Mercedes: automatisiertes Fahren von Start bis Ziel ab 2027
Es dürfte sich für viele Menschen wie autonomes Fahren anfühlen: Der Nutzer gibt dem Auto ein Ziel vor, und das fährt wie von allein dorthin. Der entscheidende Unterschied zum autonomen Fahren ist, dass der Mensch dabei stets komplett in der Verantwortung bleibt. Das Auto kann vieles allein, muss aber überwacht werden. Unter anderem Tesla, Xpeng und Mercedes haben auch in Europa schon vorgeführt, wie das in der Praxis aussehen wird – mit beeindruckenden Resultaten selbst im dichten Großstadtverkehr. Nun hat Mercedes angekündigt, das automatisierte Fahren vom Start bis zum Ziel ab 2027 in Serienautos anzubieten. Erst kürzlich hatte Mercedes zudem angekündigt, künftig den Wayve AI Driver in Serienfahrzeuge zu integrieren, ein KI-basiertes System, das bereits automatisierte Taxis in London steuert.
Kostenloser Probemonat
Ab dem ersten Halbjahr will Mercedes das in entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen anbieten. Bestandskunden, deren Mercedes das von der Hardware her mitmacht, können die Funktion über ein Over-the-Air-Update nachrüsten. Kunden soll außerdem ein kostenloser Probemonat dieses automatisierten Fahrens angeboten werden. Vorab nennt Mercedes noch keine konkreten Modelle, in denen das zum Start möglich sein wird. Auf der Hand liegen CLA, GLA, GLB sowie die elektrischen Versionen von C-Klasse und GLC. Nach und nach soll das in jedem neuen Mercedes möglich sein. Was das kosten wird, verrät der Hersteller noch nicht. Ab Ende 2026 will Mercedes das System vorab in Stuttgart und München für ausgewählte Kunden starten, deren Fahrzeuge bereits die nötige Hardware haben.
Zusammen mit Nvidia
Der Aufwand, der für das automatisierte Fahren über Land, Autobahn und in der Stadt betrieben werden muss, ist beträchtlich. Mercedes selbst nennt zehn Kameras, fünf Radar- und zwölf Ultraschallsensoren. Sie liefern ihre Daten an einen Rechner, der bis zu 254 TOPS leistet. Das Assistenzsystem MB.Drive Assist Pro kombiniert das Betriebssystem MB.OS mit der In-Vehicle-Computing- und Sensorarchitektur Nvidia Hyperion, dem Full-Stack-Sicherheitssystem Halos sowie der Fahrsoftware Alpamayo Stack. Welche regulatorischen Hürden ein solches System wie MB.Drive Assist Pro noch nehmen muss, haben wir im Zusammenhang mit der geplanten UNECE-Zulassung KI-basierter Assistenzsysteme bereits eingeordnet.
In den vergangenen Jahren sind einige Hersteller dazu übergegangen, Hardware für bestimmte Funktionen immer zu verbauen, sie dann aber nur über kostenpflichtige Software-Upgrades freizugeben. Wie sich das beim automatisierten Fahren entwickelt, wird sich zeigen und wohl auch davon abhängen, wie viele Kunden das wollen. Sind es sehr viele, sinken über die Skalierung die Kosten.
Chance auf breite Akzeptanz
Den bisherigen Ansatz, mit Level 3 in mindestens einem klar umrissenen Szenario als Hersteller eine begrenzte Verantwortung zu übernehmen, haben BMW und Mercedes vorläufig zurückgestellt. Zu hoch erschien den meisten Kunden der Aufpreis für eine in der Praxis nur selten nutzbare Erleichterung. Der neue Anlauf des zu überwachenden und trotzdem gefühlt autonomen Fahrens dürfte ungleich bessere Chancen auf eine breite Akzeptanz bei der Kundschaft haben. Wie fließend die Grenze zwischen assistiertem und tatsächlich autonomem Fahren inzwischen verläuft, haben wir in unserem Überblick zu Level 2++ und den verschwimmenden Grenzen des autonomen Fahrens beschrieben.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.