Chery bringt gleich zwei China-Automarken in die Schweiz

- Die chinesische Marke Chery startet in der Schweiz. Danach folgt die Marke iCaur vom selben Konzern.
- In Zürich an der Bahnhofstrasse eröffnet ein Showroom, wo früher Cadillac war.
- Schweiz-Chef Dimitris Chanazoglou, zuvor bei BYD, will das Händlernetz auf rund 45 Partner ausbauen.
Nach BYD, MG, Xpeng und weiteren gab am Mittwoch eine zusätzliche neue Automarke ihren Marktstart in der Schweiz bekannt. An einem Anlass in Schlieren stellte die chinesische Chery Group rund 180 Händlern, Pressevertretern und Influencern ihre Marke Chery mit der Modellfamilie Tiggo vor.
Chinas grösste Export-Automarke zeigt gleich zu Beginn Präsenz. Seit Donnerstag gibt es einen Chery-Showroom an bester Lage an der Bahnhofstrasse 75/79 in Zürich, wo zuvor Cadillac drin war.
Diese Chery-Modelle gibt es zum Schweiz-Start
Zum Start besteht das Angebot aus vier SUVs: der Modellreihe Tiggo (4, 7, 8 und 9) mit Voll- und Plug-in-Hybriden. Im nächsten Jahr sollen auch Elektroautos erhältlich sein. Dazu will die Firma mit iCaur eine weitere ihrer Marken in der Schweiz lancieren.
Das Einstiegsmodell Tiggo 4 bietet einen 1,5-Liter-Benzinmotor und einen Elektromotor, die zusammen 163 PS erreichen. Mit vollem Tank sind bis zu 950 Kilometer möglich. Beim Flaggschiff Tiggo 9 sind es 428 PS und eine Reichweite von 1050 Kilometern. Sie bieten fünf bis sieben Sitzplätze und sollen insbesondere Familien ansprechen. Die vier Modelle sind ab sofort zu Einführungspreisen von rund 25'000 bis 45'000 Franken erhältlich – 3000 bis 4000 Franken unter den regulären Preisen.
Das Besondere: Bei den Autos gibt es keine kostenpflichtigen Ausstattungspakete. Assistenzsysteme, Infotainment (Bildschirme, Smartphone-Integration, Sony-Soundsystem etc.) und Komfortfunktionen wie beim Flaggschiff Tiggo 9 elektrisch verstellbare Vordersitze mit Heizung, Belüftung und Massagefunktion sind serienmässig enthalten. Wenn Kundinnen und Kunden sich für ein Modell entschieden haben, müssen sie nur eine von vier Farben auswählen.
Der Schweiz-Chef kommt von BYD
Die Chery Group setzt beim Vertrieb auf die Luxi Motors AG, eine Schweizer Tochterfirma der israelischen Automobilgruppe Samelet. Diese ist auf den Import und Vertrieb globaler Automobilmarken spezialisiert. Pikant: Luxi-Motors-CEO ist Dimitris Chanazoglou, der ehemalige Schweizer Country Manager von BYD.
Den Wechsel erklärt er damit, als CEO eines Importeurs nicht nur den Markenaufbau von Chery und iCaur, sondern die gesamte Organisation und deren Weiterentwicklung zu verantworten. Gerade diese Kombination aus Unternehmensaufbau, Markteinführung und Wachstum habe ihn gereizt.
«Wir möchten, dass die Kunden uns fair vergleichen»
Herr Zhu, warum braucht die Schweiz noch eine weitere chinesische Automarke?
«Die Kunden brauchen nicht noch mehr vom Gleichen, sondern eine grössere Auswahl. Mehr Marken bedeuten mehr Auswahl für die Kunden, was gut ist, und wir möchten einfach, dass die Kunden uns fair vergleichen.»
Wie unterscheidet sich Chery von der Konkurrenz?
«Was uns auszeichnet, ist unser Fokus auf Familien: beständiger Mehrwert in Sachen Sicherheit, Platzangebot und Technologie für die Familie. Und wir untermauern dies mit langfristigem lokalem Service, Garantie und Ersatzteilversorgung.»
Viele in der Schweiz kennen Chery nicht. Wie wollen Sie diese Menschen von der Marke überzeugen?
«Wir sind davon überzeugt, dass langfristiger Erfolg darauf beruht, vor Ort Mehrwert zu schaffen, starke Partnerschaften aufzubauen und nah an der Kundschaft zu sein. Indem wir unsere lokale Präsenz stärken, in Forschung und Entwicklung investieren und eng mit lokalen Partnern zusammenarbeiten, wollen wir Produkte und Dienstleistungen anbieten, die den Erwartungen der Schweizer Kundschaft wirklich gerecht werden.»
Was ist Ihr wichtigster Wettbewerbsvorteil: der Preis, die Ausstattung, die Technologie oder die Qualität?
«Der Gesamtwert des Produkts, nicht nur der Preis. Technologie und Qualität bilden die Grundlage, Platzangebot, Komfort und Ausstattung sind das, was den Kunden auffällt, und eine faire Preisgestaltung sowie lokaler Service runden das Ganze ab.»
Chanazoglou baute zuvor schon BYD in der Schweiz auf. Davor war er unter anderem für Polestar, Fiat, Jeep und Lancia tätig. Obwohl die Marke Chery nicht nur SUVs bietet, beschränkt er sich beim Start auf diese Fahrzeugkategorie. Der Schweizer Markt verlange danach, der Marktanteil von SUVs liege bei 60 Prozent, sagt er. Ähnlich gross sei die Nachfrage nach Hybridmotoren.
Der CEO von Luxi Motors setzt auf ein Schweizer Händler- und Servicenetz mit aktuell neun Partnern und einem eigenen Flagshipstore. In den kommenden Jahren sollen es rund 45 sein. Vergleichen will er BYD und Chery nicht. Jede Marke und jeder Markteintritt hätten andere Voraussetzungen und es gehe nicht darum, ein bestehendes Konzept einfach zu wiederholen.
Das sagt der Experte
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Bochum sagt, Chery greife mit eher preisgünstigen, einfacheren Autos an. International greife die Firma breit an mit ihrem Antriebsportfolio mit Benzinern, Hybriden, Plug-in-Hybriden und vollelektrischen Fahrzeugen von mehreren Marken. In Deutschland oder der Schweiz sei das Unternehmen zögerlicher.
Worauf achtest du bei einem neuen Auto am meisten?
Chery sieht er damit als Wettbewerber für Massenhersteller wie die Stellantis-Gruppe mit ihren über einem Dutzend Marken, aber nicht für Audi, BMW oder Mercedes. «Wer einen Honda, Fiat oder Opel fährt, ist sicher eher bereit, zu Chery zu wechseln.» Schwieriger werde es, VW- oder Toyota-Fahrer zu gewinnen, dafür müssten die Einstiegspreise sicher jeweils 15 bis 20 Prozent niedriger sein, so Dudenhöffer.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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