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Monday, November 2, 2026

E-Dienstwagen für die Mobilitätswende: Der DAX steht unter Strom

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Zwei Drittel der neu gekauften Autos in Deutschland sind Dienstwagen. Wie halten es die größten DAX-Konzerne mit der Elektrifizierung ihrer Fuhrparks?

Friedrich Merz gibt sich gerade alle Mühe, Deutschland international als unverbesserliche Verbrennernation dastehen zu lassen. Dabei wollen viele große deutsche Unternehmen mehr E-Autos in ihrer Dienstwagenflotte. Viele von ihnen haben sogar schon feste Regeln dafür.

Die taz hat die 40 DAX-Konzerne – also die größten und zahlungskräftigsten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes – im September gefragt, wie sie es mit der Elektrifizierung ihrer Fuhrparks halten. Fünf von ihnen, darunter Vonovia und Airbus, ließen die Anfrage unbeantwortet oder machten keine Angaben, Fresenius Medical Care hat gar keine Dienstwagenflotte.

Bei 15 der übrigen 34 Unternehmen gilt die Regel, dass nur noch E-Dienstwagen bestellt werden dürfen – zumindest für Führungskräfte, in einigen Fällen für alle Mitarbeitenden. 16 Dax-Konzerne schließen Verbrenner nicht aus, bieten aber finanzielle oder organisatorische Vorteile für die Wahl eines E-Autos. Nur drei Unternehmen – BMW, Mercedes-Benz und der Versicherer Hannover Rück mit jedoch nur 7 Dienstwagen – antworteten, dass sie ihren Mitarbeitenden die Antriebsart ihres Dienstwagens nicht vorschreiben, und machten keine Angaben zu unverbindlichen Anreizen.

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Soll die Mobilitätswende gelingen, müssen vor allem Unternehmen Elektroautos kaufen und sich von Verbrennern verabschieden. Denn auf sie entfällt ein Großteil der Neuzulassungen. Nur jeder dritte Neuwagen wird von einer Privatperson gekauft, zwei Drittel werden gewerblich genutzt. Bei den Oberklassewagen sind es sogar 80 Prozent. „Damit beeinflussen die Firmen auch den Gebrauchtwagenmarkt“, sagt Caroline Tiefenbach, Referentin für Klimaschutz im Verkehr bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Was die Firmen jetzt neu kaufen, werde später als Gebrauchtwagen angeboten.

Mehr Förderung vom Staat

„Das ist wichtig, weil Firmen der Umstieg auf Elektroautos leichter fällt“, so Tiefenbach. Sie haben in der Regel mehr Kapital als Privatpersonen und können die Anschaffung leichter stemmen. Außerdem erhalten Unternehmen in den meisten EU-Ländern mehr Förderung vom Staat als Privatleute. Im Schnitt bekommen Unternehmen in der Staatengemeinschaft eine steuerliche Förderung von 6.032 Euro pro vollelektrischem Neuwagen, während es für Privatpersonen lediglich 332 Euro sind.

Tiefenbach sieht deswegen besonders kritisch, dass Frankreich und Deutschland in der EU schwächere CO2-Vorgaben für den Autoverkehr durchsetzen wollen. Denn Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron machen sich nicht nur für eine Aufweichung der CO2-Ziele stark, die Hersteller zum Bau klimafreundlicherer Autos anhalten sollen. Auch die Vorgaben für Dienstwagenflotten sollen verwässert werden. „Der Vorschlag der Kommission zu Unternehmensflotten sollte für mehr Flexibilität sorgen“, heißt es in dem vierseitigen Positionspapier, auf das sich Berlin und Paris jüngst geeinigt haben. Anstatt starre Vorgaben zu machen, sollten „realistische nationale Ziele“ für emissionsfreie und -arme Fahrzeuge festgelegt werden.

Dies richtet sich gegen den Vorschlag, den die EU-Kommission vergangenen Dezember machte. Das EU-Parlament legt im November seine Position zum sogenannten zum sogenannten Verbrenner-Aus fest, dann stehen auch die Kommissionsvorschläge zu Firmenwagen auf dem Programm. Demnach müssten die Mitgliedstaaten ab dem Jahr 2030 für einen Mindestanteil von E-Neuwagen in der Flotte großer Unternehmen sorgen. Laut den Plänen der EU-Kommission läge die Quote in Deutschland bei mindestens 54 Prozent reinen Elektrofahrzeugen und 83 Prozent inklusive Plug-in-Hybriden. Europaweit wären es 45 beziehungsweise 69 Prozent. Vor allem will die EU-Kommission ab 2028 steuerliche Anreize verbieten, die dazu führen, dass große Unternehmen weiterhin reine Verbrenner verkaufen.

„Spätestens dann muss die Bundesregierung das Dienstwagenprivileg streichen, für Großkonzerne genauso wie für alle anderen auch“, sagt DUH-Expertin Tiefenbach. Durch die in Deutschland geltende steuerliche Besserstellung privat genutzter Verbrennerdienstwagen entgingen dem Staat im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Euro.

DAX-Unternehmen weiter als die Bundesregierung

Das hinter dem Dienstwagenprivileg stehende Prinzip: Das Unternehmen stellt seinen Angestellten ein Auto, das diese auch privat nutzen dürfen. Auf diesen geldwerten Vorteil müssen sie kaum Steuern zahlen. Der Satz liegt beim Verbrenner bei nur 1 Prozent des Kaufpreises pro Monat – hinzu kommen 0,03 Prozent vom Listenpreis pro Kilometer des Arbeitsweges.

