Kampf gegen Inflation – US-Notenbank Fed geht auf Distanz zu Trump

Die erste Zinserhöhung in den USA seit rund drei Jahren ist Tatsache. Und obwohl im Vorfeld vieles darauf hindeutete, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins erhöhen dürfte, blieb ein Quäntchen Restunsicherheit. Lässt sich der neue Fed-Chef Kevin Warsh doch stark vom Weissen Haus beeinflussen – und überträgt diesen Druck aufs Entscheidungsgremium, den Offenmarktausschuss, sodass am Schluss keine Zinserhöhung erfolgt? Schon weit im Vorfeld des heutigen Entscheides stand Kevin Warsh deshalb unter strengster Beobachtung.
Und obwohl Warsh zuletzt immer stärkere Signale aussandte, dass stabile Preise im Fokus der Geldpolitik lägen, blieben Zweifel an seiner Entschlossenheit. Die Vermutung blieb, dass die US-Notenbank noch warten könnte mit einem Zinsschritt bis nach den Zwischenwahlen in den USA Anfang November. Dies auch, um die Wirtschaft nicht vor diesem wichtigen Wahltermin mit einer Zinserhöhung zu drosseln.
Der heutige Entscheid der US-Notenbank ist deshalb weit mehr als eine geldpolitische Massnahme. Es ist ein klares Bekenntnis zur Unabhängigkeit dieser Institution. Und Kevin Warsh nutzte die Gelegenheit auch, um sich von Präsident Donald Trump deutlich abzugrenzen.
Gleich mehrmals wurde Warsh im Anschluss an seine Ausführungen zum heutigen Entscheid darauf angesprochen, was denn seine Botschaft an Donald Trump sei mit dieser Zinserhöhung, wenn der Präsident ja auf tiefe Zinsen poche. Oder wann Warsh zum letzten Mal mit dem Präsidenten gesprochen habe.
Warsh lachte solche Fragen weg, wirkte souverän, nicht etwa übertölpelt, und gab Auskunft zu den eigentlichen Beweggründen für den Entscheid. Dass der Arbeitsmarkt, um den sich die Notenbank mit ihrem Mandat ebenfalls kümmern muss, stabil sei, ja von Vollbeschäftigung die Rede sein könne und die Wirtschaft insgesamt robust sei.
Warsh setzt ein klares Zeichen
Alles, was der neue Fed-Chef bis jetzt unternahm, wurde konstant in Zusammenhang mit Trump gebracht und damit auch der Eindruck gepflegt, dass Warsh nicht unabhängig vom Weissen Haus wirken könne.
Mit dem heutigen Tag setzt der neue an der Spitze der wichtigsten und mächtigsten Zentralbank der Welt ein klares Zeichen. Ob es reicht, um sich vom Verdacht der fehlenden Unabhängigkeit befreien zu können? Gut möglich, dass dieser wie ein Fluch an Warsh kleben bleibt, solange Donald Trump im Amt ist.
Matthias Pfander
Co-Leiter Wirtschaftsredaktion
Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen
Matthias Pfander ist seit über 20 Jahren im Wirtschaftsjournalismus tätig, seit Mitte 2017 als Reporter und Planer für die Wirtschaftsredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er unter anderem für den «Tages-Anzeiger» und die «Blick»-Gruppe.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.