Durchbruch beim Wohnungsbau? – Einfacher bauen in der ganzen Schweiz

Durchbruch beim Wohnungsbau? Einfacher bauen in der ganzen Schweiz
Der Bundesrat lockert den Ortsbildschutz und erleichtert damit Bauprojekte in der ganzen Schweiz. Besonders gross sind die Auswirkungen in der Stadt Zürich.
Das Bundesinventar schützenswerter Ortsbilder (ISOS) umfasst rund 1200 Ortsbilder, von Zürich und Basel bis zu kleinen Dörfern. In den letzten Jahren geriet das Inventar zunehmend in die Kritik: Weil sich daraus Auflagen ableiten lassen, wurden Bauprojekte verzögert oder blockiert.
Besonders spürbar ist das in der Stadt Zürich: Drei Viertel der Fläche gehören zum ISOS-Inventar und der Grossteil der Stadt steht auf Grundwasser.
Rund 4000 Neubauwohnungen in der Stadt Zürich blockiert
Prominentestes Beispiel ist die Genossenschaftssiedlung Dreispitz in Zürich-Schwamendingen. Dort plant die ASIG rund 1000 Wohnungen. Streitigkeiten um Schutzvorgaben, Solaranlagen und Zivilschutzbauten verzögerten das Projekt um bis zu zwei Jahre.
«Langjährige Planungen wurden blockiert», sagt Martin Schneider vom Zürcher Amt für Städtebau. Nicht nur die Dreispitz-Siedlung sei betroffen gewesen. Insgesamt geht die Stadt davon aus, dass Projekte mit rund 4000 Wohnungen durch die Unsicherheiten rund um das ISOS gebremst wurden.
Dank Rundem Tisch soll es jetzt vorwärtsgehen
2024 wandte sich die Stadt Zürich an den Bund und beklagte eine zu grosse Planungs- und Rechtsunsicherheit. Daraufhin brachte das Bundesamt für Kultur die Beteiligten an einen Runden Tisch und fand eine Lösung.
Künftig soll das ISOS nur noch dort direkt angewendet werden, wo ein Vorhaben tatsächlich Auswirkungen auf das Ortsbild hat. Für Solaranlagen auf Neubauten gelten zudem vereinfachte Regeln. Das soll Bauprojekte beschleunigen.
Durchbruch – oder nicht?
Für das Bundesamt für Kultur bedeutet die Verordnungsänderung einen Durchbruch, wie Marcia Haldemann, zuständig für Baukultur, auf Anfrage sagt. Aber auch die Stadt Zürich ist sehr erfreut: «Es ist die Lösung des Problems, das uns viel Arbeit und Mühe gekostet hat, ganz klar ein Durchbruch», betont Martin Schneider vom Zürcher Amt für Städtebau.
Anders sieht das Gregor Rutz, SVP-Nationalrat und Präsident des Hauseigentümerverbands der Stadt Zürich. Ob die neue Praxis tatsächlich zu schnelleren Bewilligungsverfahren führe, müsse sich erst noch zeigen.
Erfreut in der Zentralschweiz
Die Stadt Luzern schreibt auf Anfrage, dass sie die Änderungen begrüsse, weil es die Baubewilligungsverfahren vereinfache. ISOS decke grosse Teile der Stadt Luzern ab, ein Bauboom werde trotzdem nicht erwartet, weil die Projekte in der Stadt Luzern nicht primär durch ISOS blockiert seien.
Auch die Stadt Zug hat auf die Änderungen erfreut reagiert. Sie begrüsst die Verfahrensbeschleunigung und erwartet, dass Bewilligungsverfahren effizienter abgewickelt werden können. Für die Stadt Basel ändert die neue Bundesregelung nicht viel, wie sie auf Anfrage schreibt.
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