirtschaftliche Zukunft der USA wird so viel in Künstliche Intelligenz investiert wie bei keiner anderen neuen Infrastruktur zuvor. Doch die Goldgräberstimmung ist vorbei, denn aus einer Vielzahl von Gründen kommt vor allem der Bau und Ausbau von KI-Rechenzentren nicht so schnell voran, wie sich die Unternehmen das wünschen.
Dies berichtet die Financial Times unter Berufung auf historische Daten, aktuelle Auswertungen von Analysen sowie aktuelle Finanzdaten. Dass KI ein enorm vorangetriebener Boom ist, steht dabei außer Frage. Einer Statistik der Columbia Business School zufolge wurde noch nie ein so großer Anteil des Bruttoinlandsprodukts in eine neue Infrastruktur gesteckt, wie bei KI.
Der voraussichtliche Anteil von 3,6 Prozent ist höher, als in den Hochzeiten des Eisenbahn- oder Straßenbaus zusammen. Ersteres machte Ende des 19. Jahrhunderts 2,2 Prozent, Letzteres Mitte des 20. Jahrhunderts 1,1 Prozent aus. Selbst für die rasante Erschließung des Internets für alle in den wenigen Jahren von 1996 bis 2003 wurden nur 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts investiert. Wer diesen Boom, der auch zur sogenannten „Dotcom-Blase“ führte – die 2000 dann geplatzt ist – also als bisher größten Technologiehype begreift, liegt um Faktor drei unter dem, was derzeit in KI gesteckt wird.
47 Bauvorhaben laufen nicht wie geplant
Das Geld dafür fließt aber im vierten Jahr nach der breiten Vorstellung von ChatGPT nicht mehr so schnell, und die Möglichkeiten für neue Rechenzentren ergeben sich nicht mehr so selbstverständlich. Laut Daten des Dienstleisters RegLayer, welche die Financial Times zitiert, sind 47 große Bauvorhaben in den USA im Jahr 2026 entweder verzögert, gestrichen oder blockiert worden. RegLayer ist eine Art „Compliance-Dienstleister“, der Investoren und Unternehmen dabei berät, Projekte im Rahmen der Regulierungen umzusetzen.
Rechtliche Vorgaben für solche Projekte gibt es nicht nur auf der Ebene der US-Regierung oder der Bundesstaaten. Auch einzelne Kommunen können in den USA recht weitreichende Regeln aufstellen. Laut Eigenrecherchen der Financial Times ist das für KI-Infrastruktur bei über 1000 US-Gemeinden schon geschehen. Auch Moratorien, also einen vorläufigen Stopp, soll es dabei geben.
Neoclouds geraten ins Wanken
Im Zentrum stehen die sogenannten Neocloud-Anbieter, die sich um den Bau und Betrieb von Rechenzentren kümmern, ohne sie selbst groß zu nutzen. Firmen wie Anthropic oder OpenAI mieten dann dort Rechenkapazität. Doch dafür reichen die Umsätze noch nicht in dem Maße aus, wie die Anlagen gebaut werden. Erst Anfang dieser Woche rechneten die Marktforscher von Gartner vor, dass die Neoclouds für ihre Bauvorhaben bis 2030 Umsätze von 8,5 Billionen erzielen müssten, aber Umsätze der eigentlichen KI-Anbieter bis dahin höchstens 3,6 Billionen erzielen könnten.
Die Financial Times wiederum zitiert in ihrem aktuellen Bericht als prominentes Beispiel für einen Neocloud-Anbieter das Unternehmen Nscale, an dem Nvidia maßgeblich beteiligt ist. Das Unternehmen soll bis August 2026 nur 25.000 von geplanten 500.000 KI-Chips online gehabt haben. Die Hoffnung ist, wie bei vielen KI-Anbietern, auch für Nscale ein Börsengang: Mit einer Bewertung von 35 Milliarden US-Dollar rechnet das Unternehmen. Mit OpenAI hat bereits das Schwergewicht der Branche seinen eigentlich für 2026 vorgesehenen Börsengang verschoben.
Das Geld fließt nicht mehr so schnell
Auch bei bereits börsennotierten Neoclouds kommen bei den Investoren offenbar inzwischen Zweifel auf, ob der Boom wie in den letzten Jahren aufrechterhalten werden kann. So verlor die Aktie von CoreWeave in dieser Woche rund 25 Prozent an Wert. Als Gründe nennt die Financial Times höhere Zinskosten und Sorgen um die weiter steigende Inflation in den USA.
Wie die Zukunft von KI-Rechenzentren in Deutschland aussehen wird, kann sich in der kommenden Woche etwas klarer gestalten. Am Montag und Dienstag lädt die Bundesregierung die führenden Unternehmen zu einem KI-Investitionsgipfel nach Berlin. Dort will sich auch Nvidia-CEO Jensen Huang mit Bundeskanzler Friedrich Merz treffen. Im Vorfeld hat Huang Deutschland erst einmal deutlich kritisiert, wie CNBC berichtet. In einer Runde von Journalisten soll Huang in Bezug auf Deutschland gesagt haben: „Ehrlich gesagt schmerzt mich nichts so sehr, wie mitanzusehen, wie eines der technologisch fortschrittlichsten Länder technologisch so weit zurückfällt.“ Es scheint, als erwarte die KI-Branche beim Gipfel in Berlin, dass der Staat in sie investiert – und nicht umgekehrt.
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