EU-Kommission wirft TikTok Gesundheitsgefährdung vor
"Rabbit Hole"-Effekt EU wirft TikTok Gesundheitsgefährdung vor
Stand: 06.11.2026 • 13:08 Uhr
Der "Rabbit Hole"-Effekt führt zu einer weiteren Konfrontation zwischen der EU und TikTok. Die Brüsseler werfen der App vor, die Gesundheit Nutzender zu gefährden. TikTok droht eine heftige Strafe.
TikTok gefährdet seine Nutzerinnen und Nutzer laut vorläufigen Ermittlungsergebnissen der EU-Kommission durch die Videoempfehlungen auf seiner Plattform. Dem Unternehmen drohe eine Strafe, weil sein Algorithmus selbst Schutzbedürftigen einen endlosen Strom personalisierter Videos anzeige, der psychische Probleme verstärken könne, teilte die Brüsseler Behörde mit. Er befördere Suchtgefahren sowie Ess- und Angststörungen.
Die Kommission wirft TikTok vor, dieses Risiko nicht ausreichend eingedämmt zu haben. Bisherige Gegenmaßnahmen seien unwirksam. Auch der Button "Nicht interessiert" reiche nicht aus, um den Feed zu ändern.
Es geht vor allem um "For You"
Die "For You"-Page, die besonders schnell Inhalte anzeigen soll, die Nutzer interessieren, steht im Fokus des Verfahrens. Die EU-Kommission verlangt hier Änderungen, da sie "Rabbit Hole"-Effekte (auf Deutsch: "Kaninchenbau"-Effekt) befürchtet. Damit ist gemeint, dass man sich so tief in einem Thema verliert, dass man nicht mehr herausfindet - ähnlich wie die Hauptfigur in "Alice im Wunderland" in einem Kaninchenbau.
Algorithmen können theoretisch solche Verhaltensmuster erkennen und ausnutzen, damit Nutzerinnen und Nutzer mehr Zeit auf einer Plattform verbringen. Die EU-Kommission kritisierte, der TikTok-Algorithmus personalisiere auf diese Art und Weise selbst Inhalte, die belastend sein könnten und gefährde dadurch insbesondere Kinder und Jugendliche. "Diese Funktionsweise kann schädlich sein, wenn es bei derart endlos wiederholten Inhalten zum Beispiel um Traurigkeit, Einsamkeit oder das Körperbild geht", befand die Kommission.
Die Kommission wies TikTok an, die Funktionsweise der "Für Dich"-Seite auf TikTok grundlegend zu ändern. Der Algorithmus dürfe nicht mehr darauf basieren, wie lange Nutzerinnen und Nutzer ein Video ansehen. Stattdessen sollen sie mehr Kontrolle über die "Für Dich"-Seite bekommen und stärker selbst festlegen können, was sie auf TikTok sehen.
Schon das dritte Verfahren gegen TikTok
Die EU-Kommission treibt damit das nächste Verfahren gegen die von der chinesischen Firma Bytedance betriebene App voran. Es ist das dritte Mal, dass Brüssel den Onlineriesen mit Untersuchungsergebnissen konfrontiert und ihm Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) vorwirft.
Eine Strafe gab es seit der Eröffnung des ersten Verfahrens gegen TikTok im Februar 2024 nicht.
Kritiker halten der Kommission vor, zu zögerlich zu agieren. Brüssel verweist darauf, dass Entscheidungen auch vor Gericht standhalten müssten. Gegen TikTok läuft auch ein Verfahren wegen anderer Funktionsweisen der App. So befürchtet die EU-Kommission, dass Minderjährige süchtig werden könnten. Konkret geht es bei den suchtfördernden Mechanismen etwa um das ununterbrochene, automatische Abspielen von Videos.
Zudem warfen die Brüsseler dem Konzern in einem separaten Verfahren im Juli vor, Kinder und Jugendliche nicht genug vor übergriffigem Verhalten anderer Nutzer zu schützen. Die Behörde kritisiert unter anderem, dass Fremde die öffentlichen Benutzerkonten von Minderjährigen sehen und die jungen Nutzer auch mit missbräuchlichen Absichten kontaktieren könnten.
Ohne Einigung könnte es für TikTok teuer werden
Das Unternehmen hat in allen Verfahren die Möglichkeit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen oder mit entsprechenden Änderungen die Bedenken der EU auszuräumen. Findet sich keine einvernehmliche Lösung, könnte es für TikTok teuer werden. Die EU-Kommission würde dann formell einen Verstoß feststellen und könnte eine Strafe von bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes verhängen.
Auch tägliche Strafen wären möglich, um TikTok zum Einlenken zu bewegen.
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