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Tuesday, October 6, 2026

Xena (24): «Sie trauen mir als Frau den Chefposten nicht zu»

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  • Als junge Chefin muss Xena Kaiser (24) ständig beweisen, dass sie die Führung innehat – nicht der Mann neben ihr.
  • Sie ist Geschäftsleitungsmitglied im Familienbetrieb Kaiser Facility Services GmbH in Wallisellen.
  • Besonders in Erinnerung bleibt ihr ein Satz einer Kundin: «Seien Sie doch ruhig und lassen Sie den Mann reden.»

«Wenn ich zu einem Termin komme, wird oft zuerst der männliche Mitarbeiter neben mir angesprochen», erzählt Xena Kaiser. «Obwohl ich die Chefin bin.» Mit 24 Jahren ist sie bereits Mitglied der Geschäftsleitung des Familienunternehmens Kaiser Facility Services GmbH und führt mit ihrer Schwester rund 20 Mitarbeitende. Im Gespräch mit 20 Minuten sitzt die Zürcherin im blauen Blazer an ihrem Bürotisch, die Haare zurückgebunden, der Lippenstift sitzt. Daneben: eine pinke Maus und Hello-Kitty-Figuren.

Dass eine junge Frau die Chefin ist, scheint in der männerdominierten Facility-Branche nicht für alle selbstverständlich. Vorurteile wegen ihres Alters und Geschlechts begegnen ihr immer wieder. Besonders eine Situation ist ihr geblieben: «Eine Kundin sagte zu mir: Seien Sie doch ruhig und lassen Sie den Mann reden.»

Immer wieder klingelt während des Gesprächs ihr Telefon: Xena nimmt ab, klärt etwas mit einem Mitarbeiter und setzt das Gespräch fort. Multitasking gehört zu ihrem Alltag.

Immer wieder klingelt während des Gesprächs ihr Telefon: Xena nimmt ab, klärt etwas mit einem Mitarbeiter und setzt das Gespräch fort. Multitasking gehört zu ihrem Alltag.20min/Martine Anastasiou

Eigentlich hatte sie einen anderen Traum

Dass Xena einmal hier landen würde, war nicht geplant. Mit 19 schloss sie ihre Lehre als Polygraphin ab. Sie liebte den Beruf, nahm an den SwissSkills teil und war die Beste ihres Kantons. «Als Kind hatte ich aber andere Träume: Ich wollte Schauspielerin oder Reporterin werden», sagt sie. Sie sei «sehr kommunikativ» und spreche gerne.

Später hätte sie sich vorstellen können, selbst ein Unternehmen aufzubauen. «Vielleicht eine Elektrobude. Ich finde technische Sachen spannend.» Stattdessen stieg sie in ihren Familienbetrieb ein. Ihre älteren Schwestern hatten damals kein Interesse daran. «Ich dachte: Jemand muss es machen.» Mittlerweile arbeitet auch ihre ältere Schwester im Betrieb.

«Wenn das nochmals passiert, kannst du abhauen»

Der Einstieg sei härter als erwartet gewesen. «Ich hatte kaum Kundenkontakt und musste plötzlich mit Mitarbeitenden, Auftraggebern und Handwerkern dealen. Ich war noch ein junges Mädchen.» Bereits im ersten Monat kam die erste grössere Konfrontation. Bei einer Baureinigung an der Goldküste gelangte Wasser ins Gebäude. Der Eigentümer schrie sie an: «Wenn das nochmals passiert, kannst du abhauen.»

«Ich werde immer wieder gefragt: Kommt denn der Herr Kaiser nicht?»

Xena Kaiser (24), Mitglied der Geschäftsleitung von Kaiser Facility Services GmbH

Fünf Jahre später erinnert sie sich noch genau daran. «Das fährt einem ein. Das werde ich nie vergessen.» Damals habe sie selbst vor Kundentelefonaten Respekt gehabt. Heute würde sie ihrem 19-jährigen Ich sagen: «Keine Angst vor Konfrontationen. Meistens ist es halb so schlimm.»

Die Tochter der Chefin – der einfachere Weg nach oben?

Xena weiss, dass sie einen entscheidenden Vorteil hatte: Die Firma gehört ihrer Mutter. «Ich weiss, dass ich privilegiert bin.» Ohne diese Ausgangslage wäre ihr Weg «zehnfach schwieriger» gewesen.

Ein Selbstläufer sei es trotzdem nicht gewesen. Noch kein Jahr war sie im Betrieb, als ihre Mutter ihr für eine Woche die Verantwortung überliess. Xena war danach überzeugt, ihre Sache gut gemacht zu haben – und erntete heftige Kritik. «Es fühlte sich an, als sei ich eine Enttäuschung.» Kritik vom Chef sei das eine. «Aber Kritik von deinem Mami, das ist etwas anderes.» Geschäft und Familie zu trennen, musste sie erst lernen. Seit sie nicht mehr zu Hause wohnt, falle ihr das leichter.

Wenn zuerst der Mann gefragt wird

Heute geht Xena noch immer selbst reinigen, macht Hauswartungen und Qualitätskontrollen und bildet sich zur Leiterin Facility Management und Maintenance weiter. Trotzdem werde sie unterschätzt. «Ich werde immer wieder gefragt: ‹Kommt denn der Herr Kaiser nicht?›» Im Geschäftsleben trete sie deshalb bewusst professionell und selbstbewusst auf. «Wäre ich ein Mann, wäre der Umgang anders.»

«Ausraster kann ich mir nicht leisten»

Wie schnell Durchsetzungsvermögen bei Frauen anders ausgelegt wird, kennt sie von ihrer Mutter. Diese gründete die Firma vor über 20 Jahren, Xena kam damals noch im Maxi-Cosi mit zur Arbeit.

Dabei unterscheidet sie sich von ihrer Mutter. «Sie ist laut, emotional und willensstark. Ich bin eher pragmatisch und diplomatisch.» Das kommt nicht von ungefähr. Xena hat erlebt, wie die Durchsetzungsstärke ihrer Mutter schnell als «crazy» abgestempelt wird: «Wenn ein Mann auf den Tisch haut, wird er ernst genommen. Bei einer Frau heisst es schneller: Die hat nicht alle Tassen im Schrank.» Sie selbst versucht deshalb, auch in Konflikten ruhig und professionell zu bleiben. «Ausraster kann ich mir nicht leisten.»

Was passt für dich am besten zu einer Chefin oder einem Chef?

Gegen Ende des Gesprächs klingelt ihr Geschäftstelefon noch einmal. Kurz darauf ist sie wieder beim Thema, über das sie eigentlich sprechen wollte: jungen Frauen Mut zu machen, sich solche Positionen zuzutrauen. Ihr Rat: «Keine Angst haben, nicht zu viele Gedanken machen, einfach machen.» 

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Martine Anastasiou

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.

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