Neuer UNO-Bericht zum Wasser – Mit dem Klimawandel wird das Süsswasser immer knapper

- Flüsse und Seen erreichten 2025 ihren niedrigsten Stand seit über dreissig Jahren, wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) berichtet.
- Das war noch vor dem diesjährigen Hitzesommer in Europa.
- Die Gesamtmenge des Wassers bleibt unverändert. Aber es wird anders über die Erde verteilt.
«Seit der Entstehung der Erde hat sich die Wassermenge nicht verändert», betont Thibault Datry, Forschungsdirektor für Ökohydrologie am französischen Institut für Agrar-, Ernährungs- und Umweltforschung. «Was sich verändert hat, ist seine Verteilung in den verschiedenen Bereichen: Oberfläche – Untergrund; Süsswasser – Salzwasser.»
Wenn die Gletscher und die Polkappen schmelzen, fliesst ihr Wasser in die Meere. Dort verdunstet das Wasser zwar wieder. Es bilden sich Wolken, und es fällt Niederschlag. Doch die Winde und atmosphärischen Strömungen verteilen es nicht gleichmässig über den Erdball.
So erlebte der afrikanische Kontinent im Jahr 2025 ein besonders trockenes Jahr, aber auch Hochwasser und Überschwemmungen, heisst es im Bericht der WMO.
«Die Feuchtigkeit wird auf globaler Ebene neu verteilt», betont der Experte. «Aber sie wird nicht homogen verteilt, nicht so, wie wir es gerne hätten.»
Unregelmässigere Niederschläge
Der Klimawandel verstärkt diese Kontraste. «Alle Jahre mit den grössten Extremen sind in den letzten 20 Jahren beobachtet worden», sagt Bettina Scheffler, Professorin für Hydrologie an der Universität Bern und Präsidentin der Kommission für Hydrologie der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften.
Sie rechnet damit, dass sich der Trend verstärken wird. Scheffler: «Wir wissen, dass es mit dem Klimawandel Regionen geben wird, die heute schon trocken sind und die noch trockener werden. Und dann andere, wie die Schweiz, wo es bei der jährlichen Niederschlagsmenge keine grossen Veränderungen geben wird.»
Wie die Umverteilung des Wassers die Schweiz betrifft:
Dem pflichtet Thibault Datry bei. Es sei die Verteilung der Niederschläge, die sich verändere. «Wir bewegen uns, um es etwas zugespitzt zu sagen, auf ein Monsunsystem zu, bei dem es sechs Monate Regen und sechs Monate ohne Regen gibt», so der Hydrologe. «Es wird aber nicht so sein, dass wir mehr Wasser werden speichern können, wenn wir mehr Überschwemmungen haben, leider.»
In diesem Jahr wiesen das Grundwasser und die Flüsse in der Schweiz und in Frankreich gemäss Datry noch Mitte Mai einen Speicherüberschuss auf. Einige Wochen später war die Situation schon aussergewöhnlich geworden.
Die Schweiz muss auch verhandeln
Diese neue Verteilung des Wassers hat Konsequenzen für menschliche Aktivitäten wie die Landwirtschaft, aber auch die Industrie, und schafft geopolitische Spannungen zwischen Ländern.
Indien und Pakistan streiten sich über die Verwaltung von Staudämmen und Kanälen, Äthiopien und Ägypten über die Nutzung des Nilwassers nach dem Bau des neuen Megastaudamms durch die äthiopische Regierung. Die ägyptischen Behörden betrachten ihn als existenzielle Bedrohung für die Wassersicherheit.
Auch zwischen der Schweiz und ihren Nachbarländern gibt es Spannungen. Mit Italien etwa geht es um die Frage: Muss mehr Wasser abgelassen werden, damit die Po-Ebene stärker bewässert werden kann?
«Wir waren es nicht gewohnt, uns um eine abgestimmte Wasserbewirtschaftung kümmern zu müssen», sagt Bettina Scheffler. «Jetzt haben wir neue Konflikte, die wir vorher nicht kannten. Bis vor fünf oder sechs Jahren dachten alle, dass wir ohnehin ausreichend Wasser für alle hätten. Und plötzlich diskutieren wir darüber.»
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