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Friday, October 16, 2026

Wer war Eva Mamlok? Warum ein Berliner Platz künftig ihren Namen trägt

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Die Geschichte des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus ist eng mit Namen wie Sophie Scholl, Claus von Stauffenberg, Dietrich Bonhoeffer und Georg Elser verbunden. Es gab noch viele weitere Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer, doch ihre Namen sind heute kaum bekannt. Eine von ihnen ist Eva Mamlok. Die junge Berliner Jüdin stellte sich schon als Jugendliche gegen das NS-Regime und gab ihren Widerstand bis zu ihrer Ermordung in einem Konzentrationslager nicht auf.

Nun dürfte ihre Geschichte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden: Denn seit dem 16. Oktober 2026 hat der Blücherplatz im Berliner Bezirk Kreuzberg einen neuen Namen: Er heißt jetzt "Eva-Mamlok-Platz". 

"Eva Mamlok ist eine sehr besondere Person: Sie ist als junge jüdische Frau aus Berlin besonders eindrücklich in ihrer Widerständigkeit", sagt die Kulturwissenschaftlerin Alexandra Weltz-Rombach, die sich intensiv mit der "Gruppe Eva Mamlok" beschäftigt hat.  

"Nieder mit Hitler"

Eva Mamlok wurde am 6. Mai 1918 in Berlin geboren. Ihre Familie betrieb einen Wein-Großhandel und gehörte zum selbstbewussten jüdischen Bürgertum, das in der Weimarer Republik einen wichtigen Teil des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens Berlins ausmachte.

Als Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, war Eva Mamlok 14 Jahre alt und gehörte der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) an. Nachdem die linke Jugendorganisation noch im selben Jahr von den Nationalsozialisten zerschlagen worden war, engagierte sich Mamlok im Untergrund. Einer Aussage von Inge Berner (1922-2012) zufolge, der einzigen Überlebenden von Mamloks späterer Widerstandsgruppe, kletterte die junge Eva auf das Dach eines Kaufhauses am Blücherplatz und platzierte dort den Schriftzug: "Nieder mit Hitler".  

Schwarz-Weiß Foto eines Kaufhauses an einer Straßenecke
Das ehemalige Tietz-Kaufhaus, auf das Mamlok ihren Slogan schrieb, wurde nach seiner "Arisierung" durch die Nationalsozialisten in "Hertie" umbenanntBild: Public Domain

Verhaftet wegen Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

In den offiziellen Akten taucht der Name Eva Mamlok erstmals im November 1934 auf. Sie wurde verhaftet, weil sie auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde an einer Gedenkveranstaltung für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht teilgenommen hatte.

Die Behörden bescheinigten der damals 16-Jährigen eine "staatsfeindliche" Gesinnung und nahmen sie "bis auf Weiteres in Schutzhaft" - ein beschönigender NS-Begriff für die Inhaftierung ohne gerichtliches Verfahren. Mamlok wurde in das Frauen-Konzentrationslager Moringen in Niedersachsen gebracht, wo sie bis Mai 1935 festgehalten wurde.

Nach ihrer Entlassung setzte sie ihren Widerstand gegen das NS-Regime trotz der wachsenden Gefahr fort. Dabei war sie einer doppelten Verfolgung ausgesetzt: als politische Gegnerin der Nationalsozialisten und als Jüdin.

In den Kreisen des Untergrunds lernte sie Pieter Siemsen (1914-2004) kennen. Die beiden waren ein Paar, bis Siemsen 1937 nach Argentinien emigrierte. Aus seinem privaten Archiv stammt auch das einzige bekannte Foto von Eva Mamlok, das bis heute erhalten geblieben ist.

Tod im Konzentrationslager

1939 brachte Eva Mamlok ihre Tochter Tana zur Welt. Wer der Vater war, ist bis heute nicht bekannt. Das Kind kam in ein jüdisches Waisenhaus in Berlin und wurde 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo es ermordet wurde. 

