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Monday, October 5, 2026

«Skandal»: SBB schiessen Tauben im Bahnhof und lassen sie liegen

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  • In Basel verfangen sich Tauben beim Bahnhof in einem Netz.
  • Darauf wurden die Tiere geschossen.
  • Taubenschützer sind darüber entsetzt.
  • Die SBB bedauern den Vorfall, verweisen aber auf Hygiene- und Sicherheitsrisiken als Grund für die Regulierung.
  • Zudem sei der Vorgang unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben erfolgt.

«Ich war schockiert und konnte es fast nicht glauben», sagt eine 33-jährige Aargauerin zu 20 Minuten. Der Anblick der Bilder sei verstörend gewesen.

In einem Gruppenchat wurden kürzlich Fotos geteilt, auf denen mehrere leblose Tauben in einem Netz über dem Gleis am SBB-Bahnhof Basel zu sehen sind. Am Boden darunter befinden sich rote Spuren: vermutlich Blutspritzer. Ausserdem liegen Hülsen von einer Schusswaffe am Boden.

«Dass die toten Tiere einfach im Netz liegen bleiben und darunter alles voller Blutspuren ist, finde ich schlimm», sagt sie. Sorgen macht ihr auch, dass Reisende und Kinder mit der Szene konfrontiert werden könnten.

News-Scout

Verein Stadttauben kritisiert Netze

Inzwischen hat sich der Verein Stadttauben Basel eingeschaltet. Präsidentin Karin Lanz (63) sagt, der Verein habe mehrere Meldungen zu den toten Tieren erhalten.

Auslöser sei ein Vorfall von vor rund einer Woche gewesen. Damals hatte eine Person eine lebende Taube entdeckt, die sich in einem der Netze verfangen hatte. Weil eine Befreiung am Gleis zu gefährlich gewesen sei, habe die Person die Feuerwehr verständigt. «Die Feuerwehr hat daraufhin den Wildhüter aufgeboten», sagt Lanz. Die Tierschützerin vermutet, dass dieser anschliessend diese und weitere Tauben getötet hat. Der Kanton Basel-Stadt bestätigt die Meldung an die Feuerwehr und die Kontaktaufnahme mit dem Wildhüter. Darauf seien die SBB informiert und beauftragt worden, sich darum zu kümmern.

Lanz kritisiert die Netze unter dem Bahnhofsdach. Immer wieder könnten sich Tauben darin verfangen und qualvoll verenden. «Die Tiere verhungern in diesen Netzen», sagt sie.

Traumatisierender Anblick

Deshalb sei der Feuerwehr gemeldet worden, als sich eine Taube hinter dem Netz befand. Doch statt die gefangenen Vögel zu retten, würden sie getötet, kritisiert die Vereinspräsidentin. «Das ist ein Skandal. Menschen wollen den Tauben helfen und werden von den Behörden im Stich gelassen.» Für Personen, die am Bahnhof mit den Kadavern, dem Blut und den mutmasslichen Hülsen konfrontiert würden, sei der Anblick traumatisierend. Besonders belastend sei die Situation für Kinder.

Anzeige geht raus

Ob die Netze tatsächlich widerrechtlich angebracht wurden und ob ein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz vorliegt, müssen die zuständigen Behörden klären. Der Verein hat nach eigenen Angaben bereits eine Meldung beim Veterinäramt eingereicht. Zudem bereitet er eine Strafanzeige vor.

Der 2022 gegründete Verein Stadttauben Basel fordert von der SBB seit Längerem einen betreuten Taubenschlag. Damit könnten die Tiere laut Lanz von den Gleisen weggelockt, kontrolliert gefüttert und ihre Eier durch Attrappen ersetzt werden.

Verein fühlt sich ignoriert

«Wir verstehen nicht, weshalb die SBB keinen Taubenschlag einrichtet», sagt Lanz. Eine solche Einrichtung sei langfristig günstiger und tierfreundlicher als Vergrämungsmassnahmen. In Bern und Winterthur würden bereits Taubenschläge betrieben. Dort funktioniere der Umgang mit den Tieren besser.

Der Verein habe der SBB seine Unterstützung angeboten und bereits Gespräche mit dem Unternehmen geführt. Dabei sei auch eine Taskforce angekündigt worden. Geschehen sei seither aber nichts, kritisiert Lanz: «Wir sind ein taubenkundiger Verein und könnten praktische Lösungen anbieten. Trotzdem werden wir ignoriert.»

SBB bedauern Situation

Für die SBB sind Taubenschläge in einem offenen Bahnhof mitten in der Stadt kein taugliches Mittel zur Bestandesreduktion, wie es auf Anfrage heisst. Die SBB bedauern den Vorfall Ende September mit den toten Tauben im Netz. «Wir verstehen, wenn die Bilder Reaktionen ausgelöst haben – die gezeigte Situation entspricht nicht vollumfänglich unserem Anspruch», teilt Mediensprecher Reto Schärli mit. «Wir bedauern, dass diese Eindrücke entstanden sind.»

Dass es so weit kam, hat mit den Gegebenheiten und Sicherheitsvorgaben zu tun. Die Netze an der Decke sind schwer zugänglich und in der Nähe von Fahrleitungen sind spezielle Massnahmen nötig. Nach der Regulationsmassnahme konnten einzelne Tiere nicht unmittelbar geborgen werden.

Regulation wegen Hygiene- und Gesundheitsrisiken

Dass Taubenbestände an Bahnhöfen überhaupt reguliert werden, habe laut SBB damit zu tun, dass Taubenkot und Nistmaterial zu Hygiene- und Gesundheitsrisiken führen, technische Anlagen beeinträchtigen und Schäden an der Infrastruktur verursachen. Dabei verfolge die SBB keine vollständige Vertreibung der Tauben, sondern einen Bestand, der mit Hygiene, Sicherheit und Bahnbetrieb vereinbar ist.

Dabei setzen die Bundesbahnen in erster Linie auf bauliche Lösungen, Reinigung und die Reduktion von Nahrungsquellen. «Eine gezielte Bestandsregulation kommt nur als letzte Massnahme infrage, wenn diese Vorkehrungen nicht ausreichen», so Schärli. «Solche Einsätze erfolgen unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und der erforderlichen kantonalen Bewilligungen.» Das sei auch bei der Regulation in Basel der Fall gewesen.

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Jeremias Büchel (jeb) arbeitet seit 2015 im Ressort Ostschweiz in St. Gallen und ist seit 2026 als Korrespondent tätig.

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