Was wusste Weidel über illegale Spenden?
Es geht um 132.000 Euro illegale Spenden aus der Schweiz, 396.000 Euro Strafe für die AfD und mehr als 3.000 E-Mails der Parteivorsitzenden Alice Weidel aus einem Datenleck ihrer Partei. Im AfD-Leak finden sich bisher unbekannte Informationen, wie die damalige AfD-Spitzenkandidatin die Finanzen für ihren Bundestagswahlkampf organisierte.
Und es drängt sich eine Frage auf: Weiß Alice Weidel mehr über illegale Spenden aus der Schweiz, als sie bisher öffentlich zugegeben hat?
Die AfD meldet einen Hackerangriff im September. Dabei seien mutmaßlich E-Mail-Daten erbeutet worden. Aktuelle Postfächer seien nicht betroffen. Eine Veröffentlichung wird laut Partei geprüft.
20.10.2026 | 0:21 minSpende aus der Schweiz an AfD-Kreisverband
Um die Brisanz zu verstehen, muss man zurückblicken. Im November 2018 deckten Journalisten von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung auf, dass dem AfD-Kreisverband Bodensee 132.000 Euro aus der Schweiz gespendet wurden. Alice Weidel hatte als AfD-Spitzenkandidatin im Wahlkreis 293 Bodensee für den Bundestag kandidiert. Das machte die Sache brisant, denn Parteien dürfen Spenden über 500 Euro nicht annehmen, wenn nicht feststellbar ist, wer der Spender ist.
Auch Recherchen von ZDF frontal und dem "Spiegel" brachten ans Licht: Das viele Geld stammte wahrscheinlich von dem Immobilien-Milliardär Henning Conle. Und es war gestückelt überwiesen worden - möglicherweise auch zur Tarnung des eigentlichen Spenders.
All das verstößt gegen das Parteiengesetz, ist illegal. Und so verhängte die Bundestagsverwaltung gegen die AfD eine Strafe von 396.000 Euro. Die Partei musste zahlen, das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte geurteilt, dass die AfD die Schweizer Spenden nicht hätte annehmen dürfen.
Die AfD hat Vorschläge für eine radikale Reform der Europäischen Union präsentiert.
22.10.2026 | 0:42 minWas wusste Alice Weidel?
Gegen Alice Weidel jedoch stellte die Staatsanwaltschaft Konstanz ein Ermittlungsverfahren ein. Es habe sich kein hinreichender Verdacht ergeben, dass die AfD-Spitzenfunktionärin an einer Stückelung der Spenden zur Verschleierung ihrer Herkunft mitgewirkt oder sich mit dem Spender abgesprochen habe, so die Begründung der Staatsanwälte.
Weidel sprach von einer "ungebetenen Spende", von der sie erst im September 2017 am Rande einer Wahlkampfveranstaltung erfahren habe. Weidels Sprecher präzisierte sogar den Tag. Es sei wohl der 17. September 2017 gewesen, und damit kurz nachdem die letzte Tranche der gestückelten Spende eingegangen war. Das Geld sei nicht an Weidel persönlich gegangen, sie sei auch nicht zuständig gewesen.
AfD-Chefin Weidel zeigt sich im ZDF-Sommerinterview mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt siegessicher. Die AfD werde regieren, auch im Bund, sagte Weidel.
23.08.2026 | 3:01 minDoch nun gibt es das AfD-Leak: Aus den bisher unbekannten E-Mails geht hervor, dass Weidel persönlich organisiert hatte, wie Spenden für ihren Wahlkampf angenommen und ausgegeben werden sollten.
Bereits am 10. Juli 2017 bittet sie die Schatzmeisterin ihres Kreisverbands Bodensee, das Konto des Kreisverbands "2x wöchentlich im Blick" zu haben. "Da wissen wir, wie viel wir ausgeben können." Eingänge und deren Höhe solle die Schatzmeisterin ihr per E-Mail bestätigen. Und dann folgt der Satz von Weidel, der aufhorchen lässt: "Es wurden mir Spenden avisiert, mit denen ich meinen Social Media Wahlkampf bestreiten muss."
Vor wenigen Tagen haben Hacker rund 300 Gigabyte Daten ins Netz gestellt, gestohlene Daten der AfD. ZDF frontal, "Der Spiegel" und "Der Standard" konnten sie mit technischer Unterstützung des Recherchenetzwerks OCCRP auswerten.
Vieles spricht für die Echtheit der Daten, viele E-Mails tragen beispielsweise eine digitale Signatur, die sich auf Echtheit abgleichen lässt. Die AfD bestätigte einen Hackerangriff und den Abfluss von Daten.
Verwendungszweck: "Wahlkampfspende Alice Weidel Social Media"
"Wahlkampfspende Alice Weidel Social Media" - so lautete der Verwendungszweck der Überweisungen aus der Schweiz. Der erste Teil der Großspende, umgerechnet 8.021,59 Euro, ging vier Tage nach Weidels E-Mail ein, 16 weitere Zahlungen folgen. Das Geld floss über zwei Zürcher Pharmafirmen an das Konto des Kreisverbands.