Während die Bundesregierung in Europa für den Verbrenner lobbyiert, sind die großen DAX-Unternehmen bereits weiter –zumindest, wenn es um ihre Dienstwagenflotten geht. Die meisten bemühen sich um die Elektrifizierung ihrer Fuhrparks, auch wenn die Antworten, die die taz auf ihre Anfrage im September erhalten hat, sehr unterschiedlich ausfielen.

So zahlen Adidas und Infineon ihren Mitarbeitenden einen Bonus, wenn sie einen CO2-armen Dienstwagen bestellen. Bei der Deutschen Bank, der Allianz, SAP und dem Digitalunternehmen Scout24 bekommen die Mitarbeitenden nur noch E-Autos. Von den 82 Dienstwagen bei Scout24 sind demnach 72 batterieelektrisch, bei SAP sind es 8.300 von 19.000, bei der Deutschen Bank 2.160 von 4.600 und bei der Allianz rund 120 von 200.

Scout24 will schon Ende 2026 bei 100 Prozent E-Autos ankommen. Siemens, Siemens Energy und Siemens Healthineers sowie die Allianz, die Nivea-Mutter Beiersdorf und der Pharmakonzern Merck wollen diese Marke spätestens 2030 knacken – also dann, wenn laut dem Vorschlag der EU-Kommission 54 Prozent erreicht sein müssten.

Der Reiz der Vorteile

Beiersdorf, der Triebwerkhersteller MTU Aero Engines und die BASF haben CO2-Obergrenzen für Dienstfahrzeuge. Bei Fresenius, Henkel, der Deutschen Telekom, dem Chemiekonzern Brenntag und dem Anlagenbauer GEA müssen Dienstwagen im Innendienst elektrisch sein – bestimmte Fahrzeuge im Außendienst dürfen noch fossil fahren, sollen aber nach und nach elektrifiziert werden. Der Pharmadienstleister Qiagen, Merck und das Bauunternehmen Hochtief unterstützen die Installation einer Wallbox am Wohnort der Beschäftigten, wenn sie einen E-Dienstwagen wählen. So schafft ein Vorteil den Reiz, um die Verkehrswende voranzubringen.

Ein durchschnittlicher E-Auto-Anteil über alle 40 DAX-Konzerne hinweg ließ sich auf Basis der Antworten nicht berechnen; nicht alle Unternehmen nannten konkrete Zahlen zur Größe des Fuhrparks und zur Zahl der Stromer. Immerhin: Von den 20 Firmen, die vergleichbare Antworten lieferten, sagte die Hälfte, dass schon mehr als 50 Prozent der Flotte vollelektrifiziert ist. Sie haben also schon jetzt fast den Wert erreicht, den die EU-Kommission in vier Jahren erreichen will.

Eine schnelle Elektrifizierung der Dienst­wagenflotten könnte viele Jobs schaffen

Laut einer Studie der Initiative Klimaneutral waren 30 Prozent aller neu bestellten Dienstwagen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 batterieelektrisch. Und fast drei von vier E-Dienstwagen wurden von der VW-Gruppe, BMW oder Mercedes-Benz gebaut. Von den großen Autobauern also, die in Deutschland zuletzt vor allem mit Krise und Stellenabbau Schlagzeilen machten. Inzwischen haben die großen deutschen Marken beim E-Auto-Absatz Boden gutgemacht – allerdings werden die einträglichen Batterien noch zu selten hier produziert. Und insgesamt liegt die internationale Konkurrenz, vor allem aus China, im Bereich der Elektromobilität weiter vorn.

Dass die Bundesregierung die geplanten EU-Vorgaben für Dienstwagenflotten mit Hilfe aus Paris aufweichen will, hilft der heimischen Autoindustrie nicht weiter. Im Gegenteil: Eine schnelle Elektrifizierung der Konzernflotten könnte ein Job-Booster sein, hat eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Verkehrsverbands T&E ergeben. Würden die EU-Flottenvorgaben mit sogenannten Made-in-Europe-Klauseln verbunden, könnte das 134.000 zusätzliche Jobs in Deutschland schaffen.

Neue Jobs und mehr Umsatz durch Made-in-Europe

Die Wertschöpfung der Autobauer könnte um 7,8 Milliarden Euro steigen. Allein bei Volkswagen könnten durch eine kluge Umsetzung der Brüsseler Ideen zwischen 14.000 bis 56.000 neue Jobs entstehen, da der Konzern einen Großteil seiner Autos auf dem europäischen Firmenwagenmarkt verkauft.

Auf strenge Made-in-Europe-Vorgaben bestand der französische Präsident. Mit ihnen will Macron den europäischen Markt vor globaler Konkurrenz schützen, etwa indem Steuervorteile nur noch für Produkte gewährt werden, wenn sie zum Großteil in der EU hergestellt werden. Dagegen steht Merz, der das Verbrenner-Aus aufweichen will. Es einigten sich nun Konservative, Sozialdemokraten und Liberale, den strengeren Kommissionsvorschlag für die Elektrifizierung von Dienstwagenflotten abzulehnen. So bleibt die Politik bei der Antriebswende hinter vielen großen Unternehmen zurück.

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