DFB-Team: Klopp belebt Nationalelf
Richtig zufrieden wirkte der neue Bundestrainer nicht. Als der Schiedsrichter das Spiel der DFB-Elf gegen die Niederlande abgepfiffen hatte, hielt Jürgen Klopp kurz inne und gab dann zunächst seinem Trainerkollegen Xavi die Hand. Danach machte er sich auf den Weg zu seinen Spielern, umarmte die einen und klatsche mit den anderen ab.
"Ich hätte super gerne gewonnen, aber ich kann mit dem Punkt auch leben", sagte Klopp nach dem 1:1 (1:0) zum Auftakt der Nations League in Amsterdam.
87 Tage nach dem bitteren Ausscheiden gegen Paraguay bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko traf Felix Nmecha zur Führung (32. Minute) ehe Cody Gakpo (90.+2) in einem wilden Fußballspiel mit seinem Tor für Oranje einen Traumstart für Klopp noch verhinderte.
"Wir müssen die Eindrücke, die Informationen, die wir kriegen, nehmen. Und die Ergebnisse müssen wir auch akzeptieren." Gemeinsam mit seinem Team bedankte sich der 59-Jährige bei den angereisten Fans und verschwand danach in den Katakomben der Amsterdamer Arena.
Klopps einzigartiger Fußball
Es war ein gutes Debüt für den neuen Bundestrainer, von dem sich nicht gerade wenige Anhänger des deutschen Fußballs nach der kurzen Ära unter Julian Nagelsmann einen Aufschwung erhoffen.
"Sein Fußball ist einzigartig meiner Meinung nach. Es ist ein bisschen chaotisch, aber trotzdem organisiert", sagte ein DFB-Fan vor dem Spiel und wurde von einem anderen ergänzt: "Jürgen Klopp ist ein super charismatischer Typ. Er kann die Spieler super motivieren."
Die Vorfreude bei den Fans, aber auch bei Klopp selbst war in den vergangenen Tagen stetig gestiegen. "Ich gehe für die Jungs durchs Feuer", hatte der Bundestrainer vor dem Prestige-Duell mit den Niederlanden gesagt und ergänzt: "Wenn die Jungs alles geben, bin ich für die Niederlagen verantwortlich, ohne Wenn und Aber. Die Jungs müssen das nur unter Wettkampf-Bedingungen zeigen."
Philipp Treu: "Müssen mit Stolz spielen"
Das Unentschieden zum Auftakt der neuen Nations-League-Saison habe sich "meistens gut" angefühlt, meinte Klopp dann nach seiner Premiere beim Fernsehsender RTL mit etwas heiserer Stimme.
"Das war heute wirklich anstrengend für beide Mannschaften." Jeder habe alles reingehauen, freute sich Debütant Philipp Treu vom SC Freiburg. "Das muss jetzt auch die nächsten Wochen Auftrieb geben. Wir müssen dem Land alles geben und mit Stolz spielen, das haben wir heute versucht", so der Defensivspieler.

Der berühmte "Heavy-Metal-Fußball", wie die Art und Weise des von Klopp bevorzugten Spielstils in der Vergangenheit oft genannt wurde, war an diesem Abend in Amsterdam immer mal wieder zu sehen.
"Es ist eine lange Liste mit Dingen, die geklappt haben", lobte Klopp. Er sei "mit vielen Einzelleistungen sehr zufrieden, mit der Leidenschaft auch. Aber wir können besser Fußball spielen, ganz bestimmt."
Rudi Völler: "Die Aufbruchstimmung ist da"
Der Bundestrainer selbst hatte in seiner Coachingzone alles gegeben und seine Spieler auf dem Platz immer wieder motiviert. Der 59-Jährige gestikulierte, feuerte an und nahm sich bei kurzen Unterbrechungen immer wieder Zeit für kurze, persönliche Anweisungen.
Vor allem Marc-André ter Stegen bekam während der ersten Halbzeit mehr Unterstützung von Klopp als ihm lieb gewesen sein dürfte. Der Nationaltorwart wirkte in einigen Szenen unsicher, so dass der erste lange Ball aus dem eigenen Strafraum immer mal wieder direkt beim Gegner landete.
Klopp reagierte und pushte seine Nummer eins, weiter an sich zu glauben. In der Folge zeigte ter Stegen dann aber warum er momentan zu Recht im Tor der Nationalelf steht und entschärfte viele Angriffe der Niederländer sehenswert.

Klopp wurde seiner Rolle des großen Kommunikators und Motivators auf und neben dem Platz bisher gerecht. "Er ist sehr klar in dem, was er möchte", sagte Kapitän Joshua Kimmich. In seiner Ansprache sei Klopp sehr fordernd, gebe aber auf der anderen Seite auch sehr viel Vertrauen.
Die ersten Effekte des neuen Trainerteams um Klopp haben sich beim Spiel gegen die Niederlande bereits gezeigt und belegt, dass die Spieler für ihren Trainer durchs Feuer gehen - und der Bundestrainer das eben auch für seine Spieler macht.
"Die Aufbruchstimmung ist da, seit vielen Wochen", berichtete DFB-Sportchef Rudi Völler. "Man konnte sehen, auch im Training, mit welcher Euphorie Jürgen agiert. Wir sind alle froh, dass er die Nationalmannschaft übernommen hat."
Klopp ist dabei eine gute Basis aufzubauen und bisher - so scheint es - geht die Entwicklung in die richtige Richtung.
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