Am 11. Juli 2017 - nur einen Tag nachdem sie geschrieben hatte, ihr seien Spenden für den Social-Media-Wahlkampf angekündigt worden - bat Weidel die Kreisschatzmeisterin zudem um ein "KV-Unterkonto nur für meine persönlichen Spenden". Sie wolle die Budgets des Kreisverbands und ihrer Wahlkampfkasse getrennt halten. Die Kreisschatzmeisterin antwortete: "Du bekommst DEIN EIGENES Konto." Noch am selben Tag meldete sie, das Konto sei nun eröffnet.
Die AfD wettert gegen Vetternwirtschaft, doch intern brodelt es: In Brandbriefen ist sogar von einem "korrupten System", "mafiösen Strukturen" und einer "mutmaßlichen Veruntreuung" die Rede.
03.03.2026 | 16:56 minDie internen E-Mails aus dem AfD-Leak dokumentieren darüber hinaus: Weidel hat sich knapp zwei Wochen nach der Kontoeröffnung offenbar vom Bundesschatzmeister der AfD die Vorlage für einen Umlaufbeschluss schicken lassen: "Frau Weidel erhält freie Auftragsverfügung über die für sie eingehenden zweckgebundenen Bundestagswahlkampfspenden."
Ihr Kreisvorstand, darunter die Kreisschatzmeisterin, stimmte zu. Damit konnte Weidel spätestens Ende Juli 2017 auch über das Geld aus der Schweiz entscheiden, von dem sie nach eigenem Bekunden gar nichts gewusst hat. Rund 32.000 Euro waren da bereits eingegangen.
Das sagt Weidels Sprecher
Wie passt all das zusammen mit Weidels Erzählung von den "ungebetenen Spenden", von der die heutige AfD-Parteichefin nach eigenen Aussagen erst im September 2017 - also Monate später - erfahren hat?
Ein Sprecher der Parteichefin teilt mit, Alice Weidel habe "damals viele Gespräche mit potentiellen Unterstützern geführt, die sich für die Möglichkeit einer Spende interessiert hätten". Aus diesem Grund sei auch das Unterkonto eingerichtet worden, dessen Bankdaten auf einer Wahlkampfseite für jedermann einsehbar gewesen seien.
"Weder hat Frau Weidel konkrete Summen erwartet noch war sie sich sicher, dass einzelne Personen tatsächlich spenden würden." Auch die Zahlungen der Zürcher Pharmafirma PWS habe sie nicht erwartet. Eine im Auftrag Weidels arbeitende Presserechtskanzlei ließ eine Frist für Nachfragen verstreichen.
Die AfD zog vor das Berliner Verwaltungsgericht, um eine eingezogene Millionenspende zurückzubekommen. Heute machten die Richter klar: die AfD hätte das Geld nie annehmen dürfen.
07.05.2026 | 1:43 minSitzungsprotokoll geleakt
Im August 2017 jedenfalls wandte sich die Schatzmeisterin des AfD-Kreisverbands Bodensee per E-Mail an den Landesschatzmeister der AfD Baden-Württemberg: "Ein Gönner aus der Schweiz unterstützt Alice wöchentlich mit mehreren tausend CHF", schrieb sie und fragte, was dabei zu beachten sei (CHF steht für Schweizer Franken).
Laut dem Protokoll einer Sitzung des Landesvorstands zur Aufarbeitung der Affäre, das nun ebenfalls geleakt ist, soll es nach Angaben des damaligen Landesschatzmeisters zu einem Telefonat zwischen ihm und der Kreisschatzmeisterin gekommen sein. Über Weidel soll der Landesschatzmeister demnach in einer Sonderkonferenz im November 2018 gesagt haben: "Sie behauptet, dass sie nichts von der Spende wusste. Ich weiß, dass sie es wusste." Ausweislich des Protokolls nannte er dafür keine Belege.
Der Sprecher Weidels teilte grundsätzlich mit, "dass Frau Weidel keine ihrer Aussagen in der Causa Spenden KV Bodenseekreis revidiert". Die Frage, ob sie den Immobilienmilliardär Henning Conle kennt oder mit ihm jemals über Parteispenden gesprochen hat, ließ Weidel erneut unbeantwortet.
Ab dem 23. August 2017 wurde das Schweizer Geld jedenfalls nach und nach auf das für Weidel eingerichtete Wahlkampf-Konto umgebucht. Das Direktmandat für den Wahlkreis 293 konnte Weidel zwar nicht gewinnen. Mächtiger in Partei und Politik wurde sie dennoch. Unmittelbar nach der Bundestagswahl 2017 übernahm sie mit Alexander Gauland den Vorsitz der neu gegründeten AfD-Bundestagsfraktion.
Interne Mails über radikale Mitglieder
:AfD-Leaks: Streit, Beschimpfungen und eine HakenkreuzfahneDie geleakten AfD-Mails geben tiefe Einblicke, welche Ansichten Parteimitglieder teilen, wenn sie sich unter sich wähnen. Und wie schwer man sich mit Parteiausschlüssen tut.
von Katja Belousova und Nils Metzger
mit Video0:21
Über die AfD-Leaks berichtete ZDFheute Xpress am 20.10.2026 um 11:50 Uhr.
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