Schuttkegel Blatten – Was unter dem Schutt zum Umweltrisiko wird

Als das Dorf Blatten Ende Mai 2025 von einem Berg- und Gletschersturz verschüttet wurde, gingen nicht nur Häuser, persönliche Gegenstände und Erinnerungen verloren. Auch Autos, Heizöltanks, Maschinen, Batterien und Kühlgeräte verschwanden unter dem Schuttkegel. Schon bald wurden auf dem See, der sich hinter dem Schuttkegel bildete, Ölflecken sichtbar.
Nun zeigt eine neue Umweltstudie, die SRF vorliegt: Im verschütteten Gebiet befanden sich rund 150'000 Liter Heizöl und Treibstoff. Wie viel davon beim Bergsturz ausgetreten ist und wie viel aktuell noch in Tanks oder im Schutt steckt, ist unbekannt.
Messungen des Grundwassers sind unauffällig
Die im Auftrag des Kantons Wallis erstellte Studie kommt zum Schluss, dass diese sogenannten Mineralölkohlenwasserstoffe die mit Abstand grösste Gefahr für die Umwelt darstellen. Gleichzeitig halten die Studienautoren fest, dass es unverhältnismässig sei, die umweltschädlichen Stoffe vollständig zu bergen. Weil man nicht genau wisse, wo sie sich befinden.
Die Ölflecken auf dem See zeigen: Ein Teil des verschütteten Heizöls und Treibstoffs ist bereits ausgetreten. Grundsätzlich bestehe die Gefahr, dass Schadstoffe in das Grundwasser gelangen, so die Autoren. Die bisherigen Messungen waren aber unauffällig.
Es wäre unverhältnismässig, wenn man sagen würde, dass man hier nicht wieder bauen kann.
Die Autoren betonen auch, dass Wasser relativ leicht in den Schuttkörper eindringen könne. Deshalb müsse die Überwachung von Oberflächengewässern und Grundwasser langfristig weitergeführt und sogar ausgebaut werden. Das will der Kanton Wallis machen, und zwar im ganzen Lötschental.
So wurde untersucht
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Für die Untersuchung wurden den Bewohnerinnen und Bewohnern von Blatten Fragebögen zugestellt. Sie sollten angeben, ob sie einen Öltank hatten und welche weiteren Stoffe in ihren Gebäuden zum Zeitpunkt des Bergsturzes lagerten.
220 Fragebögen wurden ausgefüllt. Das bedeutet, dass rund 80 Prozent der verschütteten Haushalte und Gebäude erfasst wurden.
Neben Heizöl und Treibstoffen wurden unter anderem auch Motor- und Getriebeöle, Batterien, Kühlgeräte, Farben, Lösungsmittel, Gasflaschen und Munition erfasst.
Gleichzeitig hält der Kanton den Wiederaufbau für vertretbar: «Es wäre unverhältnismässig, wenn man sagen würde, dass man hier nicht wieder bauen kann», sagt Christine Genolet-Leubin, die Leiterin der Walliser Dienststelle für Umwelt.
Die aktualisierten Gefahrenkarten zeigen, wo grundsätzlich wieder gebaut werden kann. Diese Gebiete liegen teilweise auf den Schuttmassen des alten Dorfs. Deshalb sei entscheidend, wie dort gebaut werde, sagt Christine Genolet-Leubin: «Es geht darum, wie tief man gräbt und wie hoch man wieder aufschüttet.»
Denn es gebe Stoffe, die eventuell über die Luft freigesetzt werden könnten. Deshalb überlege man sich jetzt, ob es dort, wo das Dorf wieder aufgebaut werden soll, Drainagen brauche.
Die Öltanks sind teilweise kaputt und laufen aus.
Diese Fragen stellen sich nicht nur beim Bau. Einzelne Schadstoffe könnten auch Jahrzehnte später noch freigesetzt werden.
«Die Öltanks sind teilweise kaputt und laufen aus, andere werden mit der Zeit noch durchrosten und das Öl läuft später aus», sagt der Geologe und Altlastenexperte Walter Wildi, der die Studie für SRF analysiert hat. «Früher oder später kommt das Öl dann ins Oberflächen- oder eventuell ins Grundwasser.»
Wiederaufbau ist auf Kurs
Die nötigen Umweltmassnahmen sollen bereits jetzt in die laufenden Arbeiten einfliessen. Denn ab 2029 sollen die ersten Menschen in das neue Blatten zurückkehren.
«Wenn diese Arbeiten parallel geschehen, ist der Zeitplan absolut einzuhalten», sagt Matthias Bellwald, Gemeindepräsident von Blatten. Aber was der Bergsturz unter den Schuttmassen hinterlassen hat, wird die Menschen und Behörden noch länger beschäftigen.
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