Wird Wohneigentum bald wieder bezahlbar?
Die geburtenstarken Jahrgänge werden alt - und verkaufen möglicherweise ihre Immobilien. Das große Angebot könnte die Preise drücken.
29.09.2026 | 0:50 minLaut Studien rollt der "Silver Tsunami" auf uns zu. "Silver" steht für die älter werdenden Eigentümer und "Tsunami" für die Masse an Immobilien, die auf den Markt drängen könnte. Die Preise für Wohneigentum sollen dadurch fast zwangsweise sinken und Immobilien plötzlich bezahlbar werden.
Ist es also nur eine Frage der Zeit, bis man gemütlich in seinen günstig erstandenen vier Wänden sitzt und sich an langen Abenden vorm Kamin Schauermärchen aus alten Zeiten erzählt, in denen Wohneigentum knapp und weitgehend unerschwinglich war?
Immobilien der 60- bis 80-Jährigen in Deutschland
ZDFheute Infografik
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Ältere Generation besitzt knapp jedes dritte Eigenheim
Insgesamt zählen in Deutschland rund 20 Millionen Menschen zu den geburtenstarken Jahrgängen 1954 bis 1969. Laut Institut der deutschen Wirtschaft sind bereits heute etwa fünf Millionen davon älter als 67, der Rest erreicht bis 2036 das Rentenalter - im Schnitt rund 1,3 Millionen Menschen pro Jahr.
Laut einer Modellrechnung von Jacasa, einer deutschen Online-Plattform für Immobilien, gehören rund 4,8 Millionen selbstgenutzte Häuser und Wohnungen Menschen der Jahrgänge 1946 bis 1964. "Das ist knapp jedes dritte Eigenheim in Deutschland", sagt Björn Kolbmüller, Geschäftsführer von Jacasa. Die Plattform hat dabei 289 Landkreise sowie die zehn größten Städte untersucht.
"Diese Immobilien werden in den kommenden Jahrzehnten den Besitzer wechseln, durch Verkauf, durch einen Umzug ins betreute Wohnen oder durch einen Erbfall." Das ergebe sich aus der Altersstruktur und hänge nicht davon ab, wie sich Zinsen oder Konjunktur entwickeln, ergänzt er.
Überhöhte Kaufpreise, hohe Sanierungskosten und problematische Finanzierungen - ein scheinbar attraktives Immobilienangebot entpuppt sich für zahlreiche Käufer als teure Kostenfalle.
21.04.2026 | 9:53 minKommt wirklich eine Immobilienschwemme?
Klar ist, die Entwicklung der Gesellschaft macht auch vor dem Immobilienmarkt nicht Halt. "Der demografische Effekt ist real", sagt deshalb auch Pekka Sagner, Immobilien-Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft, aber der Begriff "Tsunami" überzeichne die Entwicklung.
Die Immobilien der Babyboomer kommen nicht auf einen Schlag auf den Markt, sondern über viele Jahre - und regional sehr unterschiedlich.
Dr. Pekka Sagner, Ökonom für Wohnungspolitik am Institut der deutschen Wirtschaft
Wohnkosten stellen viele Studenten vor finanzielle Probleme: Sie geben durchschnittlich 54 Prozent ihres Einkommens dafür aus. Fast zwei Drittel gelten damit als finanziell überbelastet.
15.07.2026 | 0:26 minDenn zunächst einmal möchten natürlich die meisten Eigentümer so lange wie möglich in ihrer Immobilie wohnen bleiben - selbst wenn sie irgendwann pflegebedürftig werden. "Deshalb dürfte ein großer Teil des Wohnraums erst spät im Lebenszyklus oder durch Erbfälle verfügbar werden. Hinzu kommt, dass Immobilien auch innerhalb der Familie weitergegeben oder vermietet werden können", erklärt Pekka Sagner.
Tatsächlich werden laut Kolbmüller 40 Prozent der Babyboomer-Immobilien vererbt. Allerdings komme ein Haus aus den 1970er Jahren mit Sanierungsbedarf für die Erben selten zum Selbstbewohnen infrage, also werde verkauft oder vermietet, meint Björn Kolbmüller: "Wir gehen deshalb davon aus, dass ein großer Teil dieser Objekte früher oder später auf den Markt kommt, verteilt über die kommenden Jahrzehnte und häufig erst nach dem Erbfall."
Der Soziale Wohnungsmonitor des Pestel-Instituts zeigt: In Deutschland fehlen rund 1,4 Millionen günstige Wohnungen. Gleichzeitig werden weiterhin zu wenige neue Häuser gebaut.
15.01.2026 | 1:34 minUnterschiede zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen
Heißt, der vermeintliche Tsunami kommt wohl eher als eine Windböe daher, die von Zeit zu Zeit den Markt durchpustet. Zudem wird er wohl nicht überall in Deutschland für bezahlbares Wohneigentum sorgen. In ländlichen Räumen kann der Effekt durchaus zu fallenden Preisen führen.
In den gefragten Lagen der Großstädte bleibt es für junge Käufer schwierig.
Björn Kolbmüller, Gründer und Geschäftsführer von Jacasa
Die "Spiegelfrabrik", so heißt das genossenschaftliche Wohnprojekt in Fürth, welches von Thomas Röbke und seiner Frau ins Leben gerufen wurde - ein Mehrgenerationenhaus mit Vorbildcharakter.
03.06.2026 | 6:18 minAuch Pekka Sagner sieht keine deutschlandweite Lösung des Erschwinglichkeitsproblems, "denn gerade in gefragten Regionen bleiben Nachfrage, Zinsen, Einkommen und Eigenkapital entscheidend und die Konkurrenz um die Immobilien groß".
Der "Silver Tsunami" ist also zwar mehr als nur ein Mythos, doch die Probleme des Immobilienmarktes wird er weder nachhaltig noch alleine lösen können.
Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Generationen im Vergleich
:Immobilie finanzieren: Wo es Millennials leichter habenDer Traum vom Eigenheim scheint gerade für jüngere Menschen immer unerreichbarer. Sie besitzen seltener Wohneigentum als ältere Generationen. Doch war früher wirklich alles besser?
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