Weil sie Jüdin war, musste Eva Mamlok ab 1940 Zwangsarbeit bei der Berliner Firma F. Butzke Schrauben-Industrie leisten. Dort traf sie auf andere Frauen, die ihre Gegnerschaft zum Nationalsozialismus teilten. Gemeinsam bildeten sie ein loses Widerstandsnetzwerk jüdischer und nichtjüdischer Frauen, das später als "Eva-Mamlok-Gruppe" bekannt wurde. Die Frauen verteilten regimekritische Flugblätter und verbreiteten Parolen gegen Hitler.

Außerdem tauschten sie verbotene Bücher aus. Darunter waren Autoren wie Thomas Mann und Lion Feuchtwanger. "Es waren Bücher, die heute in der Abiturprüfung abgefragt werden: deutscher Bildungskanon, den sie da verliehen haben", sagt Alexandra Weltz-Rombach. Dass sich ausgerechnet die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), die größte öffentliche Bibliothek Deutschlands, am heutigen Eva-Mamlok-Platz befindet, ist für sie ein passendes Symbol für diese Form des Widerstands und die Bedeutung von Literatur.

Das System Auschwitz

Wegen der Verbreitung dieser verbotenen Schriften wurden Mamlok und weitere Mitglieder ihrer Gruppe schließlich verhaftet. Am 13. Januar 1942 wurde sie von Berlin in das Ghetto Riga im besetzten Lettland deportiert. Nach den Erinnerungen von Inge Berner blieb Mamlok auch dort im Widerstand aktiv. So soll sie einen Kontakt in Berlin dazu veranlasst haben, ihr einen Kuchen zu schicken, in dem eine Miniaturkamera versteckt war. Damit wollte sie dokumentieren zu können, was im Ghetto geschah.

Im Oktober 1944 wurde Mamlok in das Konzentrationslager Stutthof verschleppt, wo sie im Dezember starb. 

Alte Symbole deutsch-französischer Feindschaft weichen

Der Blücherplatz war nach dem preußischen Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher benannt, der vor allem durch seine militärischen Erfolge gegen Napoleon bekannt wurde, darunter die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und die Schlacht von Waterloo 1815.

Nach ihm wurden in Deutschland zahlreiche Orte benannt, darunter Straßen und Plätze. "Also es gibt keinen Mangel an Blücher-Gedenkorten", sagt Kulturwissenschaftlerin Weltz-Rombach. Und es sei vielleicht auch an der Zeit "diese alte deutsch-französische Feindschaft mal an den Nagel zu hängen" und eine andere Form von Erinnerung dort neu zu setzen. Der Platz ist zugleich Austragungsort des Karnevals der Kulturen, eines alljährlichen Straßenfests, das die kulturelle Vielfalt Berlins feiert.

Vorbild für eine neue Generation

Alexandra Weltz-Rombach wurde erstmals 2011 auf Eva Mamlok aufmerksam, als ein Stolperstein zu ihrem Gedenken verlegt wurde. Seither hat sie sich intensiv mit der Biographie von Eva Mamlok beschäftigt und die Geschichte der Widerstandskämpferin in verschiedenen Projekten aufgegriffen, darunter in einer Ausstellung im Jahr 2024 und in einer Podcast-Reihe mit jungen Berlinerinnen und Berlinern.

Gerade weil Eva Mamlok selbst noch eine Jugendliche war, als sie politisch aktiv wurde, fiele es vielen jungen Menschen leicht, sich mit ihrem Schicksal zu identifizieren, so Weltz-Rombach. "Aber vor allem ist sie natürlich ein Vorbild und ein Beispiel dafür, wie man selber gerne agieren würde, wie mutig man gerne wäre."

Der Widerstand von Frauen habe oft weniger spektakuläre Formen angenommen als etwa Bombenanschläge, betont Weltz-Rombach. Häufig habe er sich im Alltag vollzogen. "Und das ist natürlich eine Form von Widerstand, die auch mehr ins Zentrum des Interesses gerückt ist." Und obwohl inzwischen viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gestorben seien, gebe es noch zahlreiche solcher Geschichten zu entdecken. "Ich glaube, dass es sehr viele Namen gibt, die wir nicht kennen, und die darauf warten, weiter erforscht zu werden."

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