Schüler-Proteste in Frankreich: Neuer Höhepunkt erwartet
Frankreich steht an diesem Dienstag ein neuer Höhepunkt der landesweiten und teils gewalttätigen Schülerproteste bevor. Im Zuge der seit einer Woche andauernden Proteste für eine bessere Ausstattung der Schulen und bessere Lernbedingungen ist ein frankreichweiter Aktionstag geplant. Schülervertreter haben zu Kundgebungen und Protesten im ganzen Land aufgerufen.
In Paris ist um 14 Uhr eine Demonstration auf dem Place de la République geplant. Alleine im Großraum Paris sollen am Dienstag 200 Gymnasien vorsorglich geschlossen bleiben.
Es begann als Protest für bessere Lernbedingungen an Schulen, führt aber mittlerweile teils zu massiver Gewalt. Frankreichs Regierung lädt zum Dialog – und droht zugleich mit Konsequenzen.
02.10.2026 | 2:34 minAuch in anderen Großstädten wie Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Straßburg soll es Versammlungen geben. Unterstützung kommt von mehreren großen Bildungsgewerkschaften, die zur Beteiligung an den Aktionen und teils auch zum Streik aufrufen. Damit könnte der Protest über die Schülerbewegung hinaus an Breite gewinnen.
984 Festnahmen und 65 verletzte Polizisten allein am Montag
Zwar rief Premierminister Sébastien Lecornu die Ministerien am Sonntagabend auf, konkrete Verbesserungen an den Schulen des Landes einzuleiten und den berechtigten Sorgen der Schüler Gehör zu geben. Dennoch gab es am Montag erneute Proteste an 589 Schulen und dabei 984 Festnahmen. 65 Polizeibeamte wurden verletzt.
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Seit Beginn der Proteste vor einer Woche wurden nach Angaben des Justizministeriums 5.060 Menschen festgenommen, 87 Prozent davon Minderjährige. Gegen 1.802 Betroffene seien Ermittlungen eingeleitet worden. Die bei Ausschreitungen entstandenen Schäden an Schulgebäuden und im öffentlichen Raum bezifferte Justizminister Gérald Darmanin auf mehrere Millionen Euro.
Durch Frankreichs Verschuldung sei eine finanzielle Lösung bei den Schulprotesten schwierig. Besonders die "politischen Ränder mobilisieren", so ZDF-Korrespondent Thomas Walde.
02.10.2026 | 1:55 min15-Jähriger verliert Hand durch Polizeigranate
Für Erschütterung sorgte der Fall eines 15-jährigen Gymnasiasten, dem im nordfranzösischen Lens durch eine von der Polizei abgefeuerte Granate eine Hand abgerissen wurde. Beamte hatten das Geschoss in eine Gruppe demonstrierender Schüler abgefeuert. Die Generalinspektion der Polizei ermittelt gegen die eingesetzte Bereitschaftspolizei.
Der Fall könnte den von teils drastischen Gewaltszenen geprägten Protest weiter anheizen. Nach vorherigen Fällen von mutmaßlicher Polizeigewalt steht der Einsatz der Beamten gegen die jungen Menschen zunehmend in der Kritik.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei gegenüber den Schülern. Es handele sich um Kinder, die geschützt und nicht von den Ordnungshütern angegriffen werden müssten.
Frankreich sei sehr hoch verschuldet, es gebe einen Verteilungskampf, erklärt ZDF-Korrespondent Thomas Walde. Die Regierung gebe mehr Geld für ihre Schulden aus als für den Bildungsetat.
02.10.2026 | 13:15 minBrandstiftungen und Angriffe mit Molotowcocktails
In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu schwerer Gewalt bei den Protesten: Lehrer wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand gesetzt. Es gab viele Verletzte und Schäden. Am Montag etwa wurde versucht, ein Gymnasium in Paris in Flammen zu setzen. Auch die Polizeipräfektur im ostfranzösischen Nancy meldete Brandstiftungen sowie Angriffe mit Feuerwerkskörpern und Molotowcocktails.
Präsidentschaftswahlen in sieben Monaten
Die massiven Proteste treffen Frankreich sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl recht unvorbereitet. Die Regierung, die eigentlich gerade mit einem Sparhaushalt ringt, will nun einen Flächenbrand mit einer Ausdehnung der Proteste auf andere Bereiche wie etwa die Hochschulen verhindern.
Der Anführer von Frankreichs Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, sprach von Machtmissbrauch durch die Polizei. Die Zahl der Festnahmen sei bereits höher als während der Studentenrevolte im Mai 1968, meinte er.
Die Schulproteste seien klar von denen linksextremer Gruppen zu trennen, sagt Politikwissenschaftler Ross. Auch sozial schwache, gewaltbereite Jugendliche mischten sich unter die Demonstranten.
02.10.2026 | 12:09 minQuelle: dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, zuletzt im heute journal am 02.10.2026 um 22 Uhr.
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