Iran: "Geographisch uneingeschränkte Antwort" bei US-Attacke
Nach iranischer Darstellung hat der Oberste Führer des Landes, Modschtaba Chamenei, die USA vor neuen Angriffen auf die Islamische Republik gewarnt und weitreichende Vergeltung in Aussicht gestellt. Auf jede Art von Bedrohung müsse "eine sofortige, wirkungsvolle und geografisch uneingeschränkte Antwort folgen", habe Chamenei vor führenden iranischen Militärkommandanten gesagt, heißt es in einer offiziellen Erklärung. Sollte "der Feind" den Iran attackieren und neue Auseinandersetzungen provozieren, werde Teheran "den Zeitpunkt und die Bedingungen für dessen Ende festlegen".
Die iranische Armee warnte gleichfalls vor den Folgen neuer US-Angriffe. Sollte US-Präsident Donald Trump "abermals zu regionalen Abenteuern aufbrechen, werden die Flammen des Krieges zweifellos ein weitaus größeres geografisches Gebiet erfassen", schrieb Armeesprecher Mohammed Akraminia im Onlinedienst X.
Außenminister: "Mächtige" Streitkräfte sind bereit
Der Außenminister der Islamischen Republik, Abbas Araghtschi, erklärte, die "mächtigen" iranischen Streitkräfte würden gegen diejenigen vorgehen, "die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen". Dem arabischen Sender Al Jazeera sagte er, die Führung seines Landes plane derzeit kein Treffen mit US-Vertretern. Unter den gegenwärtigen Umständen gebe es dafür keine Notwendigkeit. Die Bedingungen des Irans seien klar und die Beratungen mit Vermittlern dauerten an.

Zuvor hatte sich US-Präsident Donald Trump Medienberichten zufolge bei einem persönlichen Treffen mit dem Chef des US-Regionalkommandos für den Nahen Osten (CENTCOM), Admiral Brad Cooper, unter anderem militärische Optionen im Iran darlegen lassen. Das "Wall Street Journal" wertet das als mögliches Zeichen dafür, dass ein bedeutender Einsatz der US-Streitkräfte bevorstehen könnte.
Attacke nach den Zwischenwahlen?
Der Iran-Krieg hatte Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen. Nach dem Scheitern einer Vereinbarung zwischen Washington und Teheran im Juni waren die Verhandlungen ins Stocken geraten. Zuletzt war über mögliche neue US-Angriffe auf den Iran nach den US-Kongresswahlen am kommenden Dienstag spekuliert worden.
Die diplomatischen Bemühungen, eine erneute Eskalation zu verhindern, wurden in dieser Woche verstärkt. Am Freitag traf eine katarische Delegation in Teheran zu Gesprächen mit hochrangigen iranischen Vertretern ein. Katar vermittelt zwischen den Kriegsparteien.
Zuckerbrot hinter den Kulissen
Überdies kontaktierte US-Vizepräsident J.D. Vance einem US-Medienbericht zufolge den iranischen Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats. In dem Schreiben geht es dem "Wall Street Journal" zufolge eher um einen "möglichen Verhandlungsrahmen" als um Einzelheiten eines Friedensvorschlags. Außenminister Araghtschi bestätigte den Erhalt des Briefes. Er sprach von einem positiven Schritt. Sollte es aber das Ziel Washingtons sein, Zwietracht zu säen, wäre dies ein weiterer Fehler, so der Chefdiplomat.

Modschtaba Chamenei ist der Nachfolger seines Vaters Ajatollah Ali Chamenei, der seit 1989 an der Spitze der Islamischen Republik gestanden hatte und am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar getötet worden war. Chamenei jr. ist seither nicht öffentlich aufgetreten. Es wurden nach seiner Amtsübernahme auch keine aktuellen Audio- und Videoaufnahmen von ihm veröffentlicht.
Spekulationen um Gesundheitszustand
Immer wieder wird daher über Chameneis Verbleib und seinen Gesundheitszustand spekuliert. US-Medienberichten zufolge soll er bei dem Luftangriff, durch den sein Vater starb, schwer verletzt worden sein. Irans Staatsfernsehen bezeichnete ihn bereits vor Monaten als "Kriegsversehrten", nannte allerdings keine Einzelheiten.
Der Oberste Führer ist nicht nur das religiöse Oberhaupt der Islamischen Republik. Er ist auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte, bestimmt die grundlegende Politik und kontrolliert zentrale staatliche Institutionen. Der Präsident und die Regierung sind ihm in wesentlichen strategischen Fragen untergeordnet. Beobachter gehen davon aus, dass alle wesentlichen Entscheidungen von ihm getroffen werden.
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