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Thursday, September 24, 2026

Trump-Flüsterer und Tech-Milliardär: Wer ist Peter Thiel?

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US-Investor Peter Thiel erhält in Berlin den Axel Springer Award. Seine kontroversen Aussagen sorgen immer wieder für Kritik. Aktivisten haben Proteste gegen die Verleihung angekündigt.

24.09.2026 | 0:32 min

Der Tech-Investor Peter Thiel erhält heute in Berlin den Axel Springer Award. Begründet wird die Auszeichnung damit, dass er mit Palantir eines der wichtigsten Unternehmen unserer Zeit für die "Resilienz" von Demokratien gegründet habe.

Axel Springer stehe für Meinungsfreiheit und eine offene Diskussionskultur. Und Peter Thiel gehöre zu den seltenen Unternehmern, die die Richtung technologischer Entwicklung mitbestimmen, so begründet Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, die Preisvergabe.

Seine Fähigkeit, langfristig zu denken, gegen den Konsens zu argumentieren und konsequent auf Innovation zu setzen, hat Generationen von Gründern inspiriert.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer SE

Thiel erinnere daran, "dass Fortschritt Mut und Nonkonformismus voraussetzt", so Döpfner.

Peter Thiel, der "Contrarian"

Peter Thiel kultiviert das Image des "Contrarian": eines Unternehmers, der bewusst gegen den Konsens denkt. Auch politisch. Als einer der ersten prominenten Tech-Unternehmer warb er bereits 2016 für den späteren US-Präsidenten Donald Trump.

Das Silicon Valley steht für Freiheit, Kreativität und Fortschritt. Doch autoritäres und antidemokratisches Denken sind dort tief verankert.

27.06.2026 | 37:30 min

"Ich gründe Unternehmen und unterstütze Menschen, die Neues schaffen. Von sozialen Netzwerken bis hin zu Raketen", sagte Thiel 2016. Und:

Ich bin kein Politiker. Genau so wenig ist das Donald Trump. Er ist ein Macher. Und es ist an der Zeit, Amerika aufzubauen.

Peter Thiel, Unternehmer

Früher Unterstützer Donald Trumps

Seit gut einem Jahrzehnt verbindet Thiel das Silicon Valley mit der Trump-Bewegung. Nach Trumps erstem Wahlsieg saß er in dessen Übergangsteam. Zugleich forderte Thiel als Vorstand bei Facebook mehr Gehör für konservative Stimmen. Die Plattform galt als wichtiges digitales Wahlkampfinstrument für Trump.

Thiels Einfluss als Investor gründet auf der sogenannten PayPal Mafia: Ein im Stil eines Mafia-Porträts inszeniertes Cover der Zeitschrift "Fortune" von 2007 zeigt ihn im Zentrum eines Netzwerks ehemaliger PayPal Gründer und Mitarbeiter. Unternehmen wie Palantir, LinkedIn und YouTube gingen später aus diesem Kreis hervor.

Thiel investiert in libertäre Projekte

Doch Thiel ist nicht nur milliardenschwerer Investor. Sondern auch Impulsgeber für Projekte, in denen sich Eliten eigene Refugien schaffen. So investierte Thiel in Projekte wie Seasteading, die Vision schwimmender Städte außerhalb staatlicher Hoheitsgebiete, und in Próspera, eine privat verwaltete Sonderwirtschaftszone in Honduras. Beide Projekte folgen einer libertären Grundidee: politische und wirtschaftliche Experimente möglichst weit von demokratischer Kontrolle und staatlicher Regulierung.

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Mimetische Theorie und Facebook-Investment

Geprägt hat ihn die sogenannte mimetische Theorie des französischen Philosophen René Girard. Als Philosophiestudent in Stanford übernimmt Thiel in den 1980er-Jahren dessen zentrale These: Die große Masse wünscht nicht autonom oder aus sich selbst heraus, sondern orientiert sich an den Wünschen anderer.

Das prägt Thiel auch bei seinen Investitionen: Nach dem Verkauf von PayPal investiert Thiel als erster externer Geldgeber in Facebook und setzt damit auf genau diesen Mechanismus sozialer Nachahmung: Auf Facebook sehen Nutzer Dinge, die sie auch wollen. Eine Wette, die ihn zum Milliardär macht.

"Peter Thiel scheint sehr stark verstanden zu haben: Wenn man mimetisches Begehren durchschaut hat, kann man es sich zunutze machen", sagt Adrian Daub, Literaturwissenschaftler an der Universität Stanford. "Das ist eine Silicon Valley Idee. Ein Lifehack. Ich denke, dass die mimetische Theorie als Realitätsanalyse gedacht ist. Bei Thiel ist es sehr stark dazu ausgelegt, Menschen manipulierbar zu machen."

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24.09.2026 | 29:55 min

Palantir-Software auch in Deutschland im Einsatz

Diese Logik prägt auch das von Thiel mitgegründete Unternehmen Palantir: Daten sammeln, Muster erkennen, Handlungsoptionen ableiten. In den USA nutzt die Einwanderungsbehörde ICE Software von Palantir, um Einwanderer zu verfolgen. Baden-Württemberg hat derzeit Palantirs Polizeisoftware "Gotham" im Einsatz. Mit Palantir eröffnen sich neue Dimensionen staatlicher Überwachung.

Fred Turner, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Stanford, sagt:

Peter Thiel steht für eine Form technokratischen Autoritarismus, die auch Trump anspricht. Trump verfügt über die Mittel, dies im amerikanischen Staat zu verankern, sichtbar wird das bei Palantir.

Fred Turner, Kommunikationswissenschaftler

Das Unternehmen habe den Auftrag erhalten, die Datenbanken der Regierung zu verknüpfen. Diese Integration erlaube es Trump oder einem anderen Staatschef, "Autoritarismus per Knopfdruck umzusetzen".

Experte: Palantir baut auf negativem Menschenbild auf

Autoritarismus per Knopfdruck. Ein Weltbild, in dem Menschen als manipulierbar gelten und Entscheidungen auf Grundlage von Prognosen fallen. Adrian Daub erkennt darin ein generelles Misstrauen gegenüber der großen Masse:

Ich würde sagen, dass Palantir auf einem sehr negativen Menschenbild aufbaut.

Adrian Daub, Literaturwissenschaftler

Ein generelles Misstrauen gegenüber der großen Masse und der Glaube an ihre Verführbarkeit stünden stark hinter den Investitionsstrategien vieler Venture Funds im Silicon Valley, so Daub.

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16.09.2026 | 9:59 min

Wann kommt die Apokalypse?

Girard prägte nicht nur dieses Menschenbild, sondern auch das apokalyptische Denken im Silicon Valley. Auch Thiel beschäftigt sich intensiv mit der biblischen Figur des Antichristen. Für ihn ist sie ein falscher Messias, der unter dem Versprechen von Frieden und Sicherheit eine globale Einheitsregierung errichtet. "Der biblische Begriff dafür heißt Antichrist", sagte Thiel.

Meine christliche Intuition sagt: Ich will weder den Antichristen noch Armageddon. Ich suche einen schmalen Weg dazwischen, mit dem wir beides vermeiden können.

Peter Thiel, Unternehmer

Über diese Ideen wollte Thiel im Juni bei den Wiener Festwochen öffentlich mit dem katholischen Theologen Wolfgang Palaver diskutieren. Der Auftritt wurde nach Protesten abgesagt. Für Palaver ein Fehler:

Jemand mit dem wirtschaftlichen und politischen Einfluss jetzt einfach allein stehen zu lassen. Und unwidersprochen zu lassen. Finde ich falsch.

Wolfgang Palaver, katholischer Theologe

"Was man definitiv sagen kann, ist, dass wir einem KI-GAU immer näherkommen", warnt der IT-Experte Prof. Dennis-Kenji Kipker.

14.09.2026 | 5:33 min

Antichrist und Armageddon

Bereits im vergangenen Jahr hatte Thiel im Commonwealth Club in San Francisco eine nicht öffentliche Vortragsreihe über den Antichristen gehalten. Bei ihm wird die Figur zur Chiffre für Kräfte, die Technologie regulieren und damit Innovation begrenzen. Der Literaturwissenschaftler Adrian Daub hat die geleakten Vorträge ausgewertet:

"Er hat ausgeführt, dass im Denken über die Zukunft der Antichrist und Armageddon mitgedacht werden muss. Wer genau damit gemeint war, änderte sich von Minute zu Minute", so Daub. "Generell schien es hinauszulaufen auf Menschen, die vor der Klimakatastrophe warnen. Greta Thunberg, der Papst, aber immer wieder auch Leute aus dem Silicon Valley, die vor KI warnen."

"Katechon": Begriff nutzen extrem rechte Milieus

Im März sprach Thiel in Rom erneut über den Antichristen. Dabei stand ein weiterer Begriff im Mittelpunkt: der "Katechon". Der biblische Begriff stammt aus dem zweiten Brief des Paulus an die Thessalonicher und bezeichnet eine Kraft, die den Antichristen aufhält. Der Historiker Volker Weiß beobachtet, dass der Begriff in der Rhetorik extrem rechter Milieus derzeit als Rechtfertigung des eigenen Handelns an Bedeutung gewinnt. Während Thiel Regulierung und internationale Institutionen mit dem Antichristen verbindet, könnten die USA zu einem möglichen "Katechon" im Kampf von Gut gegen Böse werden.

Natürlich hat ein global operierender und handelnder Hightech Oligarch kein Interesse daran, dass gesellschaftliche Kräfte, dass die Demokratien seine Produkte irgendwie kontrollieren können.

Volker Weiß, Historiker

Weil das so formuliert doch etwas brutal wäre, müsse dann auf die politische Theologie zurückgegriffen werden, so Weiß.

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NS-Jurist als Peter Thiels Inspirationsquelle

Carl Schmitt, der als Kronjurist des NS-Regimes gilt, machte den "Katechon" zu einem Baustein seines autoritären Staatsdenkens. Auch Thiel nennt Schmitt als Inspirationsquelle. Bereits 2009 schrieb der Tech-Milliardär, dass Freiheit und Demokratie für ihn nicht länger vereinbar seien. Für Thiel entsteht Fortschritt nicht durch Wettbewerb in der Demokratie, sondern durch Monopole.

"Das ist eine Gesellschaft, die letztendlich eine Art faschistische Dystopie darstellt", sagt Historiker Weiß. In dieser Dystopie hätte demnach eine kleine Elite aus reichen Tech-Oligarchen, die sich auch noch theologisch rechtfertige, tatsächlich die technischen Werkzeuge an der Hand, um die Massen global zu kontrollieren, zu beherrschen und zu manipulieren. "Wir können das gerade in Echtzeit beobachten, wie dieser Weg eingeschlagen wird", sagt Weiß.

So begleitet die heutige Preisverleihung des Axel Springer Awards an Peter Thiel ein Paradox: Geehrt werden die Verdienste eines Mannes um die Demokratie, der die Demokratie, wie wir sie kennen, offenbar hinter sich lassen will.

Cornelius Janzen ist ZDF-Redakteur und Reporter für 3sat Kulturzeit.

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