Klimaaktivistin Neubauer: Gewaltdebatte "gefundenes Fressen"
Nach den friedlichen Demonstrationen der Initiative „Gen Z regelt“ kam es in mehreren deutschen Städten zu Krawallen.
01.11.2026 | 2:01 minDie Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat die Fokussierung auf Gewaltvorfälle im Umfeld einiger Gen-Z-regelt-Proteste kritisiert. Sie habe den Eindruck, dass die Debatte für einige, die sich nicht ernsthaft für die Belange junger Menschen interessierten, "so eine Art gefundenes Fressen" sei, sagte Neubauer am Montag im RBB-Hörfunk. Wie über die Proteste geredet werde, "symbolisiert alles, was schiefläuft", erklärte Neubauer:
Junge Menschen tun sich zusammen, und man behandelt die wie so einen Fremdkörper, vor dem man erst mal Angst haben muss.
Luisa Neubauer, Klimaaktivistin
Neubauer zu Gen Z: Strategisches Profil schärfen
Sie begrüßte gleichzeitig, dass etwa Bundesjugendministerin Karin Prien (CDU) angekündigt hatte, mit jungen Menschen reden zu wollen. Damit es nicht nur bei einem "freundlichen Gespräch" bleibe, müsse die Initiative "Gen Z regelt" aber weiter protestieren und Druck aufbauen, sagte sie auch mit dem Blick auf den Erfolg der Klimabewegung Fridays for Future. Sie riet "Gen Z regelt", ihr strategisches Profil und ihre Anliegen zu schärfen.
In mehr als 30 deutschen Städten haben junge Menschen protestiert. Teilnehmer der "Gen Z regelt"-Proteste erzählen, was sie bewegt.
31.10.2026 | 2:18 minEs ist einfach leichter, Druck aufzubauen, wenn man Forderungen fokussieren kann.
Luisa Neubauer, Klimaaktivistin
Nach den Gen-Z-Protesten vom Wochenende hat Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) dazu aufgerufen, die Interessen jüngerer Menschen stärker zu berücksichtigen. Im Sender RBB sagte Prien am Montag:
Das sind genau die Debatten, die wir jetzt führen müssen, die auch die jungen Menschen sehr zu Recht einfordern.
Karin Prien (CDU), Bundesfamilienministerin
Prien fordert Politik für alle Generationen
Sie wies darauf hin, dass dafür auch ältere Generationen etwas abgeben müssten. "Das ist kein ganz leichter Vorgang in einem demokratischen System." Als Beispiel verwies Prien auf die anstehende Rentenreform.
Das Bildungssystem sei seit Jahrzehnten marode und es passiere nichts, sagt Jugendforscherin Nina Kolleck bei ZDFheute live.
01.11.2026 | 17:09 min"Die jungen Leute haben ein Recht darauf, dass wir uns diesen Fragen stellen", betonte die CDU-Politikerin in dem Interview. Es sei wichtig, eine Politik zu machen, "die sowohl die Interessen der Jungen als auch die der Alten besser im Blick hat".
Auf klare Distanz ging Prien zu den Ausschreitungen vom Wochenende. "Ich will auch nochmal betonen, Gewaltexzesse gehen natürlich überhaupt nicht", sagte Prien dazu.
GEW drängt auf Investitionsplan für Bildungsbereich
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betont nach den "Gen Z regelt"-Protesten, dass es bei Investitionen in Bildung und Schulgebäude "jetzt wirklich vorangehen" müsse, so die GEW-Bundesvorsitzende Maike Finnern am Montag im "Morgenecho" des Radiosenders WDR5.
Dazu könnte ein großer Bildungsgipfel beitragen, bei dem auch junge Menschen unbedingt gehört werden müssen.
Maike Finnern, Bundesvorsitzende Gewerkschadt Erziehung und Wissenschaft
Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften: In der neuen Bildungsstudie Pisa schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Warum?
08.09.2026 | 2:51 minIn einem Investitionsplan für den Bildungsbereich müsse festgelegt werden, wie mehr Geld und Fachkräfte für eine gute Bildung organisiert werden können. Schulstudien bescheinigten Deutschland "ein sehr selektives Bildungssystem", das Ungerechtigkeit und Ungleichheiten vergrößere, sagte Finnern. Zudem sei das System "total unterfinanziert".
Auch Finnern bezeichnet die Ausschreitungen als "dramatisch", verweist aber zugleich auf den großen Einsatz junger Menschen: "Wann haben wir das letzte Mal 100.000 junge Menschen friedlich auf der Straße gehabt, die für ihre Anliegen demonstriert haben?"
Solidaritätsaktionen am Montag an Uni Hamburg
Am Montagmorgen haben derweil Demonstranten unter anderem Zugänge eines Gebäudes der Universität Hamburg blockiert, beobachtete ein dpa-Reporter. Die Polizei bestätigte eine Versammlungslage. Die Teilnehmerzahl wurde bei allen drei Demonstrationen jeweils im unteren zweistelligen Bereich angegeben.
Eine politische Lösung für die Bildungsfragen bedeute eine gemeinsame Kraftanstrengung verschiedener Akteure, erklärt Bildungsministerin Prien.
08.09.2026 | 4:39 minDie zum Teil vermummten Demonstranten forderten etwa die Befreiung aller unterdrückten Menschen oder riefen zu Boykott und Widerstand auf. Einer der Teilnehmer sagte der dpa, sie seien Studierende der Universität und solidarisch mit "Gen Z regelt", aber nicht über diese Initiative organisiert.
Die Universität Hamburg (UHH) teilte mit, sie "respektiert das Recht der Protestierenden, ihre Anliegen und politischen Positionen öffentlich und gewaltfrei zum Ausdruck zu bringen".
Gen-Z-Demos weitgehend friedlich verlaufen
Die "Gen Z regelt"-Proteste vom Wochenende in mehr als 30 Städten richteten sich gegen Missstände in der Bildung, soziale Ungerechtigkeiten, steigende Lebenshaltungskosten und Militarisierung.
Überschattet wurden die Demonstrationen, die vielerorts zunächst weitgehend friedlich verliefen, insbesondere von Ausschreitungen in Frankfurt am Main.
Quelle: epd, AFP, dpa
Über Ausschreitungen nach den zumeist friedlichen Gen-Z-Protesten berichteten unter anderem die heute-Nachrichten am 01.11.2026 ab 19:00 Uhr.